Peterswald im Erzgebirge

Friedhof Gedenkfeier am 1. Juli, 2006

Etwa sechzig ihrer Heimat beraubte Peterswalder deutscher Muttersprache begegneten am 1. Juli 2006 auf dem Friedhof ihres Heimatorts mit sechs Peterswaldern tschechischer Muttersprache ( einschließlich zweier nicht vertriebener Altpeterswalder ) und etwa ein Dutzend ihrer nach der Vertreibung geborener Nachkommen.  Anlaß dazu bot die Einweihung einer Mahnstätte "Zum Gedenken aller verstorbenen deutschen Einwohner der Kirchengemeinde Peterswald und der Opfer aller Kriege".  Heimatbetreuerin Liane Jung begrüßte die Anwesenden, insbesondere den Leitmeritzer Generalvikar Karel Hawelka, der zur Einsegnung der Gedenkplatte gekommen war und Bürgermeister Zdenek Kutina.

Die Heimatbetreuerinnen Annelies Zechel und Edith Fischer hatten sehr gute Vorarbeit geleistet.  Besonders Frau Fischer hat sich um die Geistlichkeit bemüht und hat dem Ganzen hiermit einen würdigen Rahmen gegeben.

Vor der Segnung bat Hochwürden Hawelka den bei ihm zu Gast weilenden Hildesheimer Domherrn Dr. Kara um Worte des Gedenkens.  "Wer nicht weiss, woher er kommt, kann nicht wissen, wohin er geht" war das Motto seiner kurzen Ansprache.  Jahrzehntelang glaubten wir jene, die vor uns gegangen waren, verloren zu haben.  Die Pflege ihrer Grabstätten wurde uns verwehrt, ihre Gräber eingeebnet, ihre Grabsteine zerstört.  Nun haben wir sie wieder gefunden. "Gott gibt, Gott nimmt, uns bleibt das Danke" war der Sinn zweier feierlicher Lieder, die Hochwürden Hawelka vor und nach der Denkmalweihe zu singen bat.  Er beendete die Einweihung mit dem Beten des "Vaterunser" und "Gegrüßet seist du Maria."

Danach erinnerte Rudolf Püschel aus Kalifomien an die Geschichte des Peterswalder Friedhofs: Angelegt nach der Ortsgründung um AD 1240 um eine AD 1352 zum ersten Mal erwähnte, dem Patron St. Nikolaus geweihte Kirche wurde er letzte Ruhestätte der Vorfahren der Versammelten und anderer seit fast 800 Jahren.  Die Kirche wurde 1639 während des Dreißijährigen Krieges zerstört und 1657 an gleicher Stelle wieder aufgebaut.  Diese für den wachsenden Oft zu klein gewordene hölzeme Kirche wurde 1793 durch einen im Barockstil errichteten Steinbau außerhalb des Friedhofs ersetzt, an den noch stehende Fassaden und Turm erinnern.  Der Platz der ursprünglichen Kirche ist durch ein 1796 errichtetes, heute ebenfalls dem Verfall preisgegebenes Barockkreuz aus Sandstein markiert.  Von den seit 1784 lückenlos bekannten Seelsorgem Peterwalds verdient der yon 1895 his 1932 am längsten dienende Pfarrer Alois Skliba Erwähnung; ein halbes Dutzend der Anwesenden identifizierten sich als yon ihm Getaufte.  Zum Schluss übergab Herr Püschel der deutschen Heimatgemeinde Peterswald einen Katechismus, mit dessen Hilfe er 1944/45 und seit 1932 andere Peterswalder Schüler Religion lemten, zusammen mit Gesang- und Gebetbüchem, eines davon aus dem Jahr 1806, die sein Bruder 1965 während einer Dienstreise in die damalige Tschechoslowakei vor der Vemichtung bewahrt hatte.

Zum Schluss dankte Petrovice / Peterswalds Bürgermeister Kutina den Anwesenden für ihr Kommen.  Er betonte das Interesse des Gemeinderats an der Geschichte des Ortes, insbesondere seines 100 Jahre alten Schulgebäudes.  Die Erhaltung der Tradition verlangt gegenseitiges Kennenlemen und Verstehen zwischen deutschen und tschechischen Peterswaldern.  Er bat um Beiträge zu einer Publikation über Peterswald und seiner Schule und betonte die Absicht der Gemeinde, im Jahre 2007 aus Anlaß des 650-jährigen Bestehens Peterswalds verschiedene kulturelle und sportliche Aktivitäten durchzuführen, zu denen er auch die deutschen Peterswalder einlud.  Diese hatten einst durch Landwirtschaft und Industrie den Ort zu wirtschaftlicher Blüte gebracht.  Ihre Vertreibung resultierte nicht nur im baulichen Zerfall des Dorfes, er führte auch zu einem kulturellen und wirtschaftlichen Verfall.  Das Bemühen der Gemeinde, diesen Zerfall aufzuhalten und, wenn möglich, rückgängig zu machen verdient Achtung.

Dr. Rudolf Püschel