Allodial - Herrschaft Schönwald *

        Diese gegenwärtig in Hinsicht der Verwaltung ein einziges Besitzthum der Franz Xaver Wagner’schen Erben bildende Herrschaft ist aus vier Gütern: Schönwald, Peterswald, Böhmisch-Kahn und Klein-Kahn entstanden, welche in frühern Zeiten besondere Dominien waren.  Schönwald und Peterswald, auf der Höhe und dem nordwestlichen Abhange des Erzgebirges, gränzen in Norden und Westen an das Königreich Sachsen, in Süden an die Herrschaften Schöbritz und Tetschen, und in Osten ebenfalls an Tetschen.  Böhmisch- und Klein-Kahn liegen südlich und abgesondert von den Vorigen, am diesseitigen Fuße des Erzgebirges, zwischen den Dominien Tetschen in Norden, Schöbritz in Westen und Süden, Priesnitz und Teutsch-Kahn in Osten.

        Als frühere Besitzer dieser Güter, mit welchen bis zum J. 1773 auch Prödlitz und Netluk verbunden waren ( von welchen Ersteres jetzt mit der Hft. Türmitz vereinigt ist, letzteres aber ein Dominium für sich bildet ) werden genannt: Wolfgang von Wresowitz, von 1550 bis 1569 ( der zugleich auch Neuschloß, Teplitz und Graupen besaß ); Bernhard von Wresowitz, von 1569 bis 1571; dessen Tochter Magdalena, welche sich mit dem Freiherrn Kaspar von Schönberg vermählte, von 1571 bis 1577.  Im J. 1578 soll Schönwald ( und wahrscheinlich auch Peterswald ) von dem sächsischen Kammerrath Johann Georg von Sebothendorf, Böhmisch-Kahn, Klein-Kahn und Prödlitz aber von Adam Kölbel von Geißing gekauft worden seyn.  Nach der Schlacht auf dem Weißen Berge verfielen sämtliche Güter, da die Besitzer an dem Aufstande gegen Ferdinand II. Theil genommen hatten, dem königlichen Fiscus, und Schönwald ( mit Peterswald ) wurde 1624 an den Freiherrn Franz von Cuvier verkauft, von dem es 1632 ebenfalls käuflich an Damian von Ottendorf, und von diesem auf dieselbe Weise 1633 an Joseph Rudolph Freiherrn von Schönfeld überging, welcher Letztere zugleich die Güter Böhmisch-Kahn, Klein-Kahn und Prödlitz von Ferdinand III., als Geschenk erhielt.  Das Ganze blieb nun im Besitz dieser freiherrlichen, späterhin gräflichen Familie, bis zum J. 1704, wo es durch Heirath an den Reichsgrafen Franz Ignaz Wratislaw von Mitrowitz gelangte, nach dessen Tode, 1714, seine hinterlassene Gemahlinn Victoria, diese Güter bis zum J. 1727 besaß.  Von 1760 an waren sie ein Eigenthum des Reichsgrafen Franz Karl Wratislaw von Mitrowitz, Oberst-Erbküchenmeisters im Königreiche Böhmen, wurden indeß im Jahre 1773 an den Meistbietenden verkauft, bei welcher Gelegenheit Prödlitz und Netluk davon getrennt, das Uebrige aber, wie es noch jetzt besteht Freiherrn von Hakelberg erstanden wurde, aus dessen Händen das Dominium 1801 durch Kauf an den Großvater des gegenwartigen Besitzer gelangte.

Die beisammen liegenden Güter Schönwald und Peterswald haben eine Länge von 1½, und eine Breite von ¾ bis 1/8 geogr. Meile.  Die ebenfalls beisammen liegenden Güter Böhmisch- und Klein-Kahn sind lang und eben so breit.  Der Flächeninhalt des gesammten vereinigten Dominiums beträgt gegen 8400 Joch.

Die Bodenfläche des Ganzen ist, wie schon erwähnt, gebirgig indem die Güter Schönwald und Peterswald auf der Höhe des Erzgebirges und am jenseitigen Abhange desselben liegen.  Auch Böhmisch- und Klein-Kahn am diesseitigen Fuße des Erzgebirges, sind mit Bergen und Hügeln bedeckt.  Die Felsart des Erzgebirges ist hier Gneiß; am Fuße desselben, bei Kninitz, wird das Urgebirge von Quadersandstein bedeckt, welcher sich längs dem Abhange in nordöstlicher Richtung bis auf den Rücken des Gebirges mit zunehmender Mächtigkeit auflagert, und auf der angrenzenden Herrschaft Tetschen, bei Oberwald, die Urfelsarten des Erzgebirges gänzlich verhüllt. Durch die Schlacht von Kulm, am 29. und 30. August 1813, ist der 330 Par. Toisen hohe Nollendorfer Berg, über welchen die Chaussée von Teplitz nach Peterswald und Dresden führt, geschichtlich merkwürdig geworden, indem der russische General Ostermann, der den von Vorder-Tellnitz sich bis zur Höhe dieses Berges heraufziehenden Engpaß mit 8000 Mann Russen besetzt hielt, sich gegen den von Nollendorf hinabdringenden französischen General Vandamme und dessen 40,000 Mann starkes Heer aufs tapferste vertheidigte und dadurch so viel Zeit gewann, daß die aus Sachsen zurückkommenden verbündeten Heere der Oesterreicher und Preußen zu seiner Unterstützung herbeielen konnten, worauf dann, durch die Schlacht bei Kulm selbst, das Heer der Franzosen gänzlich geschlagen und Vandamme gefangen genommen wurde. Der k. preußische General von Kleist, der in Folge dieses Sieges in den Grafenstand erhoben wurde, erhielt zugleich den Beinamen von Nollendorf.  Einige Zeit später machte der französische Kaiser Napoleon, der sich persönlich auf der Höhe des, eine weite Aussicht in das ganze Teplitzer Thal und auf das Mittelgebirge, ja selbst bis Prag darbietenden Nollendorfer Berges befand, einen zweiten Versuch, von hier aus in das Innere von Böhmen vorzudringen, welcher aber gleichfalls an dem tapfern Wiederstande des k. österr. General-Feldzeugmeisters, Grafen von Colloredo-Mannsfeld, bei Arbesau am 17. Septbr. scheiterte, ( s. Hft. Kulm. )

Etwa 1¾ Meile nordwestlich von Nollendorf liegt auf Schönwalder Rustical-Gründen der aus Basalt bestehende Spitzberg, nahe an der sächsischen Grenze, so daß sein nördlicher Fuß schon das Gebiet des Königreichs Sachsen berührt.  Man nennt ih daselbst auch Sattelberg, weil er, von Dresden und dessen Umgebung aus gesehen, mit einem Sattel Aehnlichkeit hat.  Indessen hat sich, durch das Abtreiben beträchtlicher Waldstrecken, welche ihm dieses Ansehen verschaften, dasselbe seit mehren Jahren ziemlich verloren, so daß jene Benennung jetzt nicht mehr passend ist.  Die Aussicht von diesem Berge umfaßt nicht bloß Dresden und dessen Umgebungen längs der Elbe bis Pillnitz und Königstein, sondern auch einen Theil der Ober-Lausitz, Schlesiens und Böhmens.

Das Gebiet sämmtlicher vereinigter Güter wird von einigen Gebirgsbächen durchzogen, die hinlänglich wasserreich sind, um Mühlwerke zu treiben.  Der durch das Dorf Schönwald fliesende, etwa ½ St. südlich davon, auf der Höhe des Erzgebirges, entspringende Bach nimmt seinen Lauf nach Sachsen, empfängt daselbst von dem Städtchen Gottleuba den Namen desselben, und ergießt sich bei Pirna in die Elbe, nachdem er zuvor, bei Gießhübel, den Peterswalder Bach aufgenommen hat, welcher sein Daseyn ½ St. südlich von Peterswald, unweit Jungferndorf, auf dem Gebiete des Dominiums, empfängt.  Der bei Nollendorf entspringende und durch dieses Dorf nach Osten sich wendende Bach betritt das Gebiet der Herrschaft Tetschen, und fließt auf demselben, längs dem Fuße des Erzgebirges, unter dem Namen Bodenbach, gleichfalls der Elbe entgegen, welche er unterhalb des Dorfes Bodenbach und oberhalb Tetschen erreicht.  Durch den oberhalb Königswald in südlicher Richtung abgehenden, westlich von Klein- und Böhmisch-Kahn vorüberfließenden Mühlgraben wird er mit dem zur Herrschaft Schöbritz gehörigen Postitzer Bache verbunden, der bei Außig, wo er der Kleischbach heißt, in die Elbe geht.  Endlich vereinigen sich mehre in den Schönwalder Forsten entspringende kleine Bäche, welche ihren Lauf durch den Silberberg-Grund, den Hohen Steig, den Langhammer-Grund und den Lehmgruben-Grund nach Süden nehmen, bei Hinter-Tellnitz ( s. Hft. Priesnitz und Schöbritz ) zu einem gemeinschaftlichen Bache, der unter verschiedenen Benennungen, je nach den Ortschaften, an denen er vorbeigeht, das Gebiet der Herrschaft Kulm durchzieht und unterhalb Prödlitz ( s. Hft. Türmitz ) in die Bila fällt.  Alle diese Gebirgsbäche sind sehr reich an Forellen und Krebsen.

Bei dem Dorfe Schönwald, nächst dem Schloß und oberhalb dieses Orts, befinden sich 6 kleine, mit Forellen besetzte Teiche, eben so bei Böhmisch-Kahn mit Karpfen besetzte Teiche, und 1 im Dorfe Klein-Kahn, welcher ebenfalls Karpfen enthält.  Ein Teich bei Böhmisch-Kahn wird jetzt als Wiese benutzt.  Alle diese Teiche gehören der Obrigkeit.

Die Bevölkerung des gesammten Dominiums war 1830: 4852 Seelen stark.  Die Einwohner sind sämmtlich der katholischen Religion zugethan und sprechen durchaus Teutsch.

Ungeachtet des rauhen Klimas, dessen Einflusse die Gebirgsgüter Schönwald und Peterswald unterworfen sind, ist der Ackerboden doch von so guter Beschaffenheit und so leicht zu bearbeiten, daß er bei gehöriger Düngung hinlänglich ergiebige Aerndten an Roggen, Gerste, Hafer und Erbsen liefert.  Der Flachs besonders erreicht hier nicht selten eine Höhe von beinahe 2 Fuß und ist von erprobter Güte.  Auch werden hier viel Erdäpfel und Wasserrüben gewonnen.  Auf den Feldern von Böhmisch- und Klein-Kahn ist schwerer Thonboden vorherrschend, der aber gegen die Anhöhen aufwärts mit viel aufgelöstem Waldboden vermischt ist.  Man baut hier Waizen, Roggen, Gerste, Hafer, besonders aber Erbsen und Wicken, auch Erdäpfel.  Die Obstbaumzucht wird zwar hier von den Dorfbewohnern theils in Gärten, theils auf freiem Felde getrieben, ist aber nicht von Bedeutung. Ergiebiger ist der Hopfenbau, der aber nur auf obrigkeitlichen Gründen statt findet.

Folgendes ist eine Uebersicht des gesammten für landwirthschaftliche Zwecke verwendeten Areale der vereinigten vier Güter:

Dominicale

Rusticale

Zusammen

Joch.

Kl.

Joch.

Kl.

Joch.

Ackerbare Felder

134

562

298

437

432

Teiche ( mit Ackern verglichen )

1

607

-

-

1

Trischfelder

376

905

3855

332

4231

Wiesen

197

964

1417

985

1615

Gärten

6

596

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429

17

Teiche ( mit Wiesen verglichen )

6

212

-

-

6

Hutweiden, usw.

26

1272

118

730

145

Waldungen

750

203

1075

649

1825

Ueberhaupt

1499

521

6776

362

8275

Die Waldungen enthalten an Laubholz: Rothbuchen, Ahorn, Ulmen, Eschen, Birken, Espen, usw., an Nadelhölzern aber: Tannen, Fichten, Kiefern und Lärchen.  Der Ertrag der Waldungen übersteigt den eignen jährlichen Bedarf und der Ueberschuß wird zum Theil nach Sachsen, mittelst der Schifffahrt auf der Elbe, wohin das Holz bis Außig zu Lande geschafft wird, abgesetzt.

Der landwirthschaftliche Viehstand aus nachstehender Uebersicht:

Der Obrigkeit

Der Unterthanen

Zusammen

Pferde ( Ende April 1830 )

2 St.

75 St.

77 St.

Rindvieh ( do. do. )

3 St.

1037 St.

1040 St.

Schafe ( Ende Mai 1828 )

1630 St.

-

1630 St.

Die Schafe gehören sämmtlich zur sächsischen Electoral-Race und ihre Wolle wurde im J. 1825 der Stein ( zu 20 Pfund ) mit 30 Thalern preuß. Courant bezahlt.

Die Fischerei wird theils in der obrichkeitlichen, bereits oben angeführten Teichen, theils in den Bächen betrieben und liefert hauptsächlich Karpfen und Forellen.

Jagbare Thiere sind Rehe, Hirsche und Hasen, so wie von Federwild Auer-, Birk-, Hasel- und Rebhühner, Schnepfen und Wildenten.  Der Ertrag wird theils nach Teplitz, theils nach Dresden abgesetzt.

Mit technischer Industrie und Handel beschäftigten sich im Anfange des J. 1832 auf dem gesammten Dominium 518 Personen.  Sehr ausgebreitet ist im Dorfe Peterswald die Fabrikation von Metallknöpfen und Schnallen, welcher Industriezweig von 23 Meistern und 170 Gesellen und anderen Hilfsarbeitern gepflegt wird.  In Schönwald, Peterswald, Nollendorf, Klein-Kahn und Böhmisch-Kahn sind 4 Ziegeldecker-Meister mit 84 Gesellen und 21 Lehrlingen wohnhaft, die ihr Gewerbe weit über die Gränzen des Dominiums hinaus betreiben.  Außerdem zählt man auf dem Dominium 96 andere Meister und Gewerbsbefugte, namentlich: 7 Bäcker, 2 Büchsenmacher, 1 Drechsler, 4 Faßbinder, 12 Leinweber, 2 Lohgärber, 3 Maurermeister ( 31 Gesellen, 4 Lehrlinge ), 1 Petschierstecher, 1 Posamentierer, [ wobei ein Posament ein Kleiderbesatzartikel ist ] 1 Schlosser, 10 Schmiedte, 18 Schneider, 20 Schuhmacher, 1 Steinmetz, 1 Strumpfwirker, 6 Tischler, 1 Uhrmacher, 3 Wagner, 2 Zimmermeister, ( 16 Gesellen, 3 Lehrlinge ).  Unter den 28 Personen, welche sich vom Handel nähren, zählte man 12 Klassen-oder gemischte Waarenhändler, 4 Getraidehändler, 2 Papierhändler und 4 Personen, welche bloß Märkte beziehen.

Das Sanitäts-Personale besteht aus 3 Wundärzten ( in Schönwald, Peterswald und Böhmisch-Kahn ) und 3 geprüften Hebammen ( in Schönwald, Peterswald und Nollendorf ).

Von Armenanstalten besteht in Schönwald schon seit dem Jahre 1706 ein von dem damaligen Besitzer Johann Rudolph Grafen von Schönfeld gestiftetes Spital für 7 Pfründler.

Die Lage der Dörfer Peterswald, Jungferndorf, und Nollendorf an der Teplitz nach Dresden führenden Chaussée, so wie die geringe Entfernung der Dörfer Böhmisch- und Klein-Kahn sowohl von der Teplitzer, Außiger und Tetschner Chausséen, als von der Elbe erleichtert die Verbindung des Dominiums mit der Nachbarschaft und dem Königreiche Sachsen in hohem Grade.  Auch ist seit dem J. 1826 durch gemeinschaftliches Bemühen der Obrigkeit und der Unterthanen eine Chaussée von Schönwald nach Nollendorf gebaut worden.  Von Peterswald führen über Schönwald, Streckenwald, Ebersdorf und den Geiersberg nach Sobochleben, so wie von Klein-Kahn über Saara und Zuckmantel nach Arbesau, bloß Landwege.

Die einzelnen Ortschaften sind folgende:

1. Schönwald, am nw. Abhange des Erzgebirges, in einem sich von Südost nach Nordwest ziehenden, von dem nach Sachsen gehenden Gottleuba-Bache durchströmten Thale, und am s. Fuße des Spitzberges gelegen, ein gegen 1 St. langes, bis an die sächsische Gränze reichendes D. von 261 H. mit 1657 E., 5 M. von Leitmeritz, 2½ M. von Teplitz, und ½ M. von Peterswald, der nächsten Poststation, entfernt; hat 1 hschftl. Schloß mit einem englischen Garten, 1 Amthaus mit dem Sitze des obrktl. Wirthschaftsamtes, 1 Bräuh. auf 24 Faß 4 Eimer, 1 Branntweinbrennerei, 1 Mhf. und 1 Schäf.; ferner 4 Wirthsh., 12 Mhlm., 1 Oel- und 1 Hirse Mühle und 3 Brettm.  In dem von Joseph Rudolph Grafen von Schönfeld 1706 erbauten und dotirten Spitale werden 7 Arme verpflegt.  Ueber das Alter der hiesigen Pfarrkirche zu Mariä Himmelfahrt, welche in den Jahren 1790 bis 1795 von Grund aus neu gebaut worden, läßt sich nichts Gewisses anführen, da die um die Zeit des dreißigjährigen Krieges hier und anderwärts angestellt gewesenen lutherischen Pastoren bei ihrer Auswanderung alle Urkunden und Kirchenbücher mit sich genommen haben.  Die ältesten vorhandenen Matrikeln der wieder eingesetzten katholischen Pfarrer gehen nicht über das J. 1649 hinauf.  Vom 30, März 1655 bis 4 Juli 1671 ist die Seelsorge von den P.P. Dominikanern zu Außig versehen, nach dieser Zeit aber wieder ein eigner Pfarrer angestellt worden.  Zum Sprengel dieser Pfarrei gehört, außer Schönwald selbst, keine andere Ortschaft.  Die Dörfer Peterswald, Nollendorf und Böhmisch-Kahn, welche in frühern Zeiten nach Schönwald eingepf. waren, sind späterhin unter eignen Seelsorgern davon getrennt worden.

2. Peterswald ( auch Peterswalda ), 1 St. von Schönwald entfernt, am nw. Abhange des Erzgebirges, in einem von Süden nach Norden gehenden Thale, an der Chaussée und Poststraße von Teplitz nach Dresden, ein 1 St. langes, bis an die sächsische Gränze reichendes D. von 375 H. mit 2242 E., hat 1 k.k. Commercial-Gränz-Zollamt, 1 k.k. Aerarial-Postamt, 5 Mhlm., 2 Einkehrhäuser, und 4 Wirthshäuser.  Von den Einw. beschäftigen sich 193 Individuen mit der Verfertigung von Metallknöpfen und Schnallen.  Von der ehemaligen hiesigen Commendatkirche unter dem Titel des heiligen Nikolaus, welche zum Sprengel von Schönwald gehörte, 1495 eingeweiht, 1639 durch die Schweden in Asche gelegt, 1656 und 1657 aber unter dem damaligen Besitzer des Gutes, Niklas Freiherrn von Schönfeld wieder hergestellt wurde, sind jetzt innerhalb des Kirchhofes nur noch Ruinen vorhanden.  Sie wurde 1783, unter Kaiser Joseph II., zu einer eignen Pfarrkirche erhoben, und nebst der Schule unter das Patronat des k. k. Religionsfonds gestellt, auf dessen Kosten auch im J. 1793 die jetzige neue Kirche, außerhalb des Kirchhofes, errichtet worden ist.  Zwei Glocken, die man aus der ältern Kirche in diese neue Kirche versetzt hat, tragen die Jahrszahl 1657.  Eingepf. ist, außer dem D. Peterswald selbst, nur noch die in geringer Entfernung ö., vom untersten Ende desselben, dicht an der sächsischen Gränze liegende und unter der Häuserzahl von Peterswald mitbegriffene Einschicht Hungertuch.  Diese besteht aus 1 Mühlausgeding-Häuschen, 1 Mhl- und Brettm., 1 obrktl. Mhfs.-Gebäude nebst Schäf. und 1 obrktl. Jägerh.  Hierzu ist, wegen Baufälligkeit der ältern Mhfs.-Gebäude, ein im J. 1823 neu erbauter Hof gekommen, welcher, so wie das auf diesen Gründen 1824 neu entstandene Dfch.,den Namen Neuhof erhalten hat.  Zwei an der Thüre des alten Mhfs.-Gebäude befindliche Wappen beweisen, daß derselbe ehedem ein Eigenthum der Herren von Bünau gewesen sey.

3. Nollendorf ( ehemals Nahlendorf, wie es auch noch jetzt die hiesigen Landleute nennen ), 1 St. sö. von Schönwald, auf der Höhe des Erzgebirges, und an der von Teplitz nach Peterswald führenden Chaussée ( unter 50E 45' 2" Breite und 31E 38' 53" ö. Länge ), D. von 88 H. mit 487 E., hat 1 Einkehrhaus, 1 Wirthsh. und 2 Mhlm., welche ¼ St., ö. vom Orte, im „Holzgrunde" liegen.  Die ehemals hier bestandene, zum Sprengel von Schönwald gehörige St. Josephs-Kapelle wurde im J. 1787 unter Kaiser Joseph II. zu einer Lokalie erhoben und nebst der Schule unter das Patronat des k. k. Religionsfonds gestellt.  Sie steht auf der Höhe des Nollendorfer Berges, 339 Wiener Kl. über der Nordsee ( nach David ).  Eingpf. ist, außer Nollendorf, nur noch das D. Jungferndorf.  Von der Wichtigkeit, welche Nollendorf und seine Umgebungen im Befreiungskriege 1813 erlangt haben, war bereits oben, bei der allgemeinen Uebersicht des Dom., die Rede.  Kaiser Napoleon hatte am 17. September sein Hauptquartier im hiesigen Pfarrgebäude.

4. Jungferndorf oder Sandhöhe, ¾ St,. ö. v. Schönwald, zwischen Nollendorf und Peterswald, an der Teplitzer Chaussée, ein erst im J. 1805 gegründetes, nach Nollendorf eingpf. D. von 22 H. mit 98 E., welches seinen Namen von dem es umgebenden Jungfernwalde erhalten hat.

5. Böhmisch-Kahn, 2 St. sö. von Schönwald, am Fuße des Erzgebirges, unweit der von Arbesau nach Tetschen führenden Chaussée, D. von 46 H. mit 266 E., hat 1 im J. 1825 von dem damaligen Besitzer der Herrschaft; dem k. k. Oberlieutenant Franz Xaver Wagner, erbautes Herrnhaus, ferner 1 obrktl. Mhf., 1 Schäf., 1 Wirthsh., und 1 außerhalb des Ortes ssw. neben dem Katzbache, auf einer ebenen Wiese liegendes obrigkeitl. ehemaliges ansehnliches Bleichhaus.  Mehre im Orte entspringende Quellen bilden kleine Bäche, die sich weiterhin zum Postitzer Bache vereinigen.  Die hiesige Pfarrkirche, unter dem Titel des h. Martin B., steht nw. vom Orte, etwa 50 Schritte von den äußersten Häusern, und ist in den J. 1712-13 auf gemeinschaftliche Kosten des damaligen Grundherrn, Franz Ignaz Grafen Wratislaw von Mitrowitz, und der gesammten eingpf. Gemeinden erbaut und 1714 eingeweiht worden.  Bis zu den J. 1740 oder 1750 gehörte sie zum Sprengel von Schönwald, wurde aber damals, unter dem Grundherrn Franz Karl Grafen Wratislaw von Mitrowitz, zu einer eignen, vom Dominikaner-Convent in Außig zu administrirenden Pfarrkirche erhoben, welche jetzt nebst der Schule unter dem Patronate der Obrigkeit steht.  Eingpf. sind, auser Böhmisch-Kahn selbst, das hschftl. D. Klein-Kahn, und die fremdhschftl. Teutsch-Kahn, Saara, Zuckmantel, Kninitz und 1 einschichtige Mühle im Holzgrunde unter Nollendorf.  Von der ehemaligen alten Kirche, in der Mitte des D., ist nach Abtragung des Schiffes nur noch das Presbyterium stehen geblieben und zu einer Kapelle des heil. Grabes umgeschaffen worden.  Ueber die ursprüngliche Gründung und frühere Geschichte dieser ältern Kirche fehlt es an Nachrichten.

Nur theilweise zur Hft. Schönwald gehören folgende Dfr.:

6. Klein-Kahn, 2 St. sö. von Schönwald am Fuße des Erzgebirges, und etwas rechts von der Teplitzer nach Tetschen führenden Chaussée, ein nach Böhmisch-Kahn eingepf. D. von 27 H. mit 155 E.; davon besitzt Schönwald 14 H. mit 84 E.; das Uebrige gehört zur Hft. Schöbritz ( s. Hft. Priesnitz ), wo auch das ganze D. conscribirt wird.  Beim Schönwalder Antheile befindet sich 1 obrigktl. aber emph. Mhf., 1 Branntweinbrennerei und 1 Wirthsh.

7. Tellnitz, D. von 50 H. mit 246 E. Es gehört davon nur Mittel-Tellnitz, mit 4 H. und 18 Einw., welches nach Ebersdorf eingpf. ist, zur Hft. Schönwald; das Uebrige zu Kulm und Schöbritz ( s. Dominien ), bei welchem Letztern das ganze D. conscribirt wird.

Beitrag von Frau Martina Heller.
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* Quelle: Johann Gottfried Sommer,  „Allodial - Herrschaft Schönwald", Topographie des
                                                             Leitmeritzer Kreises,
1833, S. 222 - 228.