Frau Inge Galles Vortrag beim Peterswalder Treffen in 2013

Video Presentation:      http://youtu.be/L9DnAXXezh8

Vorwort
Vorche Woche hout Renate bei mir ongefrout,
kenntst Du nech dos Gedicht virtrohn ?
Ech ho spontan jo gesout,
ech wes vasuchn on fong dann gleich on.

Virha we ich noch meine persönlichen Erinnerungen,
on dos idyllisch gelane Flackl Are, direct on da
Grenz nouch Sochsen, bekanntgan.
Laut Ölsner Chronik wure da „Binnhof” 1503 is erschte
Mo benannt. 1572 gob’s schon de Mihle, die wure 1950
stille gelert.

1939 hotte ich mit man Eltern ewer de Peterschwälder
F
alder dos Beenhoftal erwandert.  Begeistert wor ech
vom Teiche, e Kahnel log am Ufer festgebonden und
ma konnte domit offn Teiche rudern, ee Gaudi für de Kinder.
Bildlich sah ech dan Eisold-Müller met sanner
karierten Schürze in da Mihlentüre stehn.  Er hout a
gures Brot gebocken. Im Gasthof mit dan decken
Mauern bot de Eisold Friedel Assen on Trinken on.

Noch da Vatreibung im Juli 1945 kunnten mir in
Hellendorf bleim.  Da Haase, Richard hotte uns abgepoßt
on zom Papa gesout: Zoppe konnst gleich wera bei mir
onfongn.  Wir krichten Wohnung in dan scheen Holzhouse
oberhalb da Siedlung, also nech weit wag vom Beenhofe,
da ofte unser Sonntichausflogziel wor.

1945 wu alle Hunger hottn, gobs vee Pelze, Papa kannte  
vee Flackeln im Beenhof- und Mordgrundbosche vo früher.
So mochte uns so moncher Pelzbrouten soot un zufreden,
1954 feierten die Eltern „Selverhoxt” im Beenhofe, on weßta
wa da Gostwirt wor, da Körtel Erhard an seine Frau aus
Petaschwalde.

So nonte on da Grenze sein mir fost jere Nacht ewa de Falder
un hon ausen Haus in da Tise, ve von unserm Besitz gehollt.
1947 wullten Mama und ech zu da Tante Kühnel Marie.  Se gob
uns en Teel vo dan Care-Packeln aus Amerika ab.  Als wir offnen
Faldwag Richtung Tool liefen wure ganz nonte naben uns in de
Loft geschossen.  Zu Tore daschrocken bliem ma stehn.
Zwo Grenzer komen of uns zu un wullten wessen, wuhen ma wolln.
Wir hon Tante Marie nech genannt, se hätte ja Hutelei gekriecht.
Als da eine, da gut deitsch sproch noch unsarm Nomen  

froute, menta: Frau Zappe kenn ich ihren Mann gut und
wäre ich allein, würde ich sie laufen lassen, aber hab ich
Kamerad dabei.  So wurd ma zem Vahör zem Jahnse gebrocht
und dann of da Post in an Kalla met zwo Pritschen gesperrt.
Es war ängstlich, virn Fanster bellte ununterbrochn a Hund
und oben im Soole (in dan ma etze setzen) wure met lauter
Musik da 1. Dai gefeiert.  Nechsten Morgen gings eura
Nollendorf noch Tellnitz, mit da Stroßenbohne noch Aussig ins
Gefängnis.  Wir mußten 12 Toge 13 Frauen in enner 5 Mann-Zelle
zubrengn.  Dann gings zurecke noch Petaschwalde,
die Gendarmen schofften uns bis zu da Grenze on Beenhofe on
met “honem, honem” wur ma ins Sächsche entloosen.

On etze dos vasprochne Gedicht vom Beenhofe


Jera Petaschwälder keent es Beenhoflied.  Es ees eene Volksdichtung, in
da mea Petaschwälder tatsächliches Geschehen zsomgetroon hoon. Em
Johre 1887 hout da Josef Kühnel es dann gedichtet und später hout da
August Ritschel aus Peterswald 161 de Verse noch amou verändert.
Jetzt ho ech s a noch amou verändert, nämlich in de Petaschwälder
Mundoat.

Renate v. Babka, geb. Beil

                                                    
Beenhoflied

Im Friehjoah, wenn da Schnee vageht un still de Veilchen bliehn
Dou sieht ma bald so monchn Herrn zum Beenhof hinziehn
Da Adrian-Wenz, da Wawa-Wenz und dann sou nouch da Reihe
Da Beckn-Korl, Güttler-Wenz und die Barche olle dreie.

Em scheen morchensonnenschein der Banke kemmt spoziert
Da wee gane Dokta sein und hout doch nech studiert
De Brelle schief mit an Glose, wos’n noch nech amou scheniert,
da sommelt Beenhofkreita ein, womet er dann kuriert.

Schon zeitich in da Sunntichfrieh, dou reckt da Schuwat aus
Saacht sich ne dirre Kiefer em, gleich naamm Steinmanns Haus
Da Steinmann woa a reicher Moon, da nun beinoh nischt mej hot
Wenn da sulche Leite sieht, kriecht a dos Laamm soot.

Da Hamann Franz un da Löbel Franz setzn beim Eisold
drenne
Un mochen dou a Speelchen un honn nischt em Senne.
Da Jürgen-Seff da speelt a mit un tutt wie ewageschnoppt
Weil ehm sein Färbelspiel schon wera gor nech klobbt.

Da Peeschel-Gust kemmt fesch herein, wie imma zum Pläsier
Rufft gravitätisch wie a Held: Herr Wirt, a Eenfoch-Bier
Da Botschen und da Schulnazseff gehn gaane metnander aus
Doch wenn se amou beim Eisold sein, dann gehn se schwer nachhaus
.

Em Summa, wenns gerent hout, die Pilze wochsen bald
Den Wolf-Seff un die bessern Herrn, trefft ma em Beenhofwald,
da Möser kemmt met sann Söhnen s Blumentrittsteigel rein
Da Eisold kennt n schon von weitem un schenkt an Bettern ein.  

Da Vieweck-Franz un da Schmiede-Wenz ruhn aus am Waldesrand
Un seng aus voller brost das Lied “Mein Heimatland”
Da Adrian-Just da lauscht em Tal n Sängern traute Kläng
Ruft “Bravo” sengt og noch amou, dann geh ech meiner Gänge.


Da Eispold da hout Freere dron und hout de Leite gaane
Og meene Forellen loust in Ruhe,
Dou kemmt da Sottla, zieht sich aus un greift gleich untan Steen.

Da Brückn-Just, da steht dabei, we a gaane amaou fischen
Dou kräht da Sottla, poss og auf, doss se uns nech daweschen
Da Hamann-Gust un Jogel-Gust, die fischen zugleich
Un wenn die in da Boch nischt fenn, dann feschen se im Teich.

Da Eisold sonst a gura Moon, dou schimpft a wie noch nie
De Forellen sein mein Eigentum, ech geh zur Gendarmerie
Da Schandarm kemmt a bald drauf und we fang de Fischersleite
Doch sein die längst über olle Barche mit da Forellenbeite.

De Sengvouchln fliehn heen un haa in Gottes freier Welt
Der beehmsche Schneira Hofek-Wenz met List noch n stellt.
Fängt Zeisich, Hänfling, Distelfink met sann Vouchelleim
Lässt zwitschan dann de Vouchelschar beim Schneirateesch daheim.

Em Spätherbst, wenn em Beenhoftal da Hirtenruf erschallt
Da Beilschuster-Just un da Housa-Anton sein noch im Beenhofwald
Se schneinn Birkenrutn aus met vee Gedold führwohr
Un mochn prima Basn draus im Winter jeres Johr.

Da Greten-Just geht Johr und Toch aufs Beenhofgut und schofft
Da Steinmann hout ehn sehr gaane und schätzt seine Orweitskr
aft
Wenn s Őlsner Gleckl rufft: moch Feieroumt, gure Nocht
Dou houckt er stad en Holzklotz auf un hinkt heemwärts damit socht

De Menschn olle, die dou genannt, ruhn längst am Erdenschoß
Un ewrich bleibt von olledaan uns die Erinnrung bloß
Denn es is bestimmt a Gottes Rout, a Komm un a Gehn
Dochs Beenhoflied met sann Hehn wird ewich bleim bestehn.

Nachwort
De Petaschwälda sein in da holbn Walt verteilt,
zem Traffen seinse von do und dirt, vo weitha geeilt.
Hon sich met Fleiß eene neie Hemt geschoffen,

fühln sech dirt wohl, dos we ech doch hoffen,
Ober de Hemt kenn ma halt nech vagassen,
so hot da Zechel Bernd met alten Fotos
das Dorf am Labm gelassen.  

Dodafür ve Dank.  

Ihr Alle bleibt og gesond on gura Denge,
dos wünscht von Herzen, von Zappens,
                                                    
                                                    die Inge