,,Peterswald vor 100 Jahren"

Kaiser Josef II. in Peterswald

Nach diesem Kriege bereiste Josef II. das nördliche Böhmen.  Am 23. September ritt der Kaiser von Tetschen über Schneeberg, Tyssa, nach Nollendorf, gegen die Mittagszeit auf der Poststraße nach Peterswald und speiste auf der Post.  Nachmittags ritt er dem Postgut entlang gegen den Spitzberg, nach Sachsen, kam gegen den Abend nach Peterswald zurück, wo er auf der Post übernachtete.  Am Morgen des 24. September ritt er über Schönwald nach Zinnwald.

Bericht des Kaisers

Darüber berichtet der Kaiser in seinem Tagebuch: ,,Am 23. September früh ritt der Kaiser nach Ugersdorf, Biela, auf den Schneeberg.  Aussicht sehr schön gegen Tyssa nach Oberwald, Nollendorf, unvergleichlich gegen Teplitz anzusehen; hier hat auch Prinz Heinrich bei seiner Retrate kampiert.  Von da auf der Poststraße nach Peterswald reitend.  Das Tal über Königswald nach Peterswald ist ganz praktikabel zum Fahren, wie auch alle Waldungen hier mit guten Fuhrwegen durchschnitten sind.  Nach dem Essen ritten wir von Peterswald gegen den Pitzberg an dem Ort, wo die preußische Kolonne immer marschiert, durch Hellendorf, Gießhübel, Kottner Höhe und so längst der Pisition, welche die Sachsen und der Prinz eingenommen hatte, beide Ravius von Gießhübel aus Gottleuba, weit vor der Front blieben, allwo der linke Flügel gegen Kotta und der rechte gegen Liebstadt appugiert; von da ritten wir zurück über Bernersdorf, Breitenau nach Schönwald und dann um den Spitzberg herum nach Peterswald.  Die Position scheint zwar gut, aber doch auf ihrer rechten Flanke ... nicht unmöglich zu tournieren ....  Am 24. ritten wir früh nach Peterswald 1) über Schönwald, Streckenwald, Ebersdorf"....
Josef II. hatte sich auch im Orte selbst umgesehen; Kirche, Schule und die Post besucht.  Ein besonderer Glanzpunkt für Peterswald ist die in der Mitte des 18. Jahrhunderts aufkommende Schnallen- und Knopfindustrie.

Die Schnallenindustrie

Schnallen benötigte man zu den verschiedensten Dingen, so z.B. für Schuhe, Kopfbedeckungen usw. Schnallen brauchte der Schneider, Schuhmacher; Sattler und Kürschner; es war gewiß ein lohnender Industriezweig, der Geld einbrachte.  Der erste, welche anfing Schnallen zu verfertigen, war ein gewißer Christian Hieke (1757).  Auf Reisen war er dorthin und dahin gekommen, hatte so manches gesehen und gelernt.  Zuerst machte er sich verschiedene Formen von einfachen Schnallen und versuchte sich im Gießen derselben; der Versuch gelang.  Er goß die Schnallen aus Zinn, dann aus Messing.  Kamen dieselben aus der Form, dann wurden sie gereinigt durch reiben und feilen.  Hieke zeigte eine ungemein große Kenntnis in der Schnallengießerei und erfand gewisse Vorteile.  Er verfertigte auch Schnallen, die mit Silber eingelegt waren.  Die verfertigten Schnallen packte man sorgfältig ein und jeder Verfertigter verkaufte seine Ware in größeren Städten selbst, und besuchte auch die größeren Märkte.  Da die Schnallenmacher eine gute Ware lieferten, so fand sie auch großen Absatz.  Außer dem Christian Hieke 2) fanden sich bald andere, welche die Schnallengießerei betrieben.

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1) Da Peterswald keinen Pfarrer hatte, so kam am Morgen, wenn Gottesdienst war, ein Geistlicher von Schönwald; die Kirchenbesucher warteten gewöhnlich vor der Kirche, bis zur festgesetzten Zeit der Geistliche kam.  Es wird nun erzählt, daß Kaiser Josef gefragt habe, wozu sie vor der Kirche stehen?  Wir warten auf den Geistlichen, der von Schönwald kommt und den Gottesdienst hält, war die Antwort.  So ein großer Ort und keinen Pfarrer, sprach der Kaiser Josef. lhr sollt einen Pfarrer erhalten.

2) Ein gewisser Anton Hieke, geb. 1783 in Peterswald, wurde am 26. Juni 1817 Pfarrer in Tyssa, verblieb bis zum 12. September 1845 und zog dann nach Aussig. ( Memoralbuch Tyssa, S.10. )

Josef Stelz und Heinz Wolf, 1984