Geschichtliches über Nollendorf

Ortsgründung 1

Die Gründung Nollendorfs in 674 m Höhe (Basis der Kirche) unmittelbar am Erzgebirgskamm erfolgte bereits um das Jahr 1100, etwa gleichzeitig mit den Orten Zinnwald und Graupen.  Nollendorf war ein Waldhufendorf mit 35 Hufen.

Nollendorf verdankte seine Gründung den umliegenden Gold- und Silbervorkommen.  Ein Schriftstück besagte, daß man in den Eingeweiden der im Grabenwegbach gefangenen Forellen Gold- und Silberkörnchen gefunden hatte.  Dies veranlaßte Harzer und Thüringer Bergleute zum Erzgebirgskamm zu wandern, um zunächst das Gold- und Silbergranulat aus den Sand- und Schuttmoränen auszusieben.  Später förderte man in kleinen Stollenbetrieben und in der "Segen-Gottes-Zeche" nicht nur Silbererz, sondern vor allem Eisen- und Kupferkies, Bleiglanz und Zinkblende.  Der Zechberg, 792 m hoch gelegen, hatte seinen Namen durch diese Zeche bekommen.

Ursprünglich reichte Nollendorf zwischen Hornkuppe und Schielhaushöhe bis an den Zechberg heran.  Das Dorf erstreckte sich vom Keiblerberg bis hinab zum Fuß des Wagnerberges bei Königswald.  Die waldreiche Schlucht unterhalb des Ortes nannten die Bergleute nach dem mittelhochdeutschen Wort telle, In der Tellenz oder In der Tellnz.  Daraus entstand später der Name Tellnitz für den im Tal liegenden Nachbarort.  Weil die Bergleute am Berg wohnten, nannten sie ihren Wohnort Nollendorf, von Nolle (mhd. = Spitze oder Hügel) abgeleitet.  In deutscher Mundart wurde der Ort bis zuletzt noch immer "Nolndarf" oder "Nolndorf" ausgesprochen.

Das Klima im oberen Teil des Dorfes war wegen der hohen und exponierten Lage sehr rauh, aber gesund. Dichte Nebel traten häufig auf. Das Klima im unteren Teil des Dorfes war weit milder.  Die Bewohner ernährten sich zum größten Teil von den Erträgen des Ackerbaus. Angebaut wurden Roggen, Hafer, Kartoffeln, Kraut, Rüben, Wicken und Klee.  Während im unteren Teil des Dorfes Äpfel, Birnen, Pflaumen und Kirschen gediehen, fand man im Oberdorf höchstens die Vogelkirsche.  Gegen Ende des 19. Jahrhunderts befriedigte das Handwerk den notwendigsten Bedarf.  Im Unterdorf stand eine Mühle.  Ein Teil der Bewohner betrieb Samtweberei, deren Erzeugnisse nach Königswald und Peterswald geliefert wurden.  Auch mit Hopfen wurde gehandelt.

Große Bedeutung erlangte Nollendorf durch seine geographische Lage an einem Erzgebirgspaß, dem es seinen Namen verlieh.  Einer der ältesten Wege, die Böhmen mit Sachsen verbanden, führte quer durch den Ort.  Die Bäche "Luhpuhc" bei Nollendorf und "Olesnice" bei Peterswald waren Wegweiser durch den damals noch dichten Grenzwald.  Dieser Weg bildete auch die westliche Grenze für den "Johanniterwald", der im Jahre 1169 dem Ritterorden des Heiligen Johann, den Johannitern, von König Wladislaw von Böhmen geschenkt worden war.  Bei Nollendorf endete das Erzgebirge mit seiner Granit- und Gneisformation, und es begann das Elbsandsteingebirge.

Um 1310 wurden die Herren von Lungwitz (aus Sachsen) Besitzer von Nollendorf.  Im Jahre 1404 tauschten sie diesen Besitz gegen ein Gut bei Doppitz mit Wenzel von Wartenberg auf Blankenstein.  Die Wartenberger waren aus strategischen Gründen an Nollendorf interessiert, denn sie konnten von den Nollendorfer Höhen die Orte Peterswald und Schönwald beobachten, die damals zu Meißen gehörten.  Ab 1495 unterstand auch Nollendorf dem Bistum Meißen.  Im Jahre 1506 kamen Nollendorf und Peterswald zur Herrschaft Graupen.  Im Verzeichnis der Besitzungen der Herrschaft Graupen, datiert vom 20. Januar 1507, wird unter anderem der Klatower Meierhof genannt.  Mit Klatow dürfte das heutige Nollendorf gemeint gewesen sein.  Erst in einem späteren Verzeichnis (1537) wird der Ort ausdrücklich Nollendorf genannt.

1648 - 1923 2

Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) waren in Nollendorf von 35 existierenden Bauernhöfen nur noch 16 bewohnt.  Im Jahre 1787 aber waren bereits 72 Häuser und 1880 sogar 96 Häuser bewohnt.  Mit dem Anwachsen der Population wurde der Ackerboden bald knapp.  Nur etwa ein Viertel der Bevölkerung konnte von der Landwirtschaft leben, die übrigen mußten mit anderer Arbeit ihr Auskommen suchen.  Zum Beispiel fertigten Nollendorfer Bewohner viele Gegenstände für den täglichen Bedarf aus Holz und Stroh an und verkauften sie in der Umgebung durch „Hausieren“.  Auch wurde viel gestrickt.  Die meisten dieser Erzeugnisse wurden nach auswärts verkauft.  Im Sommer waren die Männer mit Brigaden als Maurer, Zimmerleute und Dachdecker unterwegs und verdienten oft weitab von zu Hause ihr Brot.  Es gab aber auch Köhler, Schnallen- und Knöpfemacher, Steinmetze, Färber, Müller, Bäcker, Schankwirte, Fuhrleute, Heu-, Getreide- und Hopfenhändler.  Dabei sei aber nicht verschwiegen, daß es in Nollendorf auch Wilddiebe und Pascher (Schmuggler) gab.  Sogar einen „Pascherkönig“ hatte Nollendorf einmal.    

In Nollendorf wohnten um 1860 etwa 700 Menschen, 1880 waren es nur noch 454.  Der Grund des Niederganges seiner Bevölkerungszahl war die Abwanderung vieler Nollendorfer in die aufkommende Industrie und in den Kohlebergbau nach Aussig und Karbitz, aber auch nach Sachsen und bis nach Amerika wanderten Nollendorfer aus.  Mechanisierung und Automatisierung während der industriellen Revolution hatten zur Folge, daß viele Heimarbeiter arbeitslos wurden.  Zur gleichen Zeit entstanden in den Orten Peterswald, Tyssa und Königswald neue Fabriken, die Arbeit boten.  Auch in Tetschen-Bodenbach und in Aussig fanden Nollendorfer ihre Arbeitsplätze.  

Mehr als Peterswald profitierte Nollendorf vom Tourismus.  Im Jahre 1913 wurde vom Gebirgsverein Aussig auf der Nollendorfer Höhe (701 m) aus Anlaß der Jahrhundertfeier der siegreichen Schlachten in seiner Umgebung während der Befreiungskriege ein Aussichtsturm, die „Kaiserwarte“, errichtet, der 1923 in „Karl-Weis-Warte“ umbenannt wurde.  Mit der Errichtung dieses Turmes und des Baues der Straßenbahn von Aussig nach Tellnitz im Jahre 1912 war Nollendorf ein neues Wanderziel der Aussiger geworden.  Der aufkommende Wintersport trug ebenfalls dazu bei, daß 1923 vom Touristenverein „Die Naturfreunde“, Sektion Aussig, angeschlossen an den „Verband Deutscher Jugendherbergen“, in Nollendorf Nr. 42 das „Naturfreundehaus Nollendorf“ eingerichtet wurde.  

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1 Rudolf Püschel, Anfang und Ende einer deutsch-böhmischen Heimat, (ISBN 0-9663968-3-9),
                           RFP Publications, Mountain View,
Kalifornien 2000, pp. 5-6.

2 Ibid., p. 


 

 

Nollendorf zählte am 17. 5. 1939  310 Einwohner und am 22. 5. 1947 nur noch 54 Einwohner.  Es gibt heute nur noch einige Häuser-Ruinen, die als Wochenend- Quartiere benutzt werden.  Lediglich das Haus Nr. 90 soll fast dauernd bewohnt werden.  Die Felder und Wiesen, die zu Nollendorf gehörten, werden heute vom Staatshof Peterswald bearbeitet.




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