Schönwald

Schönwald
( 302 Häuser, 985 Einwohner ), Est. Tellnitz, Post, Pfarre und Schule im Orte, liegt in einem Quertale des Erzgebirges am Schönwalder Bach der nach Überschreitung der sächsischen Grenze Gottleuba heißt und bei Pirna in die Elbe mündet.  Die Dorfstraße wurde 1842 als Fortsetzung der Nollendorf-Schönwalder Straße erbaut.  Die Ortshöhe bei der Kirche beträgt 586 m.

Die Bewohner sind größtenteils Landwirte.  Sonst sind alle Handwerke vertreten.  Ein Teil der Bewohner findet in der bestehenden Metallwarenfabrik Beschäftigung.  Der Ort hat einen Dorfflur von 2369 ha. und ist mit seinen 74 alten Bauerngütern (1654) das größte Waldhufendorf des ganzen Kreises Aussig.  Urkundlich wird es im Jahre 1437 das erstemal genannt, als der Kaiser Sigismund die von der Krone Böhmen zu Lehen gehenden und ihr heimgefallenen Güter „Schönwalde und Streckenwalde" seinem getreuen „Wolf Teler" verlieh.  1477 gehörte es aber schon zur Herrschaft Graupen, bei der es bis 1580 verblieb, in welchem Jahre Tam von Sebottendorf die Dörfer Schönwald, Nollendorf und Peterswald kaufte.  Der Meierhof und der Herrensitz dürften wohl erst aus dieser Zeit stammen.  Daß noch stehehloß wurde 1708 vom Grafen Franz Ignaz Wratislav von Mitrowitz erbaut, wie aus einer Inschrift oberhalb der Haustür erkennbar ist.  Das Meierhofgebäude wurde 1766 von dessen Enkel Franz Karl neu errichtet.  Das Bräuhaus war ein Teil des langgestreckten Meierhofgebäudes, hatte starke Mauern, feste Gewölbe und enthielt außer der Braustätte entsprechende Kellereien und die Wohnungen für das Personal.  Der Erbauer dieses Gebäudes und wahrscheinlich auch des herrschaftlichen Schüttbodens dürfte Peter de Versa gewesen sein.  Die Brauerei wurde 1918 aufgelassen.  Meierhof und Schloß gehören jetzt der Stadt Aussig.  Die kleine Kirche, die auf dem Friedhofe stand, wurde 1639 von den Schweden niedergebrannt, aber 1656 ( auf dem Friedhof ) wieder aufgebaut.  Die jetzige Kirche stammt aus dem Jahre 1790.  An der Aussenseite der Kirche, links von der Sakristei, erinnert eine Gedenktafel an den Grafen Josef Rudolf von Schönfeld, dessen Herz in einer verlöteten Blechkapsel hinter dieser Tafel eingesetzt wurde, welche 1707 in der alten Kirche eingemauert war.  Dieser war der Stifter des alten Spitals, das von 1706 --1813 stand und 1909 von Grafen Ottokar von Westphalen als Asyl neu errichtet wurde.

Im Dreißigjährigen Kriege, in den Schlesischen Kriegen, 1813 und 1866 hatte Schönwald viel unter den durchziehenden Truppen zu leiden.  Nach der Schlacht bei Kulm 1813 trieben Kosaken verfolgte Franzosen bis über Schönwald hinaus in den Grund nächst dem Sattelberge, wo der größte Teil niedergemetzelt wurde.  Der Flurname „Mordgrund" erscheint urkundlich bereits im Jahre 1609 (  Peterswalder Gerichtsbuch ab anno 1572, sol. 679 ). 

Nördlich von Schönwald erhebt sich der geologisch bemerkenswerte Spitzberg oder Sattelberg ( 719 m ), der einem Basaltausbruche aus zwei aus zwei Schloten seine Entstehung verdankt.  Um den Berg haben sich Sandsteine der zenomanen Kreideschichten erhalten, die einst das ganze Erzgebirge überlagerten.  Die Nordwestseite ist Basalt und die Nordseite Sandsteinfelsen.  Von dem Berge genießt man eine Aussicht bis Dresden, Königstein, in die Lausitzer und Freiberger Gegend.  Am Fuße des Felsens wurde 1906 ein Schutzhaus erbaut.  Nordöstlich vom Sattelberge steht an der sächsichen Grenze ein massives Steinkreuz.  Der Bierschenker Josef Walter aus Schönwald Nr. 148 ließ es errichten zur Erinnerung an seine dort am 3. Juni 1823 meuchlings ermordete Tochter, daher der Name Walterkreuz.  Beim Hause Nr. 136 wurde 1840 vom Müllermeister Ferdinand Rosenkranz die Peter-Paul-Kapelle errichtet.  Beim Hause Nr. 134 steht eine mächtige Linde, beim Hause Nr. 176 eine Eiche von je 6 m Umfang.  Am 8. und 9. Juli 1927 wurde Schönwald von einer schweren Hochwasserflut betroffen.

1654 hatte Schönwald 93 Häuser, von denen 29 unbewohnt waren.  ( 47 Bauern, 27 Kleinbauern, 19 Häusler. )  1787 wurden 172, 1833 261, 1887 309 Nummern gezählt.  Die Bevölkerung, die 1880 1562 betrug, ist stark zurückgegangen.

Das über eine Stunde lange Dorf Schönwald liegt in einem Quertale des Erzgebirges. Die Höhenabhänge bei Schönwald sind entwaldet.  Nördlich von Schönwald erhebt sich der Spitzberg      ( Sattelberg ), 719 m hoch.  Auf demselben ist eine Schutzhütte mit Sommerrestauration errichtet worden.  Der Berg bietet eine Fernsicht nach Dresden, Pillnitz, Königstein, in die Oberlausitz, nach Schlesien und über einen Teil von Böhmen.  Er verrät schon durch seine Form den basaltischen Charakter.  Etwa eine halbe Stunde vom Orte entspringt der Schönwalder Bach, der nach Sachsen fliest.  Die Bewohner betreiben Ackerbau und Viehzucht.  Schönwald hat ein herrschaftliches Schloß und einen Meierhof ( künstliche Forellenzucht ).  Die jetzige Himmelfahrtskirche stammt aus dem Jahre 1795.  Im Unterdorfe steht eine St. Peter- und Paulkapelle.  Die jetzige vierklassige Schule ist in dem, im Jahre 1881 neu erbauten Schulhause untergebracht.

 -- Im Jahre 1813 litt das Dorf verhältnismäßig wenig.  Mehrere Strohdächer wurden abgedeckt und zu den Biwaks verwendet.  Der Schönwalder Hopfenhändler Mitreuter war damals 26 Jahre alt und Handlungsdiener.  Er wurde am 30. August um 7 Uhr morgens zu General Kleist geführt und über die Wege befragt.  Er mußte Wegweiserdienste leisten und erhielt  „manchen Schlag, er wußte nicht warum und weshalb".   Am Schlachttage von Kulm gingen einige vorwitzige Bauern auf eine nahe Höhe; als sie sich wieder auf den Rückweg machten, begegneten sie mehreren französischen Offizieren, welche sofort von den Pferden stiegen und diese ihnen aufdrangen; die Offiziere schrieben sich jedoch die Namen der Bauern auf und wanderten zu Fuße weiter.  Zwei Tage darauf kamen etwa 60 französische Chasseure nach Schönwald und holten die Pferde wieder ab.  Einmal biwakierten mehrere größere französische Abteilungen unweit Schönwald; in der Nacht wurden diese überfallen und verfolgt.  Die Schönwalder hatten nichts angelegentlicheres zu tun, als sich in den Besitz des ganzen Lagers zu setzen, in welchem sie viel und mancherlei fanden.  Ihre Freude sollte jedoch nicht lange dauern.  Bald kamen wieder französische Truppen und kündigten den Bewohnern an, daß der Ort in Asche gelegt werde würde, wenn man nicht binnen einer Stunde alles Gefundene herbeischaffe.  Die erschrockenen Insassen beeilten sich, dem Befehle schleunigst nachzukommen und  „brachten noch weit mehr als sie gefunden und sich zugeeignet hatten".

Quelle:  Schönwalder Adressenbuch von 1907-1908