Landwirtschaft, Industrie und Tourismus
1
Bist ju eene schlachte
Geechnd,
host vie Kälte, host vie Schnie,
doch wie garne möcht ich
hie.
Host kenn Weez’n, e finkl Hower,
keene Äppeln, keene Barn,
keene Pflaum und keene Karschen
und ich ho dich doch su garn.
schiene
Blümeln, schiene Heede
Host des Heisl, host des
Platzl,
wu ‘mo meine Wieche wor;
Heemt, ich konn dich ni vergassen,
Wür’ ich a glei hundat Johr.
Max Tandler
Hauptbeschäftigung
in Peterswald und Nollendorf war über einen Zeitraum von sechs Jahrhunderten
hinweg die Landwirtschaft, trotzdem der Ackerbau im Erzgebirge, bedingt durch
rauhes Klima und steinige Erde, etwas mühsam war. Das östliche Erzgebirge, von Zinnwald bis zum
Schneeberg, ist in der Umgebung von Nollendorf und Peterswald eine baumlose
Hochebene, in mittlerer Meereshöhe zwischen 700 und 800 Metern in südwest-nordöstlicher
Richtung gelegen. Ihre Abdachung
nach Norden ist hier nur durch wenige und unerhebliche Taleinsenkungen
unterbrochen. In südöstlicher
Richtung ist der Hang ein meist steiler, durch Vorberge ungeschützt, was nicht
ohne Einfluß auf die Luftströmung und deren Heftigkeit ist, mit der sie hier
oft auftritt.
Die
Jahresmitteltemperaturen betrugen in Schönwald 5,7
°C, in Ebersdorf 4,8 °C. Für die
Vegetation nachteilig war besonders der kalte Frühling, in dem die
Monatsmitteltemperaturen in Schönwald bei 1,4 °C im März,
bei 4,9 °C im April und bei 9,8 °C im Mai
lagen. Im Oktober war die
Durchschnittstemperatur bereits wieder auf 3,1 °C abgesunken,
so daß die wärmeren Monate Juli bis September waren. Dies ist ein sehr kurzer Zeitraum für eine gedeihliche
Entwicklung des Pflanzenlebens. Die
mittlere Zeit der Kornernte fiel bei Peterswald in die erste Hälfte und um Schönwald
in die zweite Hälfte des August, bei Zinnwald und Ebersdorf in den Anfang des
September. Das war fünf bis sechs
Wochen später als in den klimatisch günstigeren Lagen des böhmischen
Mittelgebirges. Demnach wurden bei
Ebersdorf an Getreide bloß Korn und Hafer und bei Schönwald nur in den
besseren Lagen noch Gerste und Sommerweizen mit einigem Nutzen angebaut.
Es war im Erzgebirge keine Seltenheit, daß besonders in den höheren Lagen – in Zinnwald, Ebersdorf und Streckenwald – die Ernte durch Schneegestöber empfindlich gestört wurde und die Kartoffeln, die wegen ihres hohen Wassergehaltes sehr frostempfindlich waren, gar oft unter Schnee ausgehoben werden mußten. Obstbäume gediehen nur in den tieferen Lagen, und auf der Ebersdorfer Höhe fristete sogar die Vogelbeere, welche häufig längs der Straßen gepflanzt wurde, um deren Richtung bei hochliegendem Schnee kenntlich zu machen, nur kümmerlich ihr Dasein. Diesen Bäumen war weniger die niedrige Jahresmitteltemperatur zu ihrem Gedeihen hinderlich, denn Ebereschen wachsen noch hoch im Norden, vielmehr schadeten ihnen die rauhen, trockenen Nordwinde, die besonders scharf über den Kamm, gleich einem Strome über ein Wehr, hinweg strichen.
Hafer gedieh in den höheren Gebirgslagen vorzugsweise. Seine Aussaat fiel in die erste Hälfte des April, er blühte Ende Juni und Anfang Juli und wurde in den Monaten August und September geerntet. Im Erzgebirge wurde lange Zeit Weizen überhaupt nicht und Gerste nur mit Sommerkorn vermischt angebaut. Deshalb mußte der Weizen, der seit Anfang der Vierziger Jahre auf der Pochtawirtschaft (Peterswald Nr. 268) wuchs, als Seltenheit oder als besondere Errungenschaft betrachtet werden. Von den Kartoffeln haben sich für das Becken die Champignon- und Rosenkartoffeln, für das Gebirge die sächsische Zwiebel sehr bewährt.
Ein besonderer Glanzpunkt für Peterswald war die in der Mitte des 18. Jahrhunderts aufkommende Schnallen- und Knopfindustrie. Schnallen waren ein begehrter Artikel, der für die verschiedensten Dinge, so für Schuhe und Kopfbedeckungen, benötigt wurde. Schnallen brauchten der Schneider, Schuhmacher, Sattler und Kürschner. Es war ein lohnender Industriezweig, der Geld einbrachte.
Als
erster Unternehmer begann 1757 ein gewisser Christian
Hieke, in Peterswald Schnallen zu fertigen. Er war viel auf Reisen gewesen, wobei er vieles gesehen,
erlebt und gelernt hatte. Zuerst
stellte er verschiedene Formen für einfache Schnallen her, die er dann im Gußverfahren
anfertigte. Er goß die Schnallen zunächst aus Zinn, später aus Messing.
Kamen dieselben aus der Form, dann wurden sie durch Reiben und Feilen
gereinigt. Hieke eignete sich eine
ungemein große Kenntnis der Schnallengießerei an und entwickelte sogar
mechanische Vorrichtungen, die die Schnallenherstellung erleichterten.
Außer den Brüdern Christian
und Bernhard Hieke fanden sich bald andere, welche die
Schnallengießerei mit Erfolg betrieben. Sie
fertigten auch mit Silber eingelegte Schnallen an.
Die verfertigte Ware packten sie sorgfältig in Rucksäcke ein, ebenso
wie andere Schnallenerzeuger, und trugen sie persönlich auf die Märkte der größeren
Städte Europas, um sie dort zu verkaufen.
Da die Schnallenmacher eine gute Ware lieferten, fanden sie auch großen
Absatz.
Neben
Schnallen fing man später an, auch Knöpfe
zu gießen. Vier Schönbach-Brüder
waren die ersten, die diesen Industriezweig zuerst gemeinsam und später unabhängig
voneinander betrieben. Die Arbeit
gestaltete sich anfangs etwas schwierig, aber bald wurden diverse mechanischen
Vorrichtungen entwickelt und angewendet, welche die Arbeit erleichterten und den
Ertrag vergrößerten. Die ersten
Proben hatten sie aus Frankreich kommen lassen.
Damit die Ware Ansehen gewinne und Absatz fände, gingen Peterswalder Knöpfe
unter den Namen de Paris in die Welt.
Erst arbeiteten die Schönbachs allein. Bald
aber stieg ihnen die Produktion über den Kopf, und sie mußten Hilfsarbeiter
einstellen.
Die
Metallknöpfe wurden entweder gegossen oder mit geeigneten Vorrichtungen aus
Blech ausgestanzt. Bleihaltiges
Zinn oder verschiedene Legierungen aus Zinn und Messing wurden verwendet,
gravierte Platten wurden ebenfalls eingelegt.
Das Öhr oder der Knopfhenkel wurde in die Form eingesetzt und gegossen.
Die ganze Form wurde zuerst mit Hilfe von Spinnrädern und später auf
Drehbänken vollendet. Die Blechknöpfe wurden aus einfachen Metallscheiben mittels
eines Stempels ausgestoßen. Henkel
wurden eingeschlagen, Verzierung vorn eingesetzt und die rohen Knöpfe blank
gescheuert oder gebeizt. Die
Vergoldung oder Versilberung der Knöpfe geschah auf galvanischem Wege.
So wie die Schnallen wurden auch die fertigen Knöpfe verpackt und auf
Schubkarren oder in Ranzen zu den Märkten in Wien, Brünn, Prag, Pilsen oder
Leipzig geschafft. Anfangs kümmerten sich die Knopffabrikanten um den Verkauf
der Waren in Eigenregie. Bald aber
fanden sich Händler für Schnallen und Knöpfe, welche damit Handel trieben und
diese Artikel in die Welt brachten. Auf
diese Weise wurden Peterswalder Schnallen und Knöpfe weltberühmt.
Schnallenfabrikanten
waren in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts Christian Hieke, Bernhard
Hieke, Joh. Georg Bernhardt, Christian Streit, Hans Hieke, Josef Ritschel, Franz
Ritschel, Franz Kühnel, Josef Krahl, Franz Bernhardt, Josef Kühnel, Anton Schönbach,
Franz Wolf, Franz Settmacher, Franz Nitsche, Wenzel Messen, Georg Hieke, Franz
Kriesche, Josef Löbel, Josef Gliem, Streit, Franz Kliem, Kriesche.
Viele dieser genannten Schnallenmacher verfertigten später auch Knöpfe.
Ausschließlich mit der Knopfmacherei beschäftigten sich Franz
Ruprecht, Josef Schneider, Johann Michael Binder, Franz Schönbach, Wenzel Schönbach,
Franz Settmacher, Anton Schönbach, Karl Schönbach, Karl Kühnel.
Manche Auswärtige wanderten in Peterswald ein, um dort die
Knopferzeugung zu betreiben und fähige Arbeitskräfte zu finden.
In
Peterswald wurden weit über 160 Zentner Schnallen pro Jahr angefertigt, außerdem
sehr viele Knöpfe. Es wurde erzählt,
daß die Reisenden Silbergeld heimbrachten, das mehr als die verkaufte Ware wog.
Ein gewisser Michael Deschmann
aus Gottschee in Krain hatte sich durch den Handel mit Schnallen und Knöpfen
aus Peterswald Reichtum erworben. Allerdings
wurden der reichste Knopffabrikant und Schnallengießer Hieke wie auch sechs
andere Fabrikanten durch das Patent, den Staatsbankrott vom 15. März 1811, sehr
arm. Erst später erholten sie sich
wieder etwas. In den Kriegsunruhen
1813 stagnierte die Fabrikation für mehrere Monate, erlebte aber im Jahre 1814
wieder einen neuen Aufschwung. Bald
darauf zählte man 27 Meister in dieser Industrie.
Schaller sagt in
seiner Topographie (Ortsbeschreibung) zum Jahre 1787 über Peterwald folgendes: Die
Einwohner beschäftigen sich mit Schnallenmachen, deren alle Jahre mehr als 150
Zentner verfertigt und von Peterswald nach Prag, Dresden, Leipzig und andere
Gegenden verführt werden. Johann Hübners Staats- und Konversationslexikon, gegen Ende
des 18. Jahrhunderts erschienen, erwähnt in Peterswald die Schnallenfabrikation.
Und Schütz sagt in seiner
Erdbeschreibung von 1832: An der Grenze in
Peterswald, wo es viele Metallarbeiter gibt, werden Messing und Tombak,
Schnallen, Knöpfe, Ringe, Metallöffel und dergleichen verfertigt.
Die
Knopf- und Schnallenfabrikation expandierte im 19. Jahrhundert immer stärker.
Neben Zinnknöpfen erschienen Handschuhknöpfe in allen Formen und Größen,
auch überzogene Waschknöpfe, Kragen- und Chemisettenknöpfe,
Dekorationsaufschläge für Kleider und Mützen, wie Anker, Adler und
Schutzvorrichtungen für Tintenflaschen, Puppenknöpfe und Modeknöpfe.
Auch verfertigten die Metall- und Gelbgießer die verschiedensten
Bestandteile für Pferdegeschirre, für Sattlerarbeiten und ähnliches.
Manche betrieben die Metallindustrie mehr als Hausindustrie oder nur in
kleinerem Maßstab, andere errichteten größere Betriebe unter Zuhilfenahme der
vorhandenen Wasser- und Dampfkraft.
Die
verschiedenartigsten Maschinen wurden aufgestellt, immer neue Muster verfertigt
und für viele Artikel Patente erworben. Zu
Spezialartikeln, die angefertigt wurden, gehörten Zwingen und Platinen, Beschläge
für Schirme und Stöcke, (Fabrik H. C. Kühnel), Damenblusenknöpfe, Schuhknöpfe und
Schuhschließen (Fabrik H. W. Wolf),
Uniformknöpfe (Fabrik H. Haase),
Phantasieknöpfe, Druck- und Annähknöpfe, Metallflitter und kleinere
Metallwaren (Franz und Anton Schönbach Nr. 118), ebenso Waschknöpfe und Kragenknöpfe
(in Hellendorf). Außerdem wurden
Gußwaren für Sattler und Tapezierer und Tapeziernägel (H.
Aug. Wolf und Söhne), Metallzwingen und Regenschirmteile (Ernst
Luis Gottschald in Hungertuch) und Druckknöpfe (Franz
Josef Püschel) hergestellt.
Nicht
nur im Inland – in Österreich – wurden die Waren verkauft. Exportländer von Peterswalder Erzeugnissen waren Ungarn,
Deutschland, England, Rußland, Rumänien, Türkei, Indien, China, Amerika,
Australien, die Südseeinseln und andere.
An
die einst blühende Knopf- und Schnallengießerei erinnerten zur
Jahrhundertwende noch einzeln stehende „Gießhäusln“, so bei den Häusern
Nr. 93, 138, 148, 167, 266, 316. Manche
solcher Häuschen wurden in Wohnhäuser umgebaut, so beispielsweise bei den Häusern
Nr. 16, 69, 360, oder standen überhaupt nicht mehr, zum Beispiel die Nummern
203, 198.
Zu
den Betrieben zählten zu Beginn des 20. Jahrhunderts:
·
Die Metallwarenfabrik
C. Kühnel, deren
Fabrikation bis zum Ende des 18. Jahrhunderts (1782) zurück reicht.
Die Fabrik wurde 1871 vergrößert.
Von 1877 bis 1882 war H. Kühnel
in Hungertuch, von 1882 bis zuletzt in der Storchmühle (Nr.146), die neu
aufgebaut und vergrößert worden war, tätig.
Vor etwa einhundert Jahren wurde von ihm auch eine Fabrik in Königswald
errichtet. Herrn Kühnel
wurde 1903 in Aussig ein Staatspreis für seine Erzeugnisse verliehen.
·
Die Metallwarenfabrik des Franz
Schönbach in Peterswald Nr. 118 und in Hellendorf.
Die Fabrikation dieser Firma reicht bis 1780 zurück.
Im Verlaufe der Jahre (1880) wurde der Betrieb vergrößert und 1892 in
Hellendorf ein kleinerer Betrieb noch zusätzlich eingerichtet. 1901 wurden die seinerzeit Herrn Adler gehörenden Gebäude
dazugekauft, 1903 der Neubau aufgeführt und 1906 in Hellendorf die Griesbachmühle
angekauft und für das Fabrikat eingerichtet.
Nach dem Tode des Franz Schönbach im Jahre 1902 führten seine Söhne Franz
und Anton das Werk weiter.
·
Die ersten Anfänge der
Metallwarenfabrik Aug. Wolf und Söhne
datieren in das Jahr 1840 im Oberdorf Nr. 274.
Später wurde die Fabrik Terrheggen
gekauft und vergrößert.
·
Josef
Haase begann 1891 mit der Fabrikation von Knöpfen, pachtete
1900 und 1901 die Fabrik des Ed. Schönbach
und baute danach eine eigene Fabrik.
·
Die Knopf- und
Metallwarenfabrik des W. Wolf (Nr.
218) wurde im Jahre 1901 mit 20 Arbeitern begonnen.
In den Jahren 1903 und 1906 vergrößerte H.
Wolf seine Gebäude.
·
Die Metallwarenfabrik
des Ernst
Luis Gottschald im Ortsteil Hungertuch.
·
Franz
Haase,
·
Franz
Löbel,
·
Ferdinand Schönbach,
·
Josef Wolf.
·
Franz Josef Püschel
·
Kleinere Betriebe haben Anton
Wolf, Josef Ritschel und Karl Wolf unterhalten.
·
Noch zu erwähnen wäre die
jetzt außer Betrieb gesetzte Knopffabrik des verstorbenen Anton
Kühnel und später Franz Kühnel (Nr.
341). Anton
Kühnel war nicht bloß in der Fabrikation von Knöpfen, sondern auch in
der Mechanik, Malerei (Ölgemälde) und in der Fotographie bewandert.
Im Volksmunde hieß diese Fabrik „Beim Festungskühnel“.
Zu
Beginn des 20. Jahrhunderts nahm im Orte die Knopffabrikation einen großen
Aufschwung. Allerdings erwies sich
die große Entfernung von der Bahnstation in Königswald als ein großer
Nachteil für die wirtschaftliche Entwicklung Peterswalds.
Pläne, mit dem Bau einer Bahnstation in Peterswald zu beginnen, wurden
durch den Ersten Weltkrieg zunichte gemacht.
Zur
Industrie in Peterswald und Umgebung ist im
Das Eulautal im Wandel der Zeiten, 1. Jahrgang, Heft 2, 1926 folgender
Bericht von Herrn Franz Werner aus
Merzdorf unter dem Titel „Ursprung und Entwicklung der hiesigen Knopf- und
Metallwarenindustrie“ zu finden: In früherer
Zeit fand der weitaus größte Teil der Bevölkerung unserer engsten Heimat
Beschäftigung bei Ackerbau und Viehzucht, und schwer genug wurde dem steinigen
Boden ein geringer Ertrag abgerungen. Mit dem steten Wachsen der Bevölkerungszahl konnte naturgemäß
diese Hauptbeschäftigung nicht mehr ausreichen, und man suchte nach neuen und
besseren Erwerbsmöglichkeiten. Als
erste und noch heute (1925) eine der bedeutendsten dieser neuen Erwerbsquellen dürfen
wir wohl die Knopf- und Metallwarenerzeugung betrachten, und ich will im
nachstehenden deren Ursprung und Entwicklung kurz darstellen.
Als Grundlagen diente mir das sehr wertvolle Büchlein des
Herrn Pfarrer Nitsche, Komotau,
eines Peterswalder Ortskindes, und nicht minder wichtig waren mir die Berichte
der Herren Fabrikanten, für deren freundliche Unterstützung ich im Namen der
Arbeitsgemeinschaft besten Dank sage.
Nach der schriftlichen und mündlichen Überlieferung war
es ein Christian Hieke in
Peterswald, der im Jahre 1757 als erster die Schnallenerzeugung betrieb.
Durch vieles Reisen hatte er die Notwendigkeit der Schnallenerzeugung auf
Grund des stets herrschenden Bedarfes festgestellt und dabei gleichzeitig den
Geschmack kennengelernt. Es war ihm
daher ein Leichtes, die richtigen Muster zu treffen und einen bedeutenden Absatz
für seine Erzeugnisse zu finden. Es
wurden Schnallen aus Zinn sowie Messing gegossen, sodann gut gereinigt und
verpackt. Der Absatz wuchs ständig,
und gar bald fanden sich neue Erzeuger für den sehr einträglichen Artikel; es
waren dies die Brüder Schönbach,
die außer Schnallen als erste Knöpfe gossen und damit überall großen Anklang
fanden. Noch heute sind Gießerhäuschen
in Peterswald zu sehen, wovon unser Bild im Innern dieses Heftes eine Abbildung
zeigt.
Bald begann man auch, aus Blech Knöpfe zu erzeugen.
Gleichzeitig mit der Entstehung dieses Industriezweiges in Peterswald
fanden sich auch im benachbarten Tyssa tatkräftige Männer, die diese Industrie
einrichteten und allmählich gute Erfolge aufzuweisen hatten.
Die später folgende Aufzählung und Besprechung der einzelnen
Unternehmungen zeigt ungefähr den Aufbau in diesem Orte, soweit ich
Ermittlungen machen konnte.
Der Absatz der Knöpfe war zwar meistens gut, doch mußte
der Fabrikant seine Ware selbst zu Markte oder auf die großen Messen tragen,
ohne jene modernen Verkehrsmittel, die ihm heute zur Verfügung stehen.
So wurden die großen Messen in Leipzig mit dem Karren oder Ranzen voller
Waren besucht und selbe dort verkauft; erst die neue Zeit mit ihren wunderbaren
Errungenschaften in der Technik sollte auch hier Wandel schaffen.
Bald entstanden bessere Verkehrswege, die Eisenbahn, Post und so weiter;
der Besuch der Märkte mit der Ware erübrigte sich bald, denn es fanden sich Händler,
die den Vertrieb von Knopf- und Metallwaren zum Erwerb nahmen.
Von dem allgemeinen Fortschreiten der Technik blieb auch die
Knopffabrikation nicht unberührt und es gelang, die Fabrikation durch Anwendung
des Maschinenbetriebes rationeller zu gestalten, so daß heute verschiedene Handarbeiten sehr
sinnreich und zeitsparend auf diesem Wege ersetzt werden, was einer bedeutenden
Verbilligung der Erzeugnisse gleichkam.
Doch auch die umliegenden Ortschaften blieben von dieser
Entwicklung nicht unberührt, und gar bald entstanden auch im Eulautale bis in
die Nähe Bodenbachs gleiche oder ähnliche Erzeugnisstätten, wenngleich die
Orte Peterswald und Tyssa am bekanntesten blieben.
Zu Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts nahm die
Knopfindustrie einen bedeutenden Aufschwung, der leider durch den im Jahre 1914
ausgebrochenen Weltkrieg plötzlich behindert wurde; und wenngleich die ersten
Jahre der Nachkriegszeit eine kurze Belebung des Knopfabsatzes brachten, so war
dies doch nur von vorübergehender Dauer. Die
Nachkriegsjahre zeigten deutlich, daß dieser Industrie das ehemalige Österreich-Ungarn
als Absatzgebiet fehlt und daß die Wiedergewinnung dieses in Kleinstaaten
zerfallenen Gebietes infolge der vielen Einfuhr- und Zollschwierigkeiten große
Widerstände zu überwinden hat; außerdem entstanden im Ausland, wie zum
Beispiel Japan, Italien, Frankreich, Ungarn und so weiter
ebenfalls größere Knopffabriken, die heute schon als nicht zu unterschätzende
Faktoren zu betrachten sind.
Aus den nachstehenden mir zugegangenen Berichten der
einzelnen Unternehmungen ist all dies noch anschaulicher zu ersehen,
gleichzeitig möchte ich damit zeigen, welche Fülle verschiedener
Kleinmetallwaren in unserer engsten Heimat erzeugt werden, was wohl manchem
Heimatkind, um so mehr der Außenwelt, unbekannt sein dürfte.
Firmen in Peterswald und Hungertuch
Die nachstehenden Berichte trafen ein und ich erlaube mir
hiermit, selbe wie folgt zu veröffentlichen:
Die wohl
älteste Fabrik in Peterswald, Anton
Franz Schönbach, wurde im Jahre 1780 gegründet, und zwar vom Großvater
des jetzigen Inhabers. Als erste
Artikel wurden Zinn- und Messingknöpfe aus Guß erzeugt, ferner
Handschuhdruckknöpfe und Hosenschnallen. Die
Erzeugnisse brachte der Begründer anfangs selbst im Rucksack zur Leipziger
Messe. Später erzeugte man Kragen-
und Manschettenknöpfe sowie andere Metallknöpfe für
den Export, und kurz vor Ausbruch des Weltkrieges wurden Zelluloidknöpfe neu
aufgenommen. Während des Krieges
kamen hauptsächlich Heereslieferungen zur Ausführung und wurden den in dieser
Zeit ungefähr 300 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt. Nach Beendigung des großen Krieges nahm das Unternehmen die
bisherigen Artikel, Kragen, Manschett- und sonstigen Metallknöpfe für den
Export wiederum auf, welche einen guten Absatz finden.
Die
Metallwarenfabrik C.
Kühnel, Peterswald, wurde im Jahre 1782 im Hause Nr. 102 gegründet,
woselbst Zinnknöpfe sowie Löffel, später Messinglöffel und Knöpfe erzeugt
wurden. Diese Erzeugungsstätte
verblieb hier bis zum Jahre 1840 und wurde dann im Jahre 1858, nach achtzehnjähriger
Unterbrechung, in das Haus Nummer 209 in Peterswald verlegt, wo der Vater des
jetzigen Inhabers, Herr Karl Kühnel,
Handschuh- und Hosenknöpfe erzeugte. Im
Jahre 1871 vereinigte sich Herr C. Kühnel
mit Herrn E. L. Gottschald aus
Dresden, und sie errichteten eine neue Fabrik im benachbarten Ortsteil
Hungertuch. Es war hier eine
abgebrannte Mühle, die von Herrn Kühnel
zu einer Fabrik umgebaut wurde. Im
Jahre 1881 zerstörte ein Schadenfeuer den gesamten Bau, der neuerdings aufgeführt
wurde. Der Betrieb lief sodann auf
gemeinsame Rechnung nur bis 1881 weiter, denn die beiden Gesellschafter trennten
sich. Herr Kühnel fabrizierte im Hause Nr. 209 weiter, kaufte jedoch
schon im Jahre 1882 die Mahlmühle Nr. 146, die er für Fabrikationszwecke
umbaute und im Jahre 1887 bedeutend erweiterte. Nun erzeugte man
hauptsächlich Exportknöpfe, Schirm- und
Stockbeschläge sowie Tapeziernägel.
Im Jahre 1889 errichtete Herr Kühnel
auch in Königswald eine Fabrik für die gleichen
Artikel, die aber 1890 wieder aufgelassen werden mußte, da Amerika als
Hauptabnehmer die Zölle übermäßig erhöhte und eine weitere Einfuhr dadurch
unmöglich machte, und außerdem keine geeigneten Arbeitskräfte zu finden waren;
der Betrieb wurde zur Gänze nach Peterswald verlegt. In den Jahren 1904 bis 1907 erweiterte man den Betrieb
wesentlich, der vom Jahre 1906 sodann vom jetzigen Inhaber weitergeführt wurde.
Gründer dieses Unternehmens ist, soweit nachweisbar, ein gewisser „Müllerfranze“
nach welchem der Großvater des Inhabers, Wenzel
Kühnel, und der Vater, Carl
Kühnel, das Geschäft in die heutigen Bahnen leitete.
Gegenwärtig werden gezogene, gestanzte, gedrückte, fassionierte und
gedrehte Artikel erzeugt sowie sämtliche Schirm-, Stock- und Skibeschläge, außerdem
Knöpfe und andere in dem Fach einschlägige Artikel.
ranz Wolf kaufte
im Jahre 1838 das Häuschen Nr. 276
von einer gewissen „Jankin“ und verheiratete sich nachher mit Thekla
Bernhardt aus Nr. 41 in
Peterswald. Von da ab hieß man
diese Familie „bei der kleinen Thekla“, später kürzer „beim
Thekla“. Im Jahre 1840
unternahm nun Franz Wolf gemeinsam
mit seinem Bruder Josef die
Erzeugung von Sattlerwaren wie Rosen,
Schnallen und so weiter, auch Stiefeleisen aus
Gußmessing unter der Firma „Gebrüder Wolf“.
Formen hatten sie sich besorgt und zum
Teil auch selbst hergestellt,
nach welchen sie sich die Ware beim „Messenwenz“, einem Gelbgießer im Haus
Nummer 94, in Rohguß herstellen ließen
und dann mit eigener Hand fertig verarbeiteten.
In erster Zeit hat Franz Wolf
die fertige Ware selbst nach Prag, Brünn, Pilsen usw. zu Markte
getragen, bei welcher Gelegenheit er noch verschiedene andere Sachen
kennenlernte, die er zur Herstellung und Lieferung übernehmen konnte. Dadurch
war nun auch der Umsatz größer geworden, und so richteten die beiden Brüder
eine eigene Gießerei ein. Zur
Herstellung der fertigen Waren fand Franz
Wolf bei seinen inzwischen herangewachsenen Kindern brauchbare
Arbeitshilfe; und als dann geregelte
Bahn- und Postverhältnisse ins Leben traten, gedieh der Umsatz soweit, um
einige Hilfsarbeiter aufnehmen zu können.
Im Jahre 1869 starb Josef Wolf
und es trat als Teilhaber dessen Sohn
Anton in das Geschäft ein. Im
Jahre 1883 kündigte jedoch Anton Wolf seinen Geschäftsanteil und gründete ein
selbständiges Unternehmen in seinem Hause Nr. 198. Franz Wolf übergab
sodann sein Geschäft an seinen Sohn August,
welcher schon lange vorher das Haus Nr. 274 gekauft und sich mit Johanna
Wolf aus Haus Nr. 275 verehelicht hatte.
Nachdem dessen Sohn, ebenfalls Franz
mit Namen, bereits 16 Jahre alt war und sich fürs Geschäft lebhaft
interessierte, wurde die Firma unter dem Namen „August Wolf u. Sohn“
weitergeführt, doch der Name „beim Thekla“ blieb volksmündlich erhalten;
und obwohl diese Firma seit jener Zeit schon viermal ihren Besitzer gewechselt
hat, wird sie heute noch als „Thekla-Fabrik“ bezeichnet.
Im Jahre 1884 wurde das Haus Nr. 448 erbaut und bestand aus Gießerei und
Arbeitslokalen. Zu dieser Zeit
waren schon 15 bis 20 Arbeiter beschäftigt,
nebenbei wurden auch noch andere Artikel, wie Knöpfe, Rosetten, Tapeziernägel
und dergleichen mitgeführt, die aus andern Fabriken bezogen wurden.
Herr C. Hoffmann
als Inhaber der Firma C. Hoffmann,
Peterswald-Hungertuch, sandte einige nette
Ansichten seines Unternehmens sowie historisch interessante Punkte, worauf die
Heimatforschung noch zurückkommen wird und der beste Dank hiermit gesagt sei.
Die
Firma Franz Haase, Peterswald, berichtet, daß das
Unternehmen im Jahre 1884 von Herrn Franz
Haase sen. gegründet wurde. Als
erste Artikel erzeugte man Knöpfe aller Art, ferner Agraffen für die
Handschuhindustrie. Das Unternehmen entwickelte sich im Laufe der Jahre gut, so
daß bereits 1903 die jetzige bedeutende Fabriksanlage gebaut werden konnte.
Es werden heute alle Arten Metallknöpfe, ebenso gegossene Artikel
erzeugt.
Die
Metallknopffabrik Josef Haase, Peterswald, wurde im
Jahre 1891 von dem derzeitigen Besitzer, Herrn Josef
Haase, gegründet. Die
heutige Fabriksanlage besteht seit dem Jahre 1901.
Erzeugt werden sämtliche für den nahen und fernen Export geeigneten
Knopfwaren.
Firmen in Tyssa
Eine der ältesten Fabriken
in Tyssa ist jene der Firma F.
A. Püschner. Diese wurde im Jahre
1836 von Herrn Franz Anton Püschner
gegründet. Anfangs erzeugte man
nur die billigen Massenartikel wie Massa- und Messingrollen, ferner billige
farbige Knöpfe, sogenannte Gilet- und Joppenknöpfe für die Landbevölkerung,
ebenso Gußwaren und Zinnguß. Allmählich
wurden auch bessere Knopfsorten für Uniformen, Kinder- und Damenkonfektion aufgenommen, die noch jetzt nach allen
Erdteilen exportiert werden. Ursprünglich
war es nur Handarbeit und Hausarbeit, heute ist der Betrieb durch komplizierte
Maschinen ausgestaltet, die äußerst rationell arbeiten.
Die
Firma Josef Weigend wurde im Jahre 1840 von Herrn Franz
Weigend gegründet. Ursprünglich
erzeugte man Gußknöpfe und Pferdebeschläge.
Der Betrieb hat sich nur im gewerblichen Maße weiter entwickelt; die
Erzeugung der oben genannten Artikel wurde aufgelassen und alsdann
Schlittenglocken und messingene Tür- und Fensterbeschläge erzeugt.
In den Achtziger Jahren nahm
man die Bronzegießerei auf, so daß
sich der Betrieb nach einigen Vergrößerungen heute fast ausschließlich mit
der Erzeugung der billigsten bis feinsten Tür- und Fensterbeschläge,
vergoldeten Blitzableiterspitzen und ähnlichen Baubedarfsartikeln in Messing,
Gold und Rotbronze, Nickelbronze, ferner mit gehämmerten Altmessingbeschlägen,
Griffen mit Hornzwischenteilen und so weiter befaßt.
Die
Firma Augustin Hieke in Tyssa wurde im Jahre 1854
durch Herrn Augustin Hieke gegründet.
Genannter befaßte sich zuerst mit der Fabrikation von Knöpfen für die
ungarische Nationaltracht, welche teils aus Messing und teils aus Zinn gegossen
wurden. Später kam man auf die
Idee, daß man diese Knöpfe aus verschiedenen Blechqualitäten prägen könnte,
welcher Vorgang die Ware beträchtlich verbilligte und die Möglichkeit eines größeren
Absatzes schaffte. Ursprünglich
wurden die so verfertigten Knöpfe dem Auftraggeber persönlich zugetragen und
das Geld dafür kassiert. In den
60er Jahren entwickelte sich diese Knopferzeugung zur Fabrik. Die Erzeugnisse wurden anfangs durch Frachtfuhrwerk und später
durch Bahn an ihren Bestimmungsort gebracht.
Da inzwischen noch andere Sorten blanker Metallknöpfe mit in die
Erzeugung aufgenommen wurden, so arbeitete man dann Ware auf Lager und verkaufte
diese sodann auf der Leipziger Messe direkt, sowie auch durch Handelsvertreter
in Österreich und Deutschland. Im Jahre 1870 wurde sodann zur Fabrikation der Metallknöpfe
noch solche von Klauenhornknöpfen
dazugenommen, welche im Jahre 1871 in einem separat hierfür errichteten Gebäude
im großen Maßstabe betrieben wurde. In
den 70er und 80er Jahren wurden in der Metallabteilung nebst Knöpfen auch noch
diverse andere Artikel aus Metall aufgenommen, und die so reichhaltig ausgebaute
Kollektion sicherte guten Absatz, und so wurden die gesamten Erzeugnisse dann
schon nicht nur in allen europäischen Staaten, sondern auch nach überseeischen
Märkten verkauft.
Die Fabrikation von Klauenhornknöpfen wurde in den 90er
Jahren ausgelassen, weil dieser Artikel mehr und mehr durch Steinnußknöpfe
verdrängt wurde und sich infolge geringer Nachfrage nicht mehr rentierte.
An dieser Stelle wurden dann Schirm- und Stockbeschläge aus Metall
aufgenommen, welche Artikel auch heute noch fabriziert werden.
Die ganze Art der Knopffabrikation wurde im Verlaufe der Zeit so
eingerichtet, daß dieselbe zur Herstellung aller Arten von Damenkleiderknöpfen
im jeweiligen Genre geeignet erscheint. Mit
der Ausdehnung des Geschäftes wurden logischerweise auch die Gebäude durch
Zubauten erweitert. Heute beschäftigt
die Fabrik ungefähr 200 Arbeiter und erzeugt Modeknöpfe sowie diverse kleine
Metallwaren und Schirm- und Stockbeschläge.
Die Fabrik der
Firma Berthold Jäger wurde im Jahre 1880
vom Vater des jetzigen Inhabers, Herrn A.
Karl Jäger, gegründet und hat bis zum Jahre 1906 Hornknöpfe erzeugt.
Herr Berthold Jäger übernahm die Fabrik im Jahre 1906.
Nun wurden hauptsächlich Kragen- und Manschettenknöpfe erzeugt.
Gleichzeitig nahm die Firma die Erzeugung für Exportartikel nach Indien
auf, die bis heute guten Absatz fanden. Gegenwärtig
können bis 120 Arbeiter beschäftigt werden.
Die
Metallwarenfabrik „Krautmühle“, Tyssa, berichtet:
Das Unternehmen wurde im Jahre 1890 von Herrn Franz
Püschner gegründet. Der
Besitz war eine alte, von Kaiser Josef erbaute Mahlmühle, deren Besitzer Kraut
hieß. Diese wurde nach Ankauf in den achtziger Jahren
niedergerissen und die heutige Fabrik errichtet sowie Erweiterungen im Laufe der
Zeit vorgenommen. Es besteht
Wasserdampf sowie elektrischer Betrieb. Als
ältester Betrieb dieses Zweiges liefert derselbe Baubeschläge sowie Möbelbeschläge,
Scharniere und Möbelknöpfe. Ferner
dessinierte Bleche für die Metallknopfindustrie.
Es können gegenwärtig etwa 50 Arbeiter beschäftigt werden.
Die
Firma C. A.
Weidmüller, Tyssa, berichtet: Das Unternehmen der Fa. C. A. Weidmüller
wurde im Jahre 1900 gegründet als Zweigfabrik der seit 1850 in Chemnitz
bestehenden Hauptniederlassung. Die
Firma kaufte damals die seit 1870 bestehende Knopffabrik von
Franz Püschner, Tyssa 218, auf
und richtete die dort und in der weiteren Umgebung noch nicht aufgenommene
Fabrikation von Druckknöpfen für Handschuhe und Lederwaren ein.
Der Betrieb wurde bald mit motorischer Kraft ausgestattet, erst vom
kleinen Benzinmotor zum größeren Sauggasmotor, und später wurde er ganz auf
elektrische Kraft umgestellt, so daß heute gegen 10 Motoren 1,5 bis 10 PS im
Betriebe laufen. Das Unternehmen
erfuhr selbstverständlich verschiedene Umbauten und Vergrößerungen und steht
heute baulich wohl als das zweckmäßigste und als eines der ansprechendsten
Fabrikanlagen in Tyssa da.
Die erzeugten Artikel sind fast immer gleich geblieben,
wenn auch ab und zu mal einige andere mit dazugekommen sind, wie z. B. die „Buller-Needles“
während des Burenkrieges, von denen nicht genug nach England gebracht werden
konnten, oder Militärknöpfe während des Weltkrieges.
Durch die Veränderungen nach dem Kriege wurde die Tyssaer Fabrik ein
selbständiges Unternehmen und unabhängig von Chemnitz geführt.
Der langjährige Leiter der Firma, Herr Moritz
Wächtler, trat als Teilhaber bei. Gegenwärtig
beschäftigt die Firma einige 60 Leute gegen 100 bis 120 in der Vorkriegszeit.
Allerdings sind inzwischen bedeutende Verbesserungen an den Maschinen
vorgenommen wie auch neue automatische Maschinen aufgenommen worden, aber der
Umstand, daß seit dem Weltkriege in
der ganzen Welt Knopffabriken aufgemacht worden sind, wirkt auch hier wie
anderweit hemmend und läßt das glatte, ruhige stete Arbeiten wie vor dem
Kriege vermissen.
Heute erzeugt die Firma außer den genannten Artikeln noch
Verschlüsse für Damentaschen, die sich eines guten Absatzes erfreuen, ganz
besonders nach dem europäischen und überseeischen Auslande.
Vor dem Kriege ging der Hauptabsatz nach Rußland, heute ist dahin gar
nichts mehr zu machen, dafür geht der größte Teil der Erzeugung nach den
europäischen und überseeischen Kulturländern.
Die
Fabrik Rauchfuß u. Co. wurde im Jahre 1902 von den Brüdern
Franz und Josef
Rauchfuß und Karl Firbaß
aus Tyssa begründet. Letzterer
trat im Jahre 1906 aus und errichtete selbst ein Unternehmen in Tyssa, welches
in Konkurs ging (jetzige Turnhalle). Herr
Josef Rauchfuß trat im Jahre 1910
aus und erwarb die Fabrik von Josef Pohler
in Kleinkahn, worauf ein neuer Teilhaber namens Wilhelm
Baumann, Tyssa, eingesetzt wurde, der jedoch infolge Krankheit im Jahre
1913 wieder austrat. Seit dieser
Zeit ist Herr Franz Rauchfuß
Alleininhaber. Bis zum Jahre 1906
erzeugte man Druckknöpfe, später kamen Metallmodeknöpfe sowie solche aus
Zelluloid hinzu. Während des
Krieges wurde die Erzeugung von Uniformknöpfen, Zeltösen, Schuhösen und
dergleichen betrieben. Die
Nachkriegszeit brachte all die bekannten Schwierigkeiten der Rückgewinnung
verlorener Absatzgebiete, und es scheint, als ob die neueste Zeit eine Besserung
der Verhältnisse bringen wollte.
Die
Metallknopffabrik J. Weigend & Co. berichtet: Das
Unternehmen wurde im Jahre 1909 im Wohnhause des Teilhabers, Herrn Josef
Weigend, Nr. 96 in Tyssa, von den Herren Josef
Weigend, Nr. 96, Franz Klement,
Nr. 283 und Josef Focke, Nr. 421,
Raiza, gegründet. Anfangs erzeugte
man die Stoffknöpfe, die damals sehr in Mode standen.
Später wurden dekorierte Eisenblechknöpfe erzeugt.
1911 errichtete man das heutige Fabriksgebäude Nr. 366 in Tyssa, wo die
Erzeugung neuer Artikel aufgenommen wurde; insbesondere erzeugt die Firma als
Spezialität Zelluloidmodeknöpfe, die guten Absatz finden, während auch
Druckknöpfe, Schuhösen und ähnliche Artikel geliefert werden können.
Die Fabrik beschäftigt heute bis 80 Arbeiter.
Herr Julius Rauchfuß,
Knopffabrik, Schönwald, sendet nachstehenden Bericht: Das Unternehmen wurde im
Jahre 1906 anfänglich als Filiale der Knopffabrik Rauchfuß & Co., Raiza,
im Hause Nr. 238 eingerichtet. Infolge der beginnenden schlechten Saison beabsichtigte die
Firma, die Filiale in Schönwald aufzulassen, weshalb Herr Julius
Rauchfuß im Jahre 1907 den Betrieb übernahm.
Nach dem im Jahre 1908 erfolgten Ankauf des Wohnhauses Nr. 22 wurde die
Fabrik nach erfolgten Um- und Zubauten in das genannte Gebäude verlegt, wo es
sich noch heute befindet. Vor
Kriegsbeginn erzeugte man hauptsächlich Zelluloidmodeknöpfe, und es konnten an
die 70 Leute beschäftigt werden. Die
Exportunmöglichkeit infolge des Weltkrieges hemmte die Entwicklung dieses
Unternehmens ebenfalls. Nach
Kriegsende wurden hauptsächlich Schuhösen und Haken sowie verschiedene
Schnallensorten erzeugt und in letzter Zeit auch die Fabrikation der
Zelluloidmodeknöpfe nach langjähriger Unterbrechung wieder aufgenommen, so daß
gegenwärtig bis 60 Arbeiter beschäftigt werden können.
Die Firma Jos. Rauchfuß & Sohn, Kleinkahn, schreibt:
Das Unternehmen der jetzigen Firma wurde durch
J. K. Pohler, aus Tyssa stammend, 1902
gegründet.
Derselbe befaßte sich mit der Erzeugung von Kragen- und Manschettenknöpfen
und beschäftigte seinerzeit 6 bis 8 Arbeiter.
Dieser wurde lungenkrank und verstarb im Jahre 1908.
Die Witwe verkaufte das Unternehmen an die Firma Vinzenz Werner, jetzt
Merzdorf bei Eulau, welche die gleichen Artikel weiterführte und das
Unternehmen auch weiter entwickelte. Die
Beschäftigungszahl der Arbeiter betrug seinerzeit 24 bis 25 Arbeiter und
Arbeiterinnen. 1910 verkaufte Herr B. Werner das Unternehmen an die jetzige Firma und diese
entwickelte das Unternehmen durch Neubauten auf die jetzige Höhe.
Es werden 70 Arbeiter beschäftigt und sämtliche Exportartikel erzeugt.
Eine der größten und ältesten Unternehmungen im
Knopffach in der hiesigen Gegend ist die Firma Franz Schönbach,
Riegersdorf, über
die ich nachstehendes berichte: Die Firma Franz Schönbach, Riegersdorf, wurde
ungefähr um das Jahr 1870 von dem inzwischen verstorbenen Herrn Franz Schönbach sowie dessen Gattin, Frau Veronika
Schönbach, welch letztere aus dem Hause des Fabrikanten
Anton Franz Schönbach, Peterswald, entstammte, gegründet. Auf der
Brandstelle Nr. 16 in Riegersdorf wurde eine kleine Erzeugungsstätte errichtet
und zuerst Hornknöpfe verfertigt. Durch
einen großen Verlust bei einer Wiener Firma mußte für einige Zeit die
Fabrikation wieder aufgegeben werden, später wurden dann Messingknöpfe erzeugt.
Herr Schönbach sen., der
ein tüchtiger Fachmann war, verstand es, das Unternehmen durch vorteilhafte
Maschinen und Werkzeuge, die er selbst baute, erstklassig einzurichten, so daß
bald die verschiedensten Artikel erzeugt wurden.
Bereits im Jahre 1885 lieferte man besonders gangbare Knöpfe nach
Nordamerika, und im Jahre 1890 wurde mit der Erzeugung von Metallknöpfen, die
speziell für China geeignet waren, begonnen, die dort reichlichen Absatz fanden.
Im Jahre 1906 verschied der Begründer nach einem schweren
Leiden und wurde die Fabrik nunmehr von dem Sohne und jetzigen Inhaber, Herrn Franz
Schönbach, sowie einer Tochter, Frau Anna
Werner, übernommen, welche gemeinsam das Unternehmen bis zum Jahre 1909
weiterführten und ausdehnten. Frau
Anna Werner trat in diesem Jahre aus dem Geschäfte aus und ist seither Franz Schönbach Alleinbesitzer. Vor Beginn des Krieges wurde die Erzeugung von
Aluminiumgeschirr eingeführt und während des Krieges verschiedene
Heereslieferungen durchgeführt. Knapp
vor Kriegsende verstarb die Mitbegründerin dieses Hauses, Frau Veronika
Schönbach, die an dem Aufbau dieses Unternehmens einen unermeßlichen
Anteil durch ihre kaufmännischen und wirtschaftlichen Kenntnisse genommen hatte,
denn während der Gründer selbst ein ausgezeichneter Mechaniker war, verstand
es Frau Schönbach in kaufmännischer
Hinsicht, das Unternehmen hervorragend zu leiten.
Gegenwärtig werden in großem Maßstabe die nachstehenden Artikel
erzeugt: Knöpfe aller Art, Zigarettentaschen, Polsternägel, Abzeichen,
Aluminiumgeschirr, Schnallen, Haken, Ringe für Sattler; neu eingerichtet wird
zur Zeit die Erzeugung von Zahnbohrern und Fräsern.
Von der bedeutenden
Firma Matth. Oechsler & Sohn,
Riegersdorf, gibt der nachstehende Bericht vom Aufbau dieses Unternehmens
Kenntnis: Unsere Firma wurde im Jahre 1864 von Herrn Matthias Oechsler, nachmaligem königl. bayrisch.
Kommerzienrat, dem Vater des jetzigen Inhabers der Firma Matthias Oechsler &
Sohn, Herrn Geheimrat Otto Oechsler
in Ansbach in Bayern gegründet. Anfänglich
eine kleine Werkstatt zur Erzeugung von Bein- und Drechslerwaren konnte nach
wiederholtem Versagen durch die Energie des Gründers das kleine Unternehmen auf
eine gesunde Basis gebracht werden, so daß sich die ursprüngliche Werkstatt
langsam zu einem kleinen Betriebe entfaltete.
Erzeugt wurden vornehmlich Drechslerwaren sowie Beinknöpfe und
Beingardinenringe. Der gegenwärtige
Inhaber, Herr Geheimrat Otto Oechsler,
wurde schon in der frühesten Jugend für das Geschäft herangezogen und nicht
unnütz. Die große reichsdeutsche
Konkurrenz machte es notwendig, einen Betrieb außerhalb der reichsdeutschen
Grenzen zu gründen und wurde durch einen derartigen Entschluß im Jahre 1897
die gegenwärtige Fabrik in Riegersdorf in kleinem Maßstabe von der Firma
Schmidt, Kittel & Co., welche die Steinnußknopferzeugung aufgegeben hatte,
angekauft, obwohl ursprünglich ein stillgelegtes Farbwerk in Wittal bei Großpriesen
für diesen Zweck ausersehen war. Die
Zahl der Arbeiter und Angestellten betrug Ultimo 1897 bereits 80.
Die Fabrik Riegersdorf erzeugte bis zum Jahre 1907 ausschließlich nur
Beinwaren, das sind Knöpfe aller Art, Galanteriewaren, Drechslerwaren.
Im Jahre 1900 bedarf der Betrieb eines Zubaues.
1907 wurde die Metallknopffabrik der Firma Kühnel & Co., Tyssa,
welche sich im Ausgleichsverfahren befand, käuflich übernommen. Von diesem Zeitpunkte an wurde sowohl in Tyssa als auch in
Riegersdorf die Erzeugung von Metallkragen- und Manschettknöpfen in großem Maßstabe
aufgenommen, obwohl dieser Industriezweig bereits einige Jahre vorher auch im
Stammhause Ansbach eingerichtet wurde. Unverhältnismäßig
gute Geschäftsgänge erheischten im Jahre 1914 einen weiteren Fabrikszubau.
1916 wurde die Fabrikation von
Hornkämmen in Riegersdorf aufgenommen, welche wir leider, zufolge der durch die
Grenzverschiebungen geänderten Verhältnisse, hauptsächlich aber durch die
wirtschaftlichen Krisen, welche zur vorläufigen Aufgabe dieses Industriezweiges
führten, auflassen mußten. An
dessen Stelle wurde im Frühjahr dieses Jahres die Fabrikation von
Kunsthorn-Rohware sowie deren Verarbeitung zur Fertigfabrikation aufgenommen.
Gegenwärtige Arbeiterzahl 250 sowie 100 Heimarbeiter.
Außer der Haupt- und Stammfabrik Ansbach in Bayern sowie Riegersdorf
entstanden noch Zweigfabriken in Weißenburg in Bayern, Burgau in Bayern, sowie
Loosdorf in Niederösterreich. Gesamtarbeiterzahl
des Unternehmens heute 2000.
Die Knopf- und Metallwarenfabrik Vinzenz Werner, Merzdorf,
wurde im Jahre 1910 von Herrn Vinzenz
und Frau Anna Werner begründet,
nachdem das seinerzeitige Geschäft, welches in Kleinkahn bis zu dieser Zeit
betrieben wurde, an die Herren Josef
Rauchfuß & Sohn verkauft worden war. Die ersten Artikel wurden in einem Nebengebäude des Herrn Josef
Hesche jun. gehörigen Fabriksanwesens verfertigt, bis der heutige Neubau
im Frühjahr 1911 fertiggestellt war. Bis
zu Beginn des Weltkrieges wurden hauptsächlich Kragen-, Manschetten- und
Phantasieknöpfe, dergleichen Modeknöpfe erzeugt, die reichlichen Absatz fanden.
Der Weltkrieg hemmte leider auch in diesem Unternehmen den Geschäftsaufbau.
Während des Krieges wurden hauptsächlich Modeknöpfe sowie
Sohlenschoner und Nägel erzeugt. Nach
Beendigung des Krieges wurde der Betrieb wieder zur Friedensarbeit umgestellt
und Herr Werner sen. führte die Erzeugung von Scharnier- und Tischbändern ein,
die noch heute in größerem Maßstabe fabriziert werden.
1922 starb Herr Werner sen.
infolge eines schweren Herzleidens, das durch seine unermüdliche Tätigkeit beim Aufbau dieses Unternehmens
verschlimmert worden war.
Das Geschäft wurde nun von den Erben, Frau Anna
Werner und dem Sohne Franz,
übernommen und weitergeführt. Durch
die allgemein gebesserte Geschäftslage nach dem Jahre 1923 konnten wiederum
mehr Leute beschäftigt werden, so daß heute etwa 60 bis 70 Arbeiter und
Angestellte in der Fabrik sowie etwa 40 Heimarbeiter
dauernde Beschäftigung finden.
Die Firma Franz
Adler, Bünauburg, wurde im Jahre 1870 von Herrn Carl Jäger gegründet und 1888 von dem jetzigen Inhaber,
Herrn Franz Adler, übernommen.
Seinerzeit wurden nur Nickelkragen- und Manschettenknöpfe erzeugt und
etwa 11 Arbeiter beschäftigt. Herr
Adler vergrößerte das Geschäft alsdann, so daß im Jahre 1890 schon 50 Arbeiter tätig waren. Das
Unternehmen entwickelte sich immer weiter, so daß zu Zeiten der Hochkonjunktur
bis 350 Leute Beschäftigung finden konnten.
Leider hat auch dieser Betrieb unter den Nachwirkungen des Weltkrieges zu
leiden.
In Bünauburg besteht ferner die Nadel- und Kammfabrik
Pfannschmidt & Weispfennig, die folgendes berichtet: Im Jahre 1888
errichtete die westfälische Firma Carl Schwanenmeyer, Nähnadelfabrik in
Iserlohn, unter der Firma Schaper & Post eine Filialfabrik ihrer Erzeugnisse in der
ehemaligen Nähmaschinenfabrik in Bünauburg.
Im Jahre 1890 ging obige Firma nach Einstellung des Betriebes infolge
Unrentabilität wieder nach Iserlohn zurück.
Im gleichen Jahre wurde von Josef
Pfannschmidt aus Biela bei Bodenbach, Wilhelm
Weispfennig und Heinrich Waelke
(die beiden letzteren aus Iserlohn) ein neues gleichartiges Unternehmen unter
der Firma Pfannschmidt & Waelke in Nr. 45 in Bünauburg gegründet.
Nachdem im Jahre 1894 Josef
Pfannschmidt starb, trat
dessen Sohn Emil Pfannschmidt in
die Firma ein. Heinrich Waelke trat
im Jahre 1895 aus der Firma aus und wurde dieselbe auf Pfannschmidt &
Weispfennig abgeändert. Emil Pfannschmidt und
Wilhelm Weispfennig sind heute noch Inhaber der Firma.
Die Firma erzeugt in der Hauptsache Nähnadeln aller Art, welche
Erzeugung erst im Laufe vieler Jahre auf die heutige Höhe gebracht werden
konnte. Als Nebenartikel werden
Metallstaub- und Frisierkämme hergestellt.
All diese Artikel gehen zum größten Teile nach Übersee.
Beschäftigt werden heute 140 Arbeiter und Angestellte.
Nachträglich gingen noch folgende Berichte hier ein: Die
Metallknopffabrik „Püschelmühle“, Peterswald, sandte mir folgenden
Bericht, der vor allem zeigt, wie schwer der Aufbau dieses Industriezweiges war,
welche ungeheuren Mühen und Entbehrungen dem kleinen Anfänger auferlegt waren.
Treten alsdann noch Schicksalsschläge dieser Art ein, so müssen diese
in den meisten Fällen die Unternehmungslust hemmen.
Wir danken Herrn Franz Josef Püschel ganz
besonders für seinen anerkennenswerten Bericht.
„Anfang der Siebziger Jahre habe ich die Mühlenrealität
Nr. 77 in Peterswald von meinem Onkel Franz
Püschel käuflich erworben. Dieses
Gebäude dürfte wohl eines der ältesten des Dorfes sein.
Es wurde öfter renoviert und zuletzt wohl Ende des 18. Jahrhunderts.
In der Tür (Steingebäude) ist noch eine schlecht lesbare Jahreszahl
ersichtlich. Laut Grundbuch hatte
schon vor etwa 100 Jahren eine gewisse
Rosalia Püschel eine Forderung darauf.
Dann war die Mühle lange Zeit im Besitze der Familie Haase,
bis etwa Anfang der Siebziger Jahre mein Onkel Franz
Püschel diese ganz nahe an sein Wirtschaftsgebäude Nr. 79 grenzende Mühlenrealität
Nr. 77 kaufte. Als ich die Mühle
von meinem Onkel erworben hatte, lernte ich von dem früheren Besitzer Haase
das Müllergewerbe. Auch das Bäckergewerbe
habe ich betrieben, welches ich bis zu Kriegsausbruch durch einen Gehilfen fortführen
ließ, während ich die Müllerei schon Anfang dieses Jahrhunderts aufgab.
Anfang der Achtziger Jahre errichtete ich in dieser Mühle eine
Blechdessinieranstalt und habe ich zu dieser Zeit für die hiesigen (wie auch
auswärtigen) Fabrikanten Messingbleche dessiniert.
Im Jahre 1903 kaufte ich dann das schräg gegenüber liegende Gebäude
Nr. 352. Dieses Haus war zuerst ein
Gasthaus, dann wurde eine ziemlich gut gehende Samtfabrikation in diesem Gebäude
betrieben. In demselben Jahre 1903
begann ich mit der Erzeugung von Knöpfen.
Durch den Ankauf dieses Gebäudes Nr. 352 fand ich genügend Platz.
Der Anfang war allerdings sehr mühselig. Ich fertigte zuerst Modeknöpfe
aus Blechen, welche meist mit Pinsel in den verschiedensten Farben (vielfärbig)
lackiert wurden. Später richtete
ich mich speziell nur auf Annähdruckknöpfe ein.
Nachdem ich auch in diesem Artikel Schwierigkeiten überwunden, mich mit
Maschinen (Exzenterpressen), Massenschnitten und patentierten Automaten (von
meinen Werkzeugschlossern selbst erfunden und angefertigt) nach und nach
eingerichtet hatte, erreichte die Fabrikation ihren Höhepunkt.
Diese Annähdruckknöpfe wurden in
Massen erzeugt und alles nach Rußland exportiert.
In der Fabrik beschäftigte ich bis zu Kriegsausbruch etwa 80 bis 100
Leute. Außerdem hatte ich noch
viele Heimarbeiterinnen hier im Dorfe, wie auch auswärts. Durch Ausbruch des Krieges war es jedoch mit der mühselig
emporgebrachten und blühenden Fabrikation mit einem Male vorbei, eben weil ich
nur Export nach Rußland hatte. Um
die Arbeiter nicht auf einmal entlassen zu müssen, ließ ich noch alle vorrätigen
Rohstoffe aufarbeiten. Während des
ganzen Krieges hatte ich nur sehr wenig Arbeiter, da ich mich so viel wie gar
nicht mit Heereslieferungen befaßte.
Als am 7. November 1915 einer meiner beiden eingerückten
zwei Söhne in Rußland fiel, war ich derart seelisch und körperlich
zusammengebrochen, daß ich jedes Interesse am Fabrizieren verlor.
Zudem kam noch, daß ich seit Ende 1917 mit ungerechtfertigten,
wahnsinnig hohen Steuervorschreibungen verfolgt wurde.
Da sich dieselben immer wieder erneuerten und meine eingebrachten Rekurse
keine Erledigung fanden, sah ich mich gezwungen, Ende 1921 meinen Betrieb gänzlich
einzustellen und das Gewerbe als »ruhend« anzumelden.
In der Nachkriegszeit wurde nicht nennenswert fabriziert; es wurden
Eisendruckknöpfe und lackierte Schuhösen und -haken hergestellt.“
Die
Firma Eduard Weigend, Tyssa-Königswald, schreibt, daß das Unternehmen im Jahre 1904 in
Schneeberg von Herrn Eduard Weigend
sen. begründet wurde. Anfangs
erzeugte man kleine Blusen-Besatzknöpfe aus Metall.
Später wurde der Betrieb nach Königswald verlegt.
Hier waren Stoffknöpfe, Metallknöpfe für Indien und China
Haupterzeugnis. Während des
Weltkrieges wurden Sohlenschoner und Militärknöpfe geliefert, nach Beendigung
des Krieges Zelluloid-Schuhösen und -haken sowie Zelluloidknöpfe und Metallknöpfe
für Indien.
In Eulau befindet sich ferner noch die Knopffabrik von
Heinrich Nickel, die im Jahre 1907 von Herrn Heinrich
Nickel begründet wurde. Es
werden etwa 30 Arbeiter in der Fabrik sowie außerhalb beschäftigt und als
Spezialität Kragen- und Manschettknöpfe sowie indische Phantasieartikel
erzeugt.
Genaue Berichte fehlen leider von den beiden Firmen
Weigend & Püschner sowie Prokop Jäger & Söhne,
Tyssa.
Beide Unternehmungen sind bedeutend und erzeugen als Spezialität Knöpfe
und sonstige kleinere Metallwaren. In
Peterswald sind ferner zu erwähnen die kleineren Unternehmungen von Ferdinand
Schönbach sowie Karl Kühnel
in Raiza, die Firma Brüder Paul,
die fast durchweg Metall-und Zelluloidknöpfe erzeugen.
Dieser
Bericht zeugt von einer einst wirtschaftlichen Blüte Peterswalds, die
Anerkennung und Bewunderung für den Unternehmensgeist seiner Bewohner
herausfordert. Es ist unverkennbar,
daß es der Tüchtigkeit und des Fleißes, aber auch der Opfer und Entbehrungen
der Unternehmer und der Beschäftigten bedurfte, diese Blüte zu erreichen.
Von den einst ausschließlich in der Landwirtschaft beschäftigten
Bewohnern Peterswalds fanden zur Jahrhundertwende zwei Drittel Beschäftigung in
der Industrie.
Nach
1900 hatte die Peterswalder Industrie den größten Aufschwung zu verzeichnen.
Zur gleichen Zeit ließ das Geschäft der Webereien nach.
Vor dem Jahr 1900 spielte nämlich auch die Samtweberei in Peterswald
eine Rolle und wurde hauptsächlich von Häuslern betrieben.
Im Jahre 1890 zählte man im Ort mehr als 500 Samtwebstühle, die im
Monat über 150.000 Meter Samt erzeugten. Fabriken
dieses Industriezweiges bestanden schon Mitte der Siebziger Jahre.
Die älteste war die des Josef
Laubenstein, die 1890 Gustav Klier gehört
hatte. Daneben gab es noch eine
Seiden- und Samtwarenfahrik J. F. A. van
der Becke und die Schafswoll-, Baumwoll- und Seidenweberei des Josef Ruprecht. Dieser
Erwerbszweig konnte sich aber nicht behaupten und verschwand noch vor dem
Ersten Weltkrieg aus der Gemeinde.
Durch
die Industrie kam Wohlstand in die Gemeinde.
Die Geschäfte gingen ausgezeichnet, und auch die Bauern konnten ihre
Erzeugnisse gut absetzen. Es setzte
auch eine rege Bautätigkeit ein. So
wurden in dieser Zeit das „Messendörfel“ und das „Nazseffdörfel“ und
noch viele andere Häuser gebaut. 1912
bis 1913 wurde die Firma Wolf & Sohn wesentlich vergrößert.
Alle Betriebe hatten einen guten Geschäftsgang zu verzeichnen.
Vom
Jahre 1912 an wurde Peterswald vom Elektrizitätswerk in Pirna mit elektrischem
Strom versorgt, der nicht nur der heimischen Industrie zunutze kam, welche ihre
Maschinen mit Wasser- oder Dampfkraft in Bewegung setzen mußten und nun mit
Elektromotoren leistungsfähiger arbeiten konnten; der fünf Kilometer lange Ort
erhielt auch eine Straßenbeleuchtung.
Ein
Nachteil für die Industrie in Peterswald war die weite Entfernung von den
Bahnstationen Königswald und Tellnitz auf böhmischer und Gottleuba auf sächsischer
Seite. Im Jahre 1891 trat in Aussig
ein Ausschuß zusammen, der eine Bahnverbindung zwischen Aussig und dem
Erzgebirge zustande bringen wollte. 1893
wurde das Bahnprojekt vom Ministerium in Wien genehmigt, doch scheiterte der
Plan an der Weigerung der sächsischen Regierung, die Verlängerung der
Bahnlinie von Peterswald nach Gottleuba oder Langhennersdorf zu gestatten.
Zu den Männern, die sich um das Zustandekommen einer Bahnverbindung
mit Aussig bemühten, gehörte auch Franz
Fejfar. Durch die „Kaiserstraße“ war die Verbindung nach
Teplitz fast günstiger als mit Aussig. Besser
wurde es, als die elektrische Straßenbahn im Jahre 1912 nach Tellnitz
ausgebaut wurde.
Die
Auswirkungen des Ersten Weltkrieges von
1914 bis 1918 waren in Peterswald nicht weniger spürbar als in anderen Orten.
Weil die Industrie zumeist auf den Export angewiesen war und der Krieg
diese Handelsbeziehungen zerriß, ließ die Produktion beachtlich nach.
Arbeitskräfte wurden zu den Waffen einberufen, Materialschwierigkeiten
traten ein, Betriebe kamen zum Stillstand, Angestellte und Arbeiter verloren
ihre Posten. Auch der Gewerbestand
kam in Not, da der Bedarf allerorts eingeschränkt wurde. Nach und nach gab es Lebensmittel und Bedarfsgegenstände
nur mehr auf Karten, und im Jahre 1917 war die allgemeine Not besonders groß.
Besonders schmerzlich waren die Blutopfer.
Der Erste Weltkrieg forderte in Peterswald 98 Opfer, für die auf dem
Rathausplatz an Stelle eines früheren Kriegerdenkmals ein Gedenkstein errichtet
wurde.
Nach
dem Ersten Weltkrieg ging die Industrie in Peterswald stark zurück.
Auch die Bevölkerung nahm ab, weil viele gezwungen waren, außerhalb des
Ortes Arbeit zu finden. Schuhösen
und Druckknöpfe wurden an anderen Orten in großen Betrieben auf Automaten
hergestellt. Die übrigen Artikel fanden keinen ausreichenden Absatz.
Das Aufkommen von Zelluloidknöpfen und Filigranknöpfen brachte etwas
neuen Aufschwung in die Industrie. Gut
wurde es aber erst wieder, als man daranging, Reißverschlüsse zu erzeugen.
Hans Dittmeyer führte
den Reißverschluß in Peterswald ein. Die
Firma Dittmeyer entwickelte sich zum größten Betrieb im Orte.
Weitere Fabriken, die sich mit Reißverschlußerzeugung befaßten, waren Franz
Löbel (Nr. 260), Franz Schönbach,
August Haase, Wenzel Wolf, Josef Haase, August Wolf und Sohn, C. Kühnel, Josef
Krahl, Julius Rauchfuss, Karl Kühnel (Nr. 61), Gustav Körtel, Rudolf Püschel, Franz Haase, Hoffmann in
Hungertuch und Fritsche in Neuhof.
Die Leut’ sein wie die Narren, manchmal sehr unerfahren.
Fragt man, wo wollt ihr hin, kann man gleich Antwort
kriegen.
Alles fängt an zu schrei’n, wir sind beim Budverein.
Das ist ein Hasten und ein Treiben, ein Laufen und
Zurückbleiben.
Die eine macht beim Bäcker 'rein, die and're kauft beim
Fleischer ein.
Die fünfte nimmt sich für'n Appetit noch etwas in die
Tasche mit.
Doch um 1/2 achte geht es los, oben beim
Reißverschluß.
Was ist das für ein Ding, das ich dem Liede bring’?
Ich selbst hab' es noch nicht geseh’n, ich konnte noch
nicht hingehn.
Ich will's euch kurz erklären, natürlich nur vom Hören.
Denn es darf ja niemand 'nein, beim Budverein.
Es sollen schmale Bänder sein, die Haken, die sind winzig
klein.
Die werden von den Mädchen aufgesteckt, mit dem Automaten zusammengedrückt.
In die Mitte kommt ein Schieber 'rein, dann packt man es
recht sauber ein.
Die Ware geht en gros, fertig ist der Reißverschluß.
Was hat der für einen Zweck? Die Knöpfe fallen
weg.
Die braucht man jetzt nicht mehr, ist quasi auch kein
Malheur.
Einst mit der Knöppelei, man wurde ganz nervös dabei.
Das Patent ist wirklich fein, vom Budverein.
ob an Hose oder Schuh, schiebt man's rauf, ist's wieder
zu.
Ist sehr leicht und geht geschwind, begreiflich für ein
jedes Kind.
Die Sache geht famos, mit dem Reißverschluß.
Solltet nur die Damen sehn, wie sie zur Arbeit gehn,
Florstrümpfe und Lackschuh, dann Bubikopf dazu.
Bis über die Knie ein Kleid, vorn ausgeschnitten weit.
Man merkt das gleich: die sind beim Budverein.
Unter dem Arm eine Aktentasche, rasen sie 'rum auf der
Straße.
Sehen keinen Burschen an, weil sie sehr verdienen tun.
Doch wir machen uns nichts d’raus, lachen sie ja
heimlich aus.
Weil jeder wissen muß, das macht der Reißverschluß.
Kommt man mal zum Friseur und denkt, ist alles leer,
da hat man sich geirrt, derweil ist's überfüllt.
Die holde Weiblichkeit ist stark vertreten heut.
Ein Stuhl muß stets sein frei für die vom Budverein.
Die eine läßt sich ondolieren, die and're wieder
ausrasieren,
die junge Dame in der Mitt', die möchte wieder
Herrenschnitt.
Da wird gepinselt und gelacht, bis der Laden zugemacht.
Das Geschäft geht tadellos, das macht nur der Reißverschluß.
Wurde früher mal gefreit, das dauerte ein lange Zeit
bis man mitging ins Haus. Doch heute schaut es anders aus
Die Zeiten sind vorbei mit der langen Liebelei.
Das Mädchen sagt, komm ‘rein, denn ich bin beim Budverein.
Da wird geliebstert und gelacht, bis die Mutter ist
erwacht,
sie spricht: Jetzt will ich meine Ruh und macht die Türe
wieder zu.
Das Mädchen sagt: Wir sind allein, laß uns einmal glücklich sein.
Und gib mir einen Kuß.
Ich zeig dir auch den Reißverschluß.
Das ganze Kinzelhaus, das wurde umgebaut.
Wer hätte das gedacht, was da alles wurde gemacht.
Der Hof wurde planiert, die Bäume renoviert.
Es ist alles tipp-topp fein beim Budverein.
Eine Garage wurde auch gebaut, daß niemand mehr die Räder
klaut.
Die Schlosser stellen ihren Mann, die meisten kommen mit
Motorrad an.
Es wird nicht lange dauern mehr, kommen sie mit dem Äroplan daher.
Und niemand läuft dann mehr zu Fuß bei diesem Reißverschluß.
Doch jetzt ist höchste Zeit, daß ich aufhöre heut.
Allein mit dem Patent hat es jetzt ein End,
man hörte unlängst schon, daß auch andere angefangen
hon.
Sie bau'n dasselbe ein, wie beim Budverein.
Nun wollen wir mal sehn, ob es bei anderen auch wird gehn.
Ich glaub, sie wollen dieselben Sachen, ohne Maschinen
auch so machen.
Mir geht es gar nichts an, doch reden kann man.
Schließlich wird man noch konfus vor lauter Reißverschluß.
(
Autor unbekannt )
Infolge
der Wirtschaftskrise der Jahre 1929 bis 1932/33 mußten mehrere Unternehmungen
ihren Betrieb einstellen, so Anton Kühnel,
Wenzel Wolf, Franz Schönbach, Kurt Hoffmann.
Mehrere Betriebe waren stark verschuldet. Dadurch wurde der Spar- und Vorschußkassenverein in
Mitleidenschaft gezogen, der zahlungsunfähig wurde und im Jahre 1935 die
Schalter schließen mußte. Die
Einleger mußten auf einen beachtlichen Teil ihrer Ersparnisse verzichten, und
die Anteilsbesitzer, vor allem die Vorstandsmitglieder, mußten Zuschuß
leisten. Dadurch entstand viel
wirtschaftlicher Schaden in Peterswald. Die
örtliche Geldanstalt wurde eine Filiale der Prager Allgemeinen
Volkskreditanstalt.
Nach
dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) waren in Nollendorf von 35 existierenden
Bauernhöfen nur noch 16 bewohnt. Im
Jahre 1787 aber waren bereits 72 Häuser und 1880 sogar 96 Häuser bewohnt.
Mit dem Anwachsen der Population wurde
der Ackerboden bald knapp. Nur
etwa ein Viertel der Bevölkerung konnte von der Landwirtschaft leben, die übrigen
mußten mit anderer Arbeit ihr Auskommen suchen.
Zum Beispiel fertigten Nollendorfer Bewohner viele Gegenstände für den
täglichen Bedarf aus Holz und Stroh an und verkauften sie in der Umgebung durch
„Hausieren“. Auch wurde viel
gestrickt. Die meisten dieser
Erzeugnisse wurden nach auswärts verkauft.
Im Sommer waren die Männer mit Brigaden als Maurer, Zimmerleute und
Dachdecker unterwegs und verdienten oft weitab von zu Hause ihr Brot.
Es gab aber auch Köhler, Schnallen- und Knöpfemacher, Steinmetze, Färber,
Müller, Bäcker, Schankwirte, Fuhrleute, Heu-, Getreide- und Hopfenhändler.
Dabei sei aber nicht verschwiegen, daß es in Nollendorf auch Wilddiebe
und Pascher (Schmuggler) gab. Sogar
einen „Pascherkönig“ hatte Nollendorf einmal.
In
Nollendorf wohnten um 1860 etwa 700 Menschen, 1880 waren es nur noch 454.
Der Grund des Niederganges seiner Bevölkerungszahl war die Abwanderung
vieler Nollendorfer in die aufkommende Industrie und in den Kohlebergbau nach
Aussig und Karbitz, aber auch nach Sachsen und bis nach Amerika wanderten
Nollendorfer aus. Mechanisierung
und Automatisierung während der industriellen Revolution hatten zur Folge, daß
viele Heimarbeiter arbeitslos wurden. Zur
gleichen Zeit entstanden in den Orten Peterswald, Tyssa und Königswald neue
Fabriken, die Arbeit boten. Auch in
Tetschen-Bodenbach und in Aussig fanden Nollendorfer ihre Arbeitsplätze.
Mehr
als Peterswald profitierte Nollendorf vom Tourismus. Im Jahre 1913 wurde vom Gebirgsverein Aussig auf der
Nollendorfer Höhe (701 m) aus Anlaß der Jahrhundertfeier der siegreichen
Schlachten in seiner Umgebung während der Befreiungskriege ein Aussichtsturm,
die „Kaiserwarte“, errichtet, der 1923 in „Karl-Weis-Warte“ umbenannt
wurde. Mit der Errichtung dieses
Turmes und des Baues der Straßenbahn von Aussig nach Tellnitz im Jahre 1912 war
Nollendorf ein neues Wanderziel der Aussiger geworden.
Der aufkommende Wintersport trug ebenfalls dazu bei, daß 1923 vom
Touristenverein „Die Naturfreunde“, Sektion Aussig, angeschlossen an den
„Verband Deutscher Jugendherbergen“, in Nollendorf Nr.42 das
„Naturfreundehaus Nollendorf“ eingerichtet wurde.
Fremdenverkehrswerbung
für Schönwald lautete in der Sudetendeutschen
Tageszeitung vom 17. August 1930 in der Abteilung „Deutsches Reisen –
Deutsches Wandern“ wie folgt: In
Wanderkreisen weniger bekannt, aber sehr besuchenswert ist der Sattelberg bei
Schönwald im Erzgebirge. Er erhebt
sich über die das Erzgebirge bildende Gneisscholle mäßig empor, trägt in
seinem oberen Teile eine Schicht Sandstein der zenomanen Ablagerung, die da
einige mächtige Wände und eine Höhle bildet.
An zwei Stellen wird der Sandstein von Basalt überragt, daher die
Sattelform und der Name des Berges. Die
Basaltmassen haben den Gneis an diesen Stellen zu einer Zeit durchbrochen, als
das Erzgebirge von Sand überlagert war. Die
Basaltdurchbrüche, die wie zwei mächtige Nägel in die Tiefe reichen, haben an
dieser Stelle den Sand vor der Abtragung durch das Wasser bewahrt und so in
ihrem Schutze erhalten. An den
meisten anderen Stellen ist der Sand aus dieser Gegend verschwunden.
Der Basalt ist am Sattelberg in schönen Kantsäulen abgesondert, die in
nordwestlicher Richtung liegen; er weist große Einwirkung auf die Magnetnadel
auf.
Der 719 m hohe Gipfel des Berges trägt auf einer
gemauerten Säule einen Fixpunkt für die Landesvermessung und ein altes
Steinkreuz. Die Aussicht ist gegen
Osten und Norden sehr umfassend und lohnend und reicht vom Zinkenstein über
Roll, Jeschken, Kleis, Kaltenberg, Kottmar, Tanzplan, Valtenberg, Sybillenstein,
Augustusberg, Dresden, Willisch, Luchsberg bis zum Geising.
Gegen Süden gestattet das Erzgebirge nur noch den Rundblick in die Nähe,
so nach Streckenwald, Mückentürmchen, Vorder- und Hinterzinnwald.
Der Berg läßt sich von Schönwald, Peterswald, ebenso von Sachsen her
leicht erreichen. Der
Pflanzenfreund wird mancherlei Anziehendes, so unter anderem den nordischen
Streifenfarn und die Waldplatterbse finden.
Sagenumwoben
war er, unser Spitz- oder Sattelberg. Eine
Sage berichtet von seiner Entstehung: Vor vielen, vielen Jahren, als noch mächtiger
Urwald die hiesige Gegend bedeckte und Bären, Wölfe und wilde Eber im Walde
hausten, hatte eine böse Hexe nächst der Geiersburg bei Mariaschein ihren
Wohnsitz. Ihr stetes Sinnen und
Trachten war es, ihren Mitmenschen Schaden und Unglück zu bringen.
Im Bunde mit dem Bösen, dem Teufel, erschien sie stets in anderen
Gestalten, um sich den Menschen unauffällig zu nähern.
Einst hatte sie es auch auf einen jungen, schönen Rittersmann abgesehen.
Auf Schritt und Tritt verfolgte sie ihn.
Er aber war schlau genug, immer wieder ihren gefährlichen Nachstellungen
zu entgehen. Es jagte einst der Ritter mit seinem Knappen im weiten
Forste. Ermüdet vom anstrengenden
Jagen stieg er vom Pferde, um kurze Zeit der erquickenden Ruhe zu pflegen.
Das Pferd hatte er abseits an einen Baum gebunden.
Nach beendeter Ruhe bestieg er sein Tier.
Plötzlich erhob sich dasselbe in die Luft, wurde immer größer und größer
und trug den Ritter in sausendem Flug mit Windeseile davon.
Als der Rittersmann zur Besinnung gekommen war, nahm er sein geweihtes
Schwert und hieb dem Pferde den Kopf ab. Unter
Blitz und Donner verschwand der Spuk. Etwas unsanft, aber glücklich gelangte der Ritter zur Erde.
Das Pferd war verschwunden, aber der riesige Sattel erstarrte zu
Felsgestein und blieb im Gelände auf einer Anhöhe liegen.
So entstand der jetzige Sattelberg.
Eine
andere Sage berichtet von einem Schatz, der seit undenklichen Zeiten im
Spitzberg vergraben lag. Ihn
bewachte stets ein langbärtiger Zwerg. Nur
ein unschuldiger Mensch, der immer fromm und gut war, konnte ihn heben.
Er mußte am Karfreitag frühmorgens vor Sonnenaufgang auf den Berg
gehen. Ein blaues Flämmchen zeigte
ihm den Platz, wo der Schatz vergraben war.
Eine
dritte Sage wußte von einer vergrabenen Kriegskasse zu erzählen.
Nach der Schlacht bei Kulm im Jahre 1813 trieben sich versprengte
Soldaten auch in der Peterswald-Schönwalder Gegend umher.
Beim Spitzberg auf der großen Steinwiese lagerten sie mit einer
Kriegskasse. Aus zusammengeholten
Eiern hatten sie sich ein gutes Essen bereitet.
Jetzt wurden sie übermütig. Sie
legten die noch übrigen Eier auf der Wiese umher und ritten mit ihren Pferden
darin herum. Da stürzte ihr Anführer
vom Pferde und fiel der Länge nach in den breitgelaufenen Eierbrei. Greulich fluchend verwünschte er alle Eier der Welt.
Plötzlich erschien unter Blitz und Krachen der Geist des Berges.
Mit Donnerstimme verwies er ihnen ihr sündhaftes Treiben, nahm ihnen die
Kriegskasse weg und ließ diese im Berge verschwinden.
In Zukunft soll diese Kasse erst wieder „ein unschuldiger Mensch, der
am Fronleichnamstag während des Umzuges zwei Mandeln Eier auf den Berg trägt,
ohne sich auf dem Wege umzusehen, heben können.“ Dabei muß er einen frommen
Spruch hersagen.
Eine
vierte Sage erzählt von einer Braupfanne mit viel Gold, Silber und Edelgestein,
die im Spitzberg vergraben liegt. Nur
alle sieben Jahre einmal öffnet sich der Berg, und man kann sich der
Herrlichkeit ergötzen. Wer am
Palmsonntag, während in der Kirche die Passion gesungen wird, gerade dazukommt,
kann hineingehen und von den Schätzen nehmen.
Er muß aber schnell sein. Denn
wenn die Passion zu Ende ist, schließt sich der Berg wieder.
Ist dann noch jemand drin, muß er sieben Jahre lang im Berg bleiben und
den Zwergen dienen.
In
den Jahren von 1860 bis etwa 1890 war im Aussiger Erzgebirge das Strohflechten
eine Beschäftigung und eine Verdienstmöglichkeit für jung und alt.
Sowohl Kinder, mitunter schon im Alter von fünf Jahren, als auch Leute
im Greisenalter knickten ungleich schnell die Strohhälmchen, die sie für
kargen Lohn zu Geflecht vereinigten. Man
flocht am Tage und abends bei Spanlicht. Für
Kinder war der schulfreie Nachmittag keine Freizeit, sie mußten da eifrig
flechten. Selbst in der Schule
wurde während der Mittagspause von den dagebliebenen Kindern geflochten.
Von den Eltern bekamen sie aufgetragen, wieviel Geflechte sie fertig
bringen mußten.
Es
gab Weizen- und Reisstrohgeflecht, aus dem die besseren Hüte gefertigt wurden.
Auch aus Holzbaststreifenhalmen stellte man Geflecht her.
Zuerst mußte das Flechtstroh vorbereitet werden.
Dazu wurde das Stroh geschnitten und die Knoten aus den Halmen entfernt.
Danach wurde es geschwefelt, aufgeschnitten und mit dem Messer geschabt
(glatt gestrichen). Hierauf riß man die breit gestrichenen Hälmchen mit
sogenannten Reißern in gleichmäßige Streifen.
Nun erst konnte das Flechten beginnen.
Es
gab zehnhalmiges, elf- und vierzehnhalmiges Geflecht. Letzteres war am schwierigsten herzustellen.
Aus Geflechten, die aus unzerteilten Halmen bestanden, wurden die
billigsten Hüte erzeugt. Vielfach
lieferten Fabriken, vorwiegend aus der Rumburger Gegend, bereits vorbereitetes
flechtfertiges Material. Die feinen
11- und 14-teiligen Geflechte wurden besser bezahlt, beanspruchten aber mehr
Arbeitszeit. Das fertige Geflecht
wurde auf ein eine Doppelelle langes Brettchen aufgezogen, angespannt und dabei
geputzt. Dabei wurden die
vorstehenden Einsetzer und Reste abgeschnitten.
15 Doppelellen aufgewundenes
Material ergab eine Mandel. Eine
Mandel grobes Geflecht wurde mit 12 Kreuzern, eine Mandel feines Geflecht aber
mit 16 bis 18 Kreuzern entlohnt.
Um
besonders an den langen Winterabenden Licht zu sparen, ähnlich der Zeit der
Spinn- und Rockenstubenabende, kamen die Flechter abwechselnd gruppenweise in
benachbarten Häusern zusammen. Dabei
gab es Unterhaltung und Kurzweil. Meist
kamen Händler aus Zinnwald und kauften die fertige Ware. Dort war der Hauptplatz für diesen Handel.
Von
1860 bis 1885 stand in Streckenwald
auch der Flachshandel in Blüte. Damals
wurde auch in hiesiger Gegend noch viel Flachs angebaut. Man säte Leinsamen in Beeten aus. Wenn die Flachspflanze aufging, mußte das Flachsfeld gejätet
werden. Der reife Flachs wurde
ausgezogen (gerauft) und getrocknet. Danach
wurden die Halme durch Riffeln an eisernen Kämmen von den Samenkapseln, den
Knoten, befreit, auf einem Wiesenplatz geröstet und im Ofen gedörrt
(getrocknet). Sodann wurden die
Stengel auf Handbrechen gebrochen und auf der Hechel völlig von noch
anhaftenden Fasern befreit sowie in kleine Büschel gelegt, die später zu einem
größeren Bunde, dem sogenannten Kloben, vereinigt wurden.
So kam der Flachs an die Händler, die ihn in verschiedenen Ortschaften
sammelten und an die Großhändler abgaben, von wo aus er in die Spinnereien
geliefert wurde.
Zu
dieser Zeit gab es in Streckenwald etwa acht Flachshändler. Einer der größten war Josef
Rosenkranz (Nr. 93), späterhin Nr. 69, ein anderer Johann
Rosenkranz (Nr. 45). Als
Hauptkäufer galten die Gebrüder „Hahn“ aus Reischdorf bei Preßnitz im
Erzgebirge. Den Handel mit
Leinsamen zum Anbau betrieb Hermann
Rosenkranz (Nr. 17), das
sogenannte „Leinmannel“. Jener
Flachs, den man im Hause verarbeitete, wurde auf den Rocken gewickelt und auf
dem Spinnrad zu Garn gesponnen, das als Zwirn verwendet oder zu Leinwand gewebt
wurde. Heute baut man keinen Flachs
mehr an, und die jungen Leute kennen Flachs und Spinnrad nur noch vom Hörensagen.
Die Erfindung der Kunstseide verursachte den Niedergang des Flachshandels
im Erzgebirge.
Eine
gute Erwerbsquelle in Streckenwald war der Handel mit Borstenvieh (Schweinen).
Die Händler kauften diese Tiere zumeist in Leitmeritz auf dem
Wochenmarkt von den aus den tschechischen Dörfern bei Theresienstadt kommenden
Züchtern. Die größeren Tiere (Läufer)
trieb man in kleinen Herden über Aussig, Kninitz und Nollendorf nach
Streckenwald. Schon unterwegs
wurden viele derselben in den Durchgangsorten abgesetzt, die übrigen in den
angrenzenden sächsischen Dörfern verkauft. Die kleineren Tiere und die Ferkel (Jungschweine) kamen in
eigens dazu angefertigte Transportkörbe, die mit einem Gitterdeckel zugedeckt
wurden. Kleinere Händler führten
ihr Ware mit dem Handstoßwagen nach Hause, größere hatten dazu einen mit
einem Pferde bespannten, ungefederten Steierwagen.
Es gab Händler, die nur wenige Ferkel kauften und diese in einem Sack,
der über die Schultern hing, beförderten.
Größere Händler bezogen ihre Borstentiere auch aus Mähren und
Galizien. In den 1880er Jahren
besuchte ein Streckenwalder Vater seinen Sohn in Banjaluka in Bosnien, der dort
als Soldat diente. Es bot sich ihm
dort die Gelegenheit, Schweine billig
einzukaufen und mit der Eisenbahn zu transportieren.
Er soll kein schlechtes Geschäft gemacht haben, da er erstaunlich billig
einkaufen konnte. Manche Händler
fuhren nach Berlin, kauften galizische und ungarische Ware und vertrieben sie
von hier aus nach nah und fern. Im
großen und ganzen betrieben in den 1860er bis 1880er Jahren den
Borstenviehhandel: Anton Gröschel (Nr.
21), Anselm Gröschel (Nr. 80), Karl
Rosenkranz (Nr. 78), Anton Kühnel (Nr.
22) und andere mehr. In den 1890er
Jahren und späterhin betrieben ungefähr 14 bis 16 Händler dieses Geschäft.
Seither ist der Handel zurückgegangen.
Der Weltkrieg hat diesen Erwerbszweig ebenfalls beeinträchtigt.
Der
Handel mit Wacholdersaft wurde in Streckenwald ehedem meist von Frauen
betrieben. Seit Rückgang des
Borstenviehhandels betrieben ihn auch Männer.
Diese Händler verschleißten Wacholdersaft und andere Heilsäfte.
Zumeist wurde der Saft aus den Siedereien in Eulau und Bodenbach bezogen.
Die alten Geschäftsleute verzapften die Ware direkt vom Faß, das auf
einem hölzernen Traggestell, auch Kraxer oder Guge genannt, stand. Die Händlerinnen stellten das Fassel in den Rückenkorb
(Buckelkorb). Die Guge wurde mit
Wachstuch verdeckt, das über den Korb gebunden wurde. Später hat der Rucksack die Guge und zum Teil auch den Korb
verdrängt. Vor dem Ersten
Weltkrieg erstreckte sich der Handel namentlich auf Deutschland, im Osten bis
Schlesien und Ostpreußen sowie nach Westen bis ins Ruhrgebiet. Den besten Verdienst hatten früher die in Deutschland
hausierenden Geschäftsleute. Nach
dem Kriege mußten die Händler zumeist im Inland Handel treiben.
Nicht
nur “ausgeführt” wurden lokale Erzeugnisse, sondern benötigte Rohstoffe,
zum Beispiel Ruß, mußten aus anderen Ländereien hergeschafft werden.
Vor dem Ende des 19. Jahrhunderts, bevor synthetische Fettstoffe und
Farben erhältlich wurden, brauchte man Ruß in
jedem Haushalt. Er
wurde zur Bereitung der Stiefelschmiere verwendet, die man aus Fett oder
Rindertalg, mit Fischtran verbessert, herstellte und mit gut hinein gerührtem
Ruß schwarz färbte. Die teerigen
Bestandteile des Rußes verhinderten das Naßwerden des Leders.
Die Knechte benützten ein ähnliches Gemenge, um die Riemen und
anderes Lederzeug der Pferdegeschirre in Ordnung zu halten. Des weiteren brauchte man Ruß zur Herstellung von Ölfarbe
und schwarzem Lack. Die im Gebirge
beliebten Räucherkerzen, die durch ihre Kegelform auffielen, wurden mit
Zuhilfenahme von Ruß hergestellt. Wenn
im Frühjahr die Stuben und das Äußere des Hauses frisch geweißt worden
waren, wurde stets ein grauer Sockel angesetzt.
Die beste und dauerhafteste Farbe dafür erhielt man, wenn die Kalkmilch
mit Ruß verrührt wurde. Dies war
eine Lieblingsbeschäftigung auch der Kinder.
Es gab manche Gelegenheit, bei denen sich die Burschen und Mädchen
Gesicht und Hände damit beschmierten. Auf
dieselbe Weise spielte der Ruß eine lebenswichtige Rolle der Tarnung für
Pascher und Wilddiebe.
Zum
Verkauf des Rußes durchwanderten gelegentlich armselige Menschen die Ortschaften
unseres Erz- und Mittelgebirges. Oftmals
kamen sie auch in die Städte unserer Heimat, um ihren Ruß zu verkaufen.
Sie kamen im Sturm des Herbstes, im Frost des Winters und in der Hitze
des Sommers in zerlumpten, beschmierten Kleidern, überall von Hunden angebellt
und von den Dorfpolizisten und den Grenzwächtern des Schmuggels verdächtigt. Während andere wandernde Händler, die Spitzenweiber und die
Bändelmänner zum Beispiel, alleweil
freundliche Gesichter machten und ihren Kram mit schönen Worten und spaßigen
Bemerkungen anboten, gingen die Rußbuttenleute ziemlich wortkarg durchs Dorf
und sagten ihr “Braucht’s an Ruß?” eintönig und unfreundlich daher.
Müde und stumpf setzten sie ihre Holzkraxen nieder, nahmen einen Arm
voll Butteln, und gingen damit in der Nachbarschaft hausieren.
Ihr gedrücktes Wesen und schlechtes Aussehen rührte nicht allein von
der Last her, die sie trugen, denn Ruß geht nur wenig ins Gewicht.
Es war ihre karge Ernährung, der sie frönten.
Ihre Mahlzeiten bestanden fast durchwegs nur aus Brot und Wasser; Wenn
ihnen einmal jemand einen Topf Suppe oder Kaffee mitleidig reichte, so war das
ein Festschmaus für die Armen. Ihre
Nachtruhe hielten sie in den Pferdeställen der Gasthäuser.
War ihr Vorrat an Ruß verkauft, dann verschwanden sie aus der Gegend und
kamen erst nach längerer Zeit wieder.
Die
Rußbuttenleute waren nicht die Erzeuger des Rußes sondern bloß seine Verkäufer.
Sie stammten aus Wallesgrün bei Jechnitz und aus der Falkenauer Gegend.
Ein Unternehmer, der den Ruß brannte, war zum. Beispiel David Stark bei Falkenau, der sich später dem
Bergbau widmete, nach Pilsen zog und ein großes Vermögen hinterlassen haben
soll. Erzeugt wurde der Ruß in den
Rußhütten. Sie standen, ähnlich
wie unsere bekannten Dörrhäuschen etwas abseits vom Dorf, an einem Feldweg
oder am Rand des Waldes. Die Hütte
war gewöhnlich ein Fachwerkbau, hatte eine Tür und zwei fensterartige Öffnungen,
die durch Holzläden verschlossen werden konnten.
Im Hüttenraum stand der Rußofen. Das
war ein ziemlich langer, aus dem Erdboden aufgemauerter Kanal von einem Meter im
Durchmesser. Vorn lag die Feuerung.
Am hinteren Ende bog der Kanal rechtwinkelig in die Höhe und mündete
schließlich in einen Kamin. Dessen
rückwärtiger Teil war die eigentliche Rußkammer.
Hier hing der Rucksack oder das Rußtuch, in welchem sich der Ruß
absetzte. Von Zeit zu Zeit wurde er
mit einer Rute abgeklopft und unten durch ein im Kanal angebrachtes Türchen
herausgenommen. Verbrannt wurde
meist Kienholz (Kieferholz), aber auch Rinde.
Das Feuer durfte jedoch nie hell brennen, sondern nur schwelen oder eine
schmauchende Flamme haben. Gewöhnlich
wurde nur im Winter gearbeitet. Dann
verbrannte man das im Sommer herbeigeschleppte Holz, das fein neben der Hütte
aufgeschichtet wurde. Diese kleinen
Betriebe sind seit langem verschwunden, nur einzelne Flurnamen wie “Bei der
Rußhütten” oder “Rußhüttenweg” erinnern an das alte Gewerbe.
Der
Name Rußbutten kommt davon her, daß die Ware in sogenannten “Butteln”
zum Verkauf gebracht wurde n. So
eine Buttel bestand aus sechs zusammengelegten Fichtenholzspänen, die von dünnen
Holzstreifen zusammengehalten und an beiden Enden durch Deckeichen
verschlossen wurden. Davon gab es
zwei Größen. Die eine Sorte war
dreißig bis fünfunddreißig Zentimeter lang und maß zehn Zentimeter im
Durchmesser. Die zweite war annähernd
zwanzig Zentimeter lang, bei einem mittleren Durchmesser von fünf
Zentimetern. Ein Stück kostete
zwei bis drei Kronen.
Die
im Grenzgebiet herumziehenden Rußbuttenmänner und -frauen wurden von den
Finanzern und Grenzwächtern immer mit Mißtrauen angesehen.
Das war nicht unberechtigt, wie folgender Vorfall beweist: Eine Frau
hatte gehört, daß im Unterdorf Peterswalds, nahe der Grenze, Rußbuttenleute
waren und schickte, weil sie gerade Bedarf für Ruß hatte, ihren Buben dorthin,
um schnell ein halbes Dutzend Butteln zu holen.
Der Junge rannte zu den Männern, verlangte eilig die Butteln, zahlte
und erhielt sie und trabte heim. Die
Frau nahm das erste der Spankörbchen, schlug den Deckel auf und klopfte und schüttelte,
aber es kam kein Ruß heraus. Ärgerlich
über den vermeinten Betrug griff sie mit den Fingern hinein und zog ein
zusammengerolltes, fein säuberlich verpacktes Stück Seidenstoff heraus, das
ganz gewiß nicht für die Rußkäufer bestimmt war.
1 Rudolf Püschel,
Anfang und
Ende einer deutsch-böhmischen Heimat, © 2000, ISBN 0-9663968-3-9.