Schule

Wie alt die Peterswalder Schule ist, wird man wohl nie einwandfrei ermittelt können.  Wohl führt der Gemeindesekretär Klinger in seinen Historischen Daten von Peterswald an, daß ein Jakob Püschel der erste Schulmeister von Peterswald gewesen sei.  Nach Aufzeichnungen in Schönwalder Matriken und Dekreten dürfte er von 1656 bis 1671/72 als Schulmeister in Peterswald gewirkt haben.  Dem im folgenden zitierten Erbverkauf nach dürfte aber schon vor 1608 eine Schule in Peterswald bestanden haben, denn 225 Thaler haben obenannte Gemeindeälteste wegen des neuen Schulgutes ... niedergelegtWenn in diesem Schriftstück von einem neuen Schulgut die Rede ist, so wird es vermutlich auch ein altes gegeben haben.  Eine Schule besaß Peterswald schon 1577.  Der in diesem Jahre genannte Schulmeister, Georg Pretschendorf, wirkte hier bis 1586.  Dann übersiedelte er nach Schönwald.  Sein Nachfolger war Johann Grahl bis 1594, bevor er Schankwirt im Gasthaus Untere Schenke wurde.  Im Jahre 1598 wird Kaspar Heide als Schulmeister genannt.

Die Schule blieb 1784, als Peterswald zur eigenständigen Pfarrei erhoben wurde, weiter unter dem Patronat des Schönwalder Herrschaftsbesitzers.  1607 wurde für die schon lange Zeit bestehende Schule ein eigenes Schulgut zum besseren Unterhalt des Lehrers von der Gemeinde Peterswald gekauft.  Die diesbezügliche Kaufurkunde hat folgenden Wortlaut: 

Erbverkauf einer Gemeinde zu Peterswald und Melchior Pergelts Guth, so itzo zum Schulguth geschlagen.

Heute dato den 30. August 1607 ist an kräftiger Gerichtsstelle bei nüchterner Weise ein aufrichtiger, redlicher und unwiderruflicher Erbkauf zwischen dem Gemeindeältesten Lorenz Werner, Jakob Klement, Jakob Hofer, Nickel Heine, Käufer, wegen einer ganzen Gemeinde an einen und Melchior Pergelt, Verkäufer, anderen Theiles abgehandelt und geschlossen worden, dargestalten und inmaßen, wie folgt: Es verkauft Melchior Pergelt sein Guth, welches zwischen dem Pfarrguth und Hans Rautenstrauchs Guth, von ein Viertel Acker in seinen Rainen und Steinen gelegen und begriffen. Erdt, nagel- und niedfest, gemelten Gemeindeältesten zu einem Schulguth zur besseren Unterhaltung eines Schuldieners und kaufweise zukommen lassen und Zweihundert und fünf und zwanzig Thaler bahres Geldt, und darneben die alten Erbnehmer richtig auszubezahlen, nach Laut des Gerichtsbuches, welche jährlich mit 6 Thalern abgelegt werden, Anfahende Pfingsten des 1608 Jahres bis zur endlichen Ausbezahlung der alten Erbschuld.

Hierbei auch vermerket, weil das Guth sonsten der Herrschaft keinen Erbzins weder an Geld, Hünnern oder anderen gegeben, sondern dem Pfarrer zinset, ist es also noch dabei verblieben und zinsfrei zum Schulguth eingeräumt worden. Welcher Kauf von beiden Theilen also verabredet und beschlossen in Gegenwart Richter und Geschworenen im Jahre und Tage wie oben.

Bezahlung dieses Guthes.

225 Thaler haben obenannte Gemeindeältesten wegen des neuen Schulguthes in den Gerichte gebührlich und niedergelegt, welches Melchior Pergelt wegen seines verkauften Guthes baar empfangen, Pfingsten anno 1608.

Verzicht.

Und weil demnach Melchior Pergelt seine vollständige Bezahlung der 225 Thaler bekommen, und richtig ausbezahlt worden in maßen ers vor Gericht bekenntlichen ausgesaget, als hat er in solch einer ganzen Gemeinde verkauft Guth eine vollständige landesbriefliche Verzicht gethan, vor sich, seine Erben, Erbnehmer und Nachkommen, darinnen nichts mehr zu fordern, noch zu nehmen, es fiele denn an ihn in anderen Wege und Stege. Gescheen vor Richter und Geschworenen Schöppen, itzo anhero, verschrieben worden, den 8ten Juli anno 1616.

Nota.

Was die alten Erbnehmer anbelangen thut müssen dieselben vermöge Pergelts Erbkauf vollends ausbezahlt werden.

Vidi supra Folio 397.

Vorstehende Abschrift ist einer Eintragung der Peterswalder Schulchronik entnommen.  Eine gleichlautende Abschrift hat der verstorbene Gemeindesekretär August Klinger hinterlassen. Auf der Rubrumseite steht die Anmerkung: Abschrift Akt an H.k.k. Landesschulrat beigelegt.

In einer armen Gebirgsgemeinde wie Peterswald mußte sich ein Lehrer oft mit mehr als hundert Kindern abmühen.  Im Jahre 1790 zählte die Schule in Peterswald 155 schulpflichtige Kinder, weshalb der Lehrer gelegentlich einen Gehilfen erhielt.  Von den schulpflichtigen Kindern aber besuchten nur 39 Prozent die Schule regelmäßig, die meisten nur gelegentlich, während sechs Prozent überhaupt nicht zum Unterricht erschienen.  Die Erziehungsberechtigten von 33 Prozent der Kinder vermochten nicht, das Schulgeld zu entrichten, das für die Unterstufe einen Kreuzer, für die mittlere Stufe eineinhalb Kreuzer und für die Oberstufe zwei Kreuzer pro Woche betrug.  Der Lehrer hatte Mühe, diese Kreuzer am Ende der Woche einzusammeln.  Bis in die Zeiten Kaiser Josefs II. hatte der Schulmeister auch das Wetterläuten zu besorgen.

Peterswald hatte bis zum Jahre 1834 nur einen Lehrer.  Die Schülerzahl hatte sich aber bis zu diesem Jahre sehr stark vermehrt, so daß der Lehrer gezwungen war, vom Februar 1834 an nur Halbtagsunterricht zu erteilen.  Danach wurde noch im gleichen Jahre ein Schulgehilfe permanent angestellt, so daß von da an die Schule in Peterswald als zweiklassig angesehen werden kann.  Vom Jahre 1835 an zeigen die Eintragungen des bis zum Jahre 1826 zurückreichenden Ehrenbuches zweierlei Schrift.

Johann Georg Hampe, Sohn des Johann Michel Hampe, hatte sich bereits 1771 um die Schulmeisterstelle in Peterswald beworben.  Er erhielt sie etwa im Jahre 1785 und hatte sie bis 1802 inne.  Sein Nachfolger als Schullehrer wurde im Jahre 1802 sein Sohn Augustin Hampe.  Dessen Anstellungsdekret lautete: Von der Herrschaft Schönwälder Grundobrigkeit wird auf bittliches Anersuchen des Peterswälder Schullehrers und der Peterswälder Gerichten in Vertretung dieser Gemeinde dem Augustin Hampe, nachdem er durch anderthalbjährige Substitution seines alten Vaters den Lehrdienst bereits mit Genehmigung und zur Zufriedenheit des Leitmeritzer Kreisschulkommissärs, des dortigen Seelsorgers und der ganzen Gemeinde versehen hat und infolge des vom Kreisamte ihm erteilten Lehrfähigkeitszeugnisses der Peterswalder Schuldienst gegen dem verliehen, daß er sich in seiner Lehrart nach den bestehenden allerhöchsten Normalien zu benehmen habe und es sich bestens angelegen sein lasse, die unterhabende Schuljugend in der alles beglückenden Religion und in denen anderen vorschriftsmäßigen Kenntnissen mit allem Fleiße zu unterrichten, sie zur Gottesfurcht und Arbeitsamkeit anzuhalten und seine Zöglinge zu wohlgesitteten und treuen Untertanen zu bilden.

Zudem wurde Augustin Hampe angewiesen, von seinem Gehalt auch für seinen betagten Vater zu sorgen.  Von 1804 bis 1806 wirkte als Schullehrer in Peterswald Franz Josef Klaus, gebürtiger Schönwalder.  Sein Nachfolger, Josef Mirsch, hatte noch 1805 für die Witwe des alten Lehrers zu sorgen, welche Verpflichtung schon sein Vorgänger übernommen hatte.  Als Präzeptor stand ihm um 1820 Bernhard Eichler aus Sobochleben zur Seite.  Als Mirsch im Jahre 1834 wegen seines vorgerückten Alters den Schuldienst nicht mehr ganz versehen konnte, versetzte ihn die Behörde in den Defizientenstand (teilweisen Ruhestand).  Die Unterrichtserteilung wurde ihm untersagt, aber den Chor und Mesnerdienst durfte er weiter versehen.

Die Leitung der nunmehr zweiklassig gewordenen Schule übernahm der bestellte Schulprovisor und bisherige Hilfslehrer Augustin Michel, geboren 1804.  Von der Gemeinde wurde ein Lehrzimmer für die zweite Klasse zur Verfügung gestellt und für dessen Beheizung gesorgt.  Im Jahre 1844 mußte die alte Schule, ein einfacher Lehmfachwerkbau mit Strohdach, abgetragen werden.  An ihrer Stelle entstand ein Steinbau mit Ziegeldach.  Am 15. Oktober 1844 wurde das neue Schulhaus durch den bischöflichen Vikar P. Kaufold aus Groß-Tschochau eingeweiht.  Die Schule enthielt im ersten Stock zwei große Lehrzimmer.  Ebenerdig war die Lehrerwohnung mit einem Zimmer für den Hilfslehrer.  Eine neue Scheuer für das Schulgut erbaute die Gemeinde 1861.

Da der Ort expandierte und sich die Kinderzahl dabei erhöhte, boten die beiden Schulzimmer, trotz des unregelmäßigen, besonders im Sommer durch Feldarbeit oft unterbrochenen Schulbesuches, nicht hinreichend Raum.  Es mußte für eine dritte Klasse gesorgt werden.  Sie wurde 1862/63 in der Kleiderablage des Gasthauses Zur Post untergebracht.  In dieser Garderobe wurde zwei Jahre unterrichtet.  Weil dieses Zimmer aber zu klein und nicht hell genug war, wurde im Haus Nr. 7, in der Kaserne, so genannt, weil dort ehedem die Finanzwache einkaserniert gewesen war, die Wohnung des Respizienten in ein großes Zimmer umgewandelt und als Lehrzimmer eingerichtet.  Dorthin wurde die dritte Klasse dann verlegt.

Am 1. Mai 1852 trat Franz Tischer sein Amt als Lehrer und Leiter der Pfarrschule an.  Als fleißiger Schulmann war er eifrig auf seine Fortbildung bedacht.  Im Jahre 1868 nahm er an einem landwirtschaftlichen Lehrgang an der Hochschule für Bodenkultur in Wien teil.  Im November 1870 wurde er Oberlehrer.  Er hatte durch Belehrung und Beispiel viel zur Verbesserung der Bienenzucht und des Obstanbaus in Peterswald beigetragen.  Seine Leistungen in der Kirchenmusik waren anerkennenswert.  Den Gesangserein „Liedertafel“ leitete er bis kurz vor seinem Ableben am 31. August 1886.

Nach wenigen Jahren, zum Teil als Folge des neuen Volksschulgesetzes aus dem Jahre 1869, das den Schulzwang einführte und die Schulzeit von bisher sechs auf acht Jahre ausdehnte, wurden auch drei Klassen unzureichend.  Mit dem Erlaß des Landesschulrates vom 31. Dezember 1876 wurde die dreiklassige Volksschule unter Systematisierung einer Unterlehrerstelle um eine vierte Klasse erweitert.  Tatsächlich war aber die Schule bereits im Jahre 1874/75 vierklassig eingerichtet, denn die Kataloge dieses Schuljahres sind für vier Klassen berechnet gewesen.  In der vierten Klasse haben alle drei Lehrer der Schule, nämlich Tischer, Warta und Kolouch, unterrichtet.  Offenbar gab es für die Schüler nicht hinreichend Raum in den drei Klassen.  Aus dieser Not machten die Lehrer eine Tugend, indem sie im edlen Eifer bereits 1874/75 die dreiklassige Schule in eine vierklassige, selbstverständlich ohne entsprechende Entlohnung für die damit verbundene Mehrarbeit, umwandelten.  1877 wurde an die im Jahre 1844 erbaute Schule ein Anbau angefügt.  Darin wurden die dritte und die vierte Klasse untergebracht.  Aber dieser Zustand währte nicht lange, denn bereits 1879 wurde die Schule fünfklassig.  Im alten Teil des Schulgebäudes befanden sich die erste und die zweite Klasse, im Hause Nr. 7 die dritte Klasse und in dem im Jahre 1877 vollzogenen Anbau die vierte und die fünfte Klasse.

Als nach wenigen Jahren die vierte Klasse mit mehr als 90 Kindern überfüllt war, wurde im Jahre 1886 mit dem Erlaß des Landesschulrates vom 21. Oktober die Errichtung einer Parallele zur vierten Klasse unter Systematisierung einer Lehrerstelle angeordnet.  Diese Parallele wurde am 1. Oktober 1887 eröffnet.  Da der für diese Klasse bestimmte Lehrer erst am 9. Januar 1888 eintraf, wurde in den beiden Parallelen der vierten Klasse Halbtagsunterricht erteilt.  Am 9. Januar 1888 übersiedelte die fünfte Klasse in den Amtsraum des Gemeindeamtes, während dieses in einen ebenerdigen Raum im Hause Nr. 7, in welchem einst die Peterswalder Sparkasse untergebracht war, umzog.  Seit der Existenz der Sparkasse in Nr. 7 wurde dieses Haus nicht nur „Kaserne“, sondern auch „alte Sparkasse“ genannt.  In der Zeit bis zum Ende der Ferien 1888 wurde aus dem Unterlehrerzimmer und dem Stall im alten Teil des Schulgebäudes ein Lehrzimmer errichtet, das von der Parallele der vierten Klasse bezogen wurde.

Diese Organisation, nämlich eine fünfklassige Schule mit einer Parallele zur vierten Klasse, wurde bis 1898 beibehalten.  Zu Beginn des Schuljahres 1898/99 wurde mit Erlaß des Landesschulrates vom 12. April 1898 eine provisorische Parallele zur fünften Klasse errichtet, so daß die Schule von diesem Jahre an fünfklassig mit zwei Parallelen war.  Die Parallele zur fünften Klasse wurde ins Erdgeschoß des Hauses Nr. 7 verlegt.  Dieses Lokal war jedoch als Lehrzimmer nicht geeignet, weil es zu klein, düster und feucht war.  Da auch das Lehrzimmer im ersten Stockwerk dieses Gebäudes für ungeeignet befunden wurde – es war zu niedrig und nur unregelmäßig ausgeleuchtet, das Licht gelangte nämlich durch vier rechte Fenster, durch drei rückwärtige Fenster und lediglich durch zwei linke Fenster – erging an den Ortsschulrat der Auftrag, für eine geeignete Lokalität zu sorgen.  Als diese so ohne weiteres in der Nähe der Schule nicht realisiert werden konnte, mußte an den Neubau eines Schulhauses gedacht werden. Ortsschulrat und Gemeindevertretung erteilten ihre Bereitwilligkeit zur Errichtung eines neuen Schulgebäudes unter der Voraussetzung, daß der Landesschulrat gleichzeitig eine Knabenbürgerschule für Peterswald errichten müßte.  Weil dieses Ansuchen jedoch vom Landesschulrat abschlägig beschieden wurde, wollte die Gemeinde an einen Neubau nicht herantreten.  Daraufhin untersagte der Bezirksschulrat mit seinem Erlaß vom 18. Dezember 1902 der Schulleitung kurzerhand, nach dem 1. Januar 1903 in den beiden Klassenzimmern im Hause Nr. 7 zu unterrichten.  Diese zwei Klassen, die dritte und die fünfte Klasse (für Knaben) wurden daher in das eigentliche Schulhaus verlegt.  Da der Raum nicht ausreichend groß war, wurde Wechselunterricht eingeführt,ar in der Weise, daß in den unteren drei Klassen abwechselnd unterrichtet wurde, indem die eine von 8 bis 10 Uhr, die andere von 10 bis 13 Uhr, hierauf wieder die erste von 13 bis 15 Uhr und endlich die zweite von 14.30 bis 16 Uhr Unterricht hatte.  Die oberen vier Klassen, nämlich die vierten und beiden Klassen, hatten normalen Betrieb.

Durch diesen Unterrichtsbetrieb, bei dem ununterbrochen von 8 Uhr früh bis 4 Uhr nachmittags unterrichtet werden mußte und die Unterrichtsräume nicht hinreichend gelüftet werden konnten, liefen Lehrer und Schüler Gefahr, Schaden an ihrer Gesundheit zu nehmen.  Die Lösung der Schulbaufrage wurde daher immer dringlicher.  Man erkannte endlich, daß gebaut werden mußte, konnte sich aber wieder nicht darüber einigen, ob ein zweites Stockwerk auf das alte Schulgebäude aufzusetzen oder ob dieses alte Schulgebäude abzureißen und an seine Stelle ein neues, allen Anforderungen entsprechendes Gebäude aufzubauen sei.  Eine dritte Partei trat dafür ein, man möge das alte Schulgebäude als Wohnhaus ausbauen und das neue Schulgebäude entweder auf dem Grundstück Nr. 7 oder auf dem Marktplatz errichten.  Die Behörde drängte auf eine Entscheidung, und so einigten sich im Jahre 1904 endlich die Parteien dahingehend, das alte Schulgebäude abzutragen und daselbst ein neues und modernes Schulgebäude zu etablieren.  Der Aussiger Baumeister Benesch wurde mit der Ausarbeitung der Baupläne betraut, die dem Bezirksschulrat zur Genehmigung vorgelegt wurden.  Obwohl in kurzer Zeit bewilligt, war mit Beginn des Jahres 1905 noch immer nicht mit dem Bau begonnen worden.  Da griff wieder die Behörde ein.  Mit dem Erlaß des Bezirksschulrates vom 18. Februar 1905 wurde die Schulleitung beauftragt, das Schulgebäude zu räumen, die von der Gemeinde zur Verfügung gestellten Räume zu beziehen, und, wenn nötig, Wechselunterricht einzuführen.  Der Ortsschulrat erhielt den Auftrag, sofort nach der Räumung des Schulgebäudes mit der Abtragung desselben zu beginnen.  Die Übersiedlung wurde in der Zeit vom 18. bis 21. März 1905 vollzogen, und am 21. März mittags wurde mit der Abtragung des Daches begonnen.

Da die Gemeinde der Schule nur vier völlig ungeeignete Lokale zur Verfügung stellen konnte, nämlich die beiden Klassen in Nr. 7, deren Benutzung ja untersagt worden war, und zwei Räume im Hause Nr. 1, ein früher von der Sparkasse benutztes Lokal und die Garderobe in der Post, mußte für die sieben Klassen wieder Wechselunterricht in der Zeit von 8 bis 12.30 Uhr und von 13 bis 17 Uhr eingeführt werden.

Am 29. April 1905 um 7 Uhr früh fand die Grundsteinlegung in schlichter Weise in Gegenwart des Gemeindevorstehers Anton Kühnel, des ersten Gemeinderates Anton Wolf, des Pfarrers Alois Skliba sowie des Oberlehrers Franz Fejfar statt.  Erbaut wurde das Haus von Maurermeister Karl Grohmann nach den Plänen des Baumeisters Benesch.  Die Bauaufsicht führte Baumeister Pless aus Karbitz.  Am 12. November 1905 konnte neue Schulgebäude eingeweiht werden.  Als Vertreter der Schulbehörde war Bezirksschulinspektor Johann Mugrauer erschienen.  Die Teilnahme der Bevölkerung war zahlreich.  Auch die Schulen der umliegenden Gemeinden waren vertreten.  Bezogen wurde die Schule am 4. Dezember 1905.  Ab diesem Tage an wurde wieder ganztägiger Unterricht in vorschriftsmäßiger Weise erteilt.  Die Kosten des Baus beliefen sich auf 12.000 Kronen.  Zur Anschaffung der Einrichtung hatte der Spar- und Vorschußkassenverein den Betrag von 4.800 Kronen gestiftet.  Das Gebäude wurde mit Zentralheizung und modernen Lüftungsanlagen ausgestattet.

Mit der Errichtung dieses neuen, allen behördlichen Anforderungen entsprechenden Gebäudes war nun der Grundstein zum weiteren Ausbau der Schule gelegt.  Mit dem Erlaß des Landesschulrates vom 15. Januar 1906 wurde einem neuen Ansuchen des Ortsschulrates zur Errichtung einer Knabenbürgerschule in Peterswald stattgegeben.  Voraussetzung zur Bewilligung durch den Landesausschuß war allerdings, die Leitung der Volksschule mit jener der Bürgerschule zu verbinden, die 5. Knabenklasse (das waren das sechste, siebte und achte Schuljahr) aufzuheben und in diese Bürgerschule auch Schüler aus benachbarten Schulgemeinden aufzunehmen.

Die Knabenbürgerschule wurde am 17. September 1906 mit der ersten Klasse eröffnet.  Ihre Leitung wurde dem bisherigen Oberlehrer Fejfar, der die Befähigung für Bürgerschulen erworben hatte, übertragen.  Im Laufe des Sommers 1907 wurde ein Anbau für den Turn- und Zeichensaal errichtet, und beide Räume wurden mit den erforderlichen Einrichtungsstücken versehen.  Im Schuljahr 1907/08 wurde die Bürgerschule um die zweite, im folgenden Jahre um die dritte Klasse erweitert und damit der innere Ausbau der Schule in Peterswald vollendet, da nach den neuen Vorschriften auch Mädchen – wenn auch in beschränktem Maße – in die Knabenbürgerschule aufgenommen werden durften.

Die Lehrmittelsammlung der Schule expandierte im Laufe der letzten zwanzig Jahre enorm.  Während sie vor Errichtung der Bürgerschule in nur drei Schränken, die auf dem Schulgange und einem Klassenzimmer aufgestellt waren, Raum genug hatte, füllte sie jetzt vier kleine Zimmer.

Das Gebäude enthielt im Erdgeschoß die Direktor- und die Schuldienerwohnung, zwei Lehrerzimmer, ein Kabinett und den Turnsaal mit einem kleinen Geräteraum.  Im ersten Stockwerk waren vier Klassenräume, das Direktorat und zwei Kabinette, im zweiten Stockwerk ebenfalls vier Klassenräume, ein Konferenzzimmer, ein Kabinett und der Zeichensaal mit einem kleinen Nebenraum untergebracht.  Eines der vier Lehrzimmer im zweiten Stock wurde als Lehrmittelkabinett verwendet.  Ein Klassenraum im Erdgeschoß, der infolge Auflösung einer Klasse verfügbar wurde, wurde im Schuljahr 1926/27 als Schulküche eingerichtet.

Der Erste Weltkrieg hatte für die Peterswalder Volks- und Bürgerschule im Jahre 1925 eine Verminderung der Klassenzahl von zehn auf neun Klassen zur Folge.  Die Schule, deren Leitung von 1924 bis 1945 Josef Karger innehatte, umfaßte nach der Reduzierung neun Klassen: eine vierklassige Volksschule sowie eine dreiklassige Bürgerschule, darüber hinaus war im Schulgebäude auch die im Jahre 1902 errichtete zweiklassige gewerbliche Fortbildungsschule untergebracht.  Vor Errichtung der gewerblichen Fortbildungsschule bestand in Peterswald eine landwirtschaftliche Fortbildungsschule.  Im Jahre 1918 hatte die Schule in Peterswald 10 Klassen, die 1925 auf 9 Klassen reduziert wurden.  Die Leitung der Volks- und Bürgerschule hatte von 1924.

Aufgrund der Volkszählung im Jahre 1939 war die Bevölkerung zu 100 Prozent deutsch.  Daran dürfte sich während der Zeit des Nationalsozialismus nichts geändert haben.  Trotzdem hörte die deutsche Schule in Peterswald im Jahre 1945 auf zu bestehen.  Das Recht auf Schulbildung und Erziehung wurde den Deutschen von den tschechischen Behörden entzogen.

Der Vollständigkeit halber mögen noch die Namen der Lehrer, beziehungsweise Schulleiter, hier Platz finden.  Wie schon erwähnt, wird

·      Jakob Püschel (Pieschel) als erster Lehrer in Peterswald genannt (1656 bis
     1671/72).  Ihm folgten

·       Elias Michl (1672 bis 1688),

·       Wenzel Kralup (1688 bis 1690),

·       Elias Siegmund Michl (1690 bis ?),

·       Johann Georg Ritschel (von 1731 an als Präzeptor, von 1743 bis ? als
     Schulmeister),

·       Johann Michel Hampe (1764 bis 1768),

·       Johann Georg Hampe (1768 bis 1802 – seine 34jährige Dienstzeit wird
      besonders hervorgehoben),

·       Augustin Hampe (1802 bis 1804),

·       Franz Josef Klaus (1804 bis 1806),

·       Ignaz Mirsch (1806 bis 1834 aktiv, von da an bis 1843 im Defizientenstand),

·       Augustin Michl (13.6.1843 bis 1852),

·       Franz Tischer (1.5.1852 bis November 1870 als Lehrer, bis 15.1.1873 als
      provisorischer Oberlehrer und endlich bis zu seinem Tode am 31.8.1886
      als definitiver Oberlehrer,

·       Josef Gruss (1886 bis 1889),

·       Johann Krehan (1889 bis 1892),

·       Anton Klöpsch (1892 bis 1898, von da an bis zu seinem Tode Oberlehrer
      in Schönpriesen) sowie

·       Franz Fejfar (1883 bis 1898 als Unterlehrer und Lehrer, dann bis 1906 als
     Oberlehrer und schließlich bis zu seiner Ende 1924 erfolgten Pensionierung
     als Direktor der Volks- und Bürgerschule – er brachte mithin seine ganze
     Dienstzeit in der Gemeinde Peterswald zu).

     Sein Nachfolger als Direktor wurde

·       Josef Karger, der schon zuvor eine Reihe von Jahren als Lehrer und Fachlehrer
      in Peterswald gewirkt hatte.  Unter ihm arbeiteten die Lehrer Schubert und
      Streit, Franz Fejfar Junior, Herr und Frau Böhm, die Herren Tischler und
      Tscherney und Frau Hedwig Mattauch.

Nollendorf hatte schon in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine eigene Schule und glücklicherweise auch gute Schulmeister.  Ihnen ist es zu verdanken, daß von 1825 bis 1880 etwa 18 junge Männer aus Nollendorf durch ein Studium zu ihrem akademischen Beruf kamen.  Die Schule war einklassig mit Halbtagsunterricht.  Mutmaßlich bestand in Nollendorf eine Schule seit dem Jahre 1787, da in diesem Jahre Nollendorf zur Lokalie erhoben wurde.  Vor dem Jahr 1813 war das Schulhaus ein kleines, mit Stroh gedecktes ebenerdiges Häuschen, welches im Kriegsjahre, wie viele andere Häuser des stark in Mitleidenschaft gezogenen Ortes, in Flammen aufging.  Im Jahre 1817 wurde eine neue ebenerdige Schule erbaut.  Das letzte einstöckige Schulhaus stammt aus dem Jahre 1857.  Eingeschult war Jungferndorf.