Schönwald
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Zu Beginn des 12. Jahrhunderts werden Böhmischkahn, Deutschkahn, Peterswald, Nollendorf und pulcher mons (= Schönberg), aus dem später Schönwald wurde, als Kirchenorte des östlichen Erzgebirges genannt.  Schönwald war damals im Besitz des Johanniterordens, dem Wladislaw I. – auf Bitten seines Bruders Heinrich – einen Wald bei Olsenice, dem späteren Oelsen, geschenkt hatte.  Dieser Wald erstreckte sich bis in den mittleren Wald Hwojen bei Böhmischkahn.  Die Johanniter begünstigten die deutsche Besiedlung Nordböhmens.

Um das Jahr 1322 erwarben die Wartenberger Anteile des Johannitergebietes und besetzten einige Jahre danach die Pfarrpfründe von Königswald, Peterswald, Schönwald und Kulm.  Später gehörte Schönwald zur Herrschaft Graupen, die den Herren auf Kolditz gehörte.  Gegen Mitte des 15. Jahrhunderts befehdeten sich Hans von Kolditz auf Graupen und Johann der Jüngere von Wartenberg wegen strittiger Gebiete und unbestimmter Grenzen.  Am 2. Januar 1487 verkaufte Timo von Kolditz die Herrschaft Graupen an Ernst von Schönburg auf Glauchau in Sachsen.  Danach wechselten die Besitzer von Graupen recht häufig, bis am 24. April 1537 Wenzel von Wartenberg die Herrschaft, die damals 24 Städte und Dörfer umfaßte, kaufte.  Zwischen 1537 und 1545 schlichteten kursächsische und königlich-böhmische Kommissionen Grenzstreitigkeiten.  Die Auseinandersetzungen erfaßten auch einen Bach bei Schönwald, den der Bünau auf Lauenstein für sich beanspruchte.  Erst das gute Einvernehmen Kaiser Ferdinands mit Moritz von Sachsen machte den Grenzstreitigkeiten ein Ende.  Die Grenze wurde damals so festgelegt, wie sie heute noch besteht:  Sie verlief von da ab nahe der Dörfer Zinnwald, Voitsdorf, Müglitz, Streckenwald, Schönwald und Peterswald, die alle zu Böhmen gehörten, während Bienhof, Kleppisch und Rosental zu Meißen im Lande Sachsen geschlagen wurden.

Als sich Wenzel zu Wartenberg nach 1546 des Kaisers Feinden anschloß, wurde er der Majestätsbeleidigung für schuldig befunden und seines Graupener Besitzes für verlustig erklärt. Der Besitz fiel an den König von Böhmen.  Am 15. Januar 1580 verkaufte Kaiser Rudolf II. die Dörfer Schönwald, Nollendorf und Peterswald nebst Waldstrecken an der Oberen Tellnitz und Sernitz für 12.146 Schock und 29 Groschen an den Reichspfennigmeister (Zahlmeister) Tam (Damian) von Sebottendorf, der seine Erwerbungen zu einer Gutsherrschaft mit Sitz in Schönwald machte.

In der Topographie des Leitmeritzer Kreises aus dem Jahre 1787 – verfaßt vom Ordenspriester der frommen Schulen, Jaroslaus Schaller, ist der Ort Schönwald wie folgt beschrieben: Schönwald, ein Dorf von 172 Nummern, mit einem Schloß und Meyerhof, liegt in hohem Gebirge an den äußersten sächsischen Grenzen, 14 Postmeilen von Prag, 2 Meilen von Außig, 2½ Meilen von Teplitz und 4 Meilen von Dresden entfernt.  Den Ort durchströmt ein aus den nahe liegenden Forellenteichen herbeieilender Mühlbach, der im Dorf 11 Mahl- und 3 Brettmühlen treibt.  An dem unteren Teil des Dorfes rieselt ein von den Anhöhen herabfallendes Bächlein vorbei, das die Grenze zwischen Böhmen und Sachsen bestimmt und sich bald darauf mit dem vorgedachten Mühlbache vereinigt.

Gleich hinter diesem Grenzbache sind zwei sächsische Häuser angebaut.  Nicht ferne von dannen liegt der sogenannte Spitzberg, von dessen Gipfel bei hellem Tage die Städte Pirna und Dresden, die Festung Königstein und andere entlegene Gegenden ganz leicht auszunehmen sind.  Der deutsche Landmann sucht hier seine Nahrung größtenteils im Spinnen und einem wenigen Flachs- und Ackerbaue, der aber der rauhen und ungestümen Witterung wie auch der häufigen Sommerfröste wegen nur Korn und Hafer trägt.

Dieser Beschreibung des Ortes und seiner Umgebung folgt eine weitere in der Ausgabe 1833 der Topographie des Leitmeritzer Kreises von Johann Gottfried Sommer: Schönwald, am nordwestlichen Abhang des Erzgebirges, in einem sich von Südost nach Nordwest ziehenden, von dem nach Sachsen gehenden Gottleuba-Bach durchströmten Tale und am südlichen Fuße des Spitzbergs gelegen, ist ein gegen eine Stunde langes, bis an die sächsische Grenze reichendes Dorf von 261 Häusern mit 1657 Einwohnern, 5 Meilen von Leitmeritz, 2½ Meilen von Teplitz und ½ Meile von Peterswald, der nächsten Poststation, entfernt.  (Der Ort) hat ein herrschaftliches Schloß mit dem Sitze des obrigkeitlichen Wirtschaftsamtes, 1 Bräuhaus auf 24 Faß 4 Eimer, 1 Branntweinbrennerei, 1 Meierhof und 1 Schäferei; ferner 4 Wirtshäuser, 12 Mahlmühlen, 1 Öl- und Hirsemühle und 3 Brettmühlen.  In dem von Joseph Rudolph Grafen von Schönfeldt gestifteten und 1706 erbauten und dotierten Spital werden 7 Arme verpflegt.

Über das Alter der hiesigen Pfarrkirche „Zu Mariä Himmelfahrt", welche 1790 (wieder)erbaut und 1795 eingeweiht worden war, läßt sich nichts Gewisses anführen, da die lutherischen Pastoren bei ihrer Auswanderung alle Urkunden und Kirchenbücher mit sich genommen haben.  Die ältesten vorhandenen Matrikeln der wieder eingesetzten katholischen Pfarrer gehen über das Jahr 1649 nicht hinaus.  Vom 30. März 1655 bis 4. Juli 1671 ist die Seelsorge von den P. P. Dominikanern zu Außig versehen, nach dieser Zeit aber wieder ein eigener Pfarrer angestellt worden.  Gegenwärtig stehen sowohl die Kirche als auch die Schule unter dem Patronate der Obrigkeit.  Zum Sprengel dieser Pfarrei gehört außer Schönwald selbst keine andere Ortschaft.  Die Dörfer Peterswald, Nollendorf und Böhmischkahn, welche in früheren Zeiten nach Schönwald eingepfarrt waren, sind späterhin unter eigenen Seelsorgern davon getrennt worden.

Etwa 1¾ Meilen nordwestlich von Nollendorf liegt auf Schönwalder Rustikalgründen der aus Basalt bestehende Spitzberg nahe an der sächsischen Grenze, so daß sein nördlicher Fuß schon das Gebiet des Königreichs Sachsen berührt.  Man nennt ihn daselbst auch den Sattelberg, weil er von Dresden und dessen Umgebung aus gesehen mit einem Sattel Ähnlichkeit hat.  Die Aussicht von diesem Berge umfaßt nicht bloß Dresden und dessen Umgebung längs der Elbe bis Pillnitz und Königstein, sondern auch einen Teil der Oberlausitz,Schlesiens und Böhmens.

Der durch das Dorf Schönwald fließende, etwa ½ Stunde südlich davon entspringende Bach nimmt seinen Lauf nach Sachsen, empfängt daselbst von dem Städtchen Gottleuba seinen Namen und ergießt sich bei Pirna in die Elbe.  Bei dem Dorfe Schönwald, nächst dem Schloß und oberhalb dieses Ortes, befinden sich 6 kleine, mit Forellen besetzte Teiche.  Die Bevölkerung ist sämtlich der katholischen Religion zugetan und spricht durchaus Teutsch.

Ungeachtet des rauhen Klimas, dessen Einflüssen die Gebirgsdörfer unterworfen sind, ist der Ackerboden doch von so guter Beschaffenheit und so leicht zu bearbeiten, daß er bei gehöriger Düngung hinlänglich ergiebige Ernten an Roggen, Hafer und Erbsen liefert.  Der Flachs erreicht hier nicht selten eine Höhe von beinahe 2 Fuß und ist von erprobter Güte.

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Rudolf Püschel,  Anfang und Ende einer deutsch-böhmischen Heimat, ( ISBN9663968-4-7 ),
                           RFP Publications, Mountain View,
Kalifornien 2000, pp. 6-7.

1.  Ein Schock waren 70 Kreuzer oder 30 Wiener Groschen.
2.  Eine Meile war eine Weglänge, die man in 2 Zeitstunden zurücklegen konnte.   Das sind etwa 8 Kilometer.
3.  Als trockenes Hohlmaß galt der Strich (für Körnerfrüchte und ähnliches).   Ein Strich waren 4 Viertel, ein Viertel waren
        4 Metzen,  eine Metze waren 2 Mäßlein.   Ein Mäßlein war so viel, wie man zweimal mit beiden aneinander
         gehaltenen Hohlhänden fassen konnte.