St. Anna Kirche in Tyssa

Die Kirche der HL. Mutter Anna wurde 1789 ganz im Zeichen des Rokoko erbaut.  Am Fuße der Tyssaer Wände stehend, hat sie in den über 200 Jahren viel „erlebt und überlebt.“  Bis zu unserer Vertreibung aus der liebgewonnen Heimat war sie nicht nur für die Bevölkerung des Ortes, sondern auch für die zahlreichen Gäste und Touristen, welche den ehemalig bekannten „Luftkurort“ besuchten, eine begehrte Sehenswürdigkeit.

Nach 1945 begann der bauliche Verfall dieses Gotteshauses, da das Dach undicht und die Kanalisation defekt wurde.  Erst 1991 wurde mit einer dringenden Rekonstruktion begonnen.  Die Handwerker fanden bei den Dach- und Turmarbeiten über der Turmkugel in einem verlöteten Kästchen eine Nachricht aus dem Jahre 1926 zum Gedenken der damals durchgeführten Renovierung der Kirche.  Der ehemalige Pfarrer Johann Wiesinger hatte sie geschrieben.  Sie erhält interessante Ausführungen über die durchgeführten Instandsetzungsarbeiten, die Namen der beteiligten Baubetriebe und Handwerker sowie eine Liste der Spender, da die zur Verfügung stehenden Geldmittel nicht ausreichten.  Den Wortlaut dieser interessanten Dokumente konnte man im August 1991 einer tschechischen Zeitschrift entnehmen.  Ich war stolz, als ich beim Durchlesen der Namen dieser 27 Spender, auch den Namen meines Großvaters, „Josef Richter, Revierförster“, las.

Nachdem wir bereits bei einigen Besuchen in meinem alten Heimatort jeweils vor geschlossenem Kirchportal standen und nur durch die eisernen Gittertür die dort gelagerten Baumaterialien sehen konnten, hatten wir im August des Jahres 2000 das große Glück, auch außerhalb der Öffnungszeiten die Kirche betreten zu können.  In Vorbereitung auf die Sonntagsmesse wurde von einer Einwohnerin des Ortes das Innere der Kirche gesäubert sowie der Altar und Nebenaltar mit Blumen geschmückt.  Sie ermöglichte uns, die Kirche in Ruhe zu besichtigen und Aufnahmen zu machen.  Ich war angenehm überrascht, das Innere der Kirche so vorzufinden, wie ich es in meiner Erinnerung hatte. Der Zustand der Orgel, die ich beim Besteigen der Empore sah, lässt jedoch vermuten, dass ihr die „Luft ausgegangen ist“.  Den zwei uralten Beichtstühlen, die nun links und rechts neben dem Hauptportal stehen, sieht man auch ihr wohl 200 jähriges Alter an.

 Es war für uns ein interessantes Erlebnis, nach 55 Jahren die Kirche von innen und in einem guten Zustand zu sehen und im Bild festhalten zu können.

Harald Richter
Rostock