„Heumache" im Rückblick auf meine Kindheit

Ab Mitte Juni beobachtete Großvater Kraut das Gras auf unseren Wiesen.  Fing es an zu blühen, war es Zeit für die Heumache.

Da es auf der hintersten Brache nur kleine Landwirtschaften und Häusler gab, waren alle auf gegenseitige Nachbarschaftshilfe angewiesen.  Es gab auch keine zusammenhängenden Fluren, wie z.Bsp., in Peterswald bei den großen Bauern.  In der Tise gab es Fleckelfelder, die bunt durcheinander die verschiedensten Nachbarn hatten.

Auf dem Weg zum Ziegelteich waren rechts die langen Wiesen, die letzte vor der Steinbrücke gehörte uns.  Sie war durch die Losche zweigeteilt, ein großer flacher Stein war die Brücke und dort stand ein Schwedenkreuz, welches an den 30 jährigen Krieg erinnerte.  Diese Wiese war immer die erste, die zur Heumache anstand.

Vorbereitungen waren getroffen, Großvater hatte sich mit dem Dengelstock auf den Holzplatz gesetzt und die Sensen gedengelt.   Der schöne, gleichmäßige Klang, wenn der Hammer auf den Stahl traf, klingt mir noch heute in den Ohren.  Es klang, als müßte ein kleines Glöckchen einer großen eilig nachtippeln.  Dann ging es in die Nachbarhäuser, um die notwendigen Männer einzuladen.   Das waren Fiedler, Julius jun., Rosenkranz (Püschner) Richard, Pohler, Otto, Ritschel, Franz und selbverständlich Onkel Kraut Julius.  Die größeren Wirtschaften wie beim Rührwenze oder Boch, Franze (Klement) besaßen schon Mähmaschinen, welche von Pferden oder Ochsen gezogen wurden.  AIle anderen waren auf die traditionelle Hilfe angewiesen.

Am festgeIegten Tag ging es mit der geschulterten Sense und der Wetzkerze am Hosengürtel zur Wiese.  Onkel Julius fing an, das taufrische Gras zu schneiden, welches sich in gleichmäßigen Schwaden auf die Wiese legte.  Nach ca. 3 m Vorsprung begann der 2. Mäher usw.  Gegen 6.30h brachte Mama Wurstschnitten und als Getränk Eierwasser, dazu wurden Eier, Zucker, Zitronensaft oder Essig mit Wasser verquirlt, das wurde gern getrunken.

Mama und Großvater streuten dann mit Gabeln die Schwaden breit, so daß es die Sonne gut trocknen konnte.  An den folgenden Tagen wurde vor- und nachmittags gewendet und abends gehäufelt.  Wenn das Heu brach, war es zum Einfahren fertig.  Großvater spannte die Kühe vor den Leiterwagen und bei der Hinfahrt konnten aIle aufsitzen.  Das zusammgemachte Heu wurde nun auf den Wagen gegabelt und Mama schichtete es geschickt rechts und links überhängend auf, es mußte gleichmäßig verteilt sein, denn wenn die Fuhre auf den holprigen Wegen kippte, war das schon ein Malheur.  Zur Befestigung wurde längs der Heubaum (Holzstange) obenauf gelegt und dieser mit Stricken hinten und vorn befestigt.  Nach dem Abrechen, durften dann wir Kinder raufklettern und fühlten uns wie Könige, so hoch oben im duftenden Heu.  Gern denke ich an die lange Heimfahrt von der Kinschwälder Wiese hinterm Ziegelteich und an die romantische Wiese nach Oberwald zu.

Daheim wurde der Wagen dicht an's Scheunenloch gefahren und das Heu auf den Scheunenboden gegabelt, drinnen wurde es gepanselt.  Das glich einer Schwitzkur, die aber sehr stachlig war.

Die Nachbarschaftshilfe beruhte lediglich auf Vertrauen, an finanzielle Abfindungen wurde nicht einmal gedacht.

„Damals war's".   Eure Inge.

Inge Galle,  20. Juni 2008