Peterswald im Erzgebirge

Die Lage 

Der Grenzort Peterswald liegt in 540 m Höhe am östlichen Ausgange des Erzgebirges, welches sich vom Fichtelgebirge bis zum Elbesandsteingebirge erstreckt.  Peterswald ist ein altes deutsches Waldhufendorf an der alten Reichsstraße, die von Teplitz nach Pirna führt.  Diese Straße fällt von der Paßhöhe in Nollendorf von 679 m über dem Meere auf 661 m in Jungferndorf und schließlich auf 433 m an der Landesgrenze am unteren Teile von Peterswald.  Die alten Bauerngüter liegen zu beiden Seiten des Dorfbachs, der aus dem Gemeindewalde nördlich von Nollendorf kommt.  An der Landesgrenze nimmt er den ebenfalls aus dem Gemeindewalde entspringenden Loschebach auf und mündet in die Gottleuba, die bei Pirna in die Elbe fließt.  Das Dorf erstreckt sich in einer Länge von fünf Kilometern und hat in seinem oberen Teil ein ziemlich rauhes Klima und daher wenig Obstbau, während in seinem mittleren und unteren Teil Obstbäume wohl gediehen.

Peterswald hatte im Jahre 1939  521 Häuser mit 2429 Einwohnern, und in 1945 ca. 2800 Einwohner.  Die nächsten Eisenbahnstationen waren Tyssa-Königswald, Tellnitz und Gottleuba, je zehn Kilometer von der Ortsmitte entfernt.  Die umliegenden Höhen, die nach Sachsen zu eine lohnendere Aussicht bieten als nach Böhmen, sind der Bernhardsberg ( 613 m ), der Hirschberg ( 581 m ), der Krahlberg ( 551 m ) und der Schlösserberg ( 599 m ).

Die Landkarte zeigt einen Ausschnitt aus der Karte des Bezirkes Aussig zur Veranschaulichung der Lage von Peterswald.

Ortsgründung

Unter den Deutschen, die im 13. Jahrhundert im Lande der Prñmysliden siedelten, war ein Thüringer namens Peter.  Als Anführer einer Siedlerschar legte er um das Jahr 1240 den Grundstein zur Siedlung Peterswald am Nordabhang des östlichen Erzgebirges in 551 m Höhe (Basis der späteren Kirche), im Tale eines oberhalb des Dorfes in 661 m Höhe entspringenden und in die Gottleuba mündenden Baches gelegen.  Die Waldhufen wurden zu beiden Seiten des Dorfbaches zwischen 433 m und 661 m Höhenlage in einer Ausdehnung von 5 Kilometern entlang des Baches angelegt.  Für die Anlage der Hofstätten zu den ursprünglich 79 Hufen waren die Grundwasserverhältnisse maßgebend, so daß das Dorf etwas abseits einer bereits bestehenden Landstraße – der Salzstraße, die Böhmen mit Sachsen verband – angelegt wurde.  Das Tal, in dem es sich ausbreitete, fällt allmählich vom Nollendorfer Kamm (674 m) in Richtung Sachsen ab.  Die umliegenden Höhen, die nach Norden eine lohnendere Aussicht bieten als nach Süden, sind der Bernhardsberg (613 m), der Kralberg (583 m), der Hirschberg (581 m) und der Schlösserberg (599 m).

Urkundlich tauchte der Name Peterswald in seiner deutschen Form zum ersten Mal im Jahre 1352 auf, als die dann schon seit einiger Zeit existierende Kirche zum ersten Mal erwähnt wurde.  Sehr oft wurde der lateinische Name Petrisilva verwendet.  Im Ortsnamen hat sich der Name jenes Peter erhalten, der als Unternehmer (locator) das vom Landesherrn zur Gründung eines Dorfes bestimmte Gebiet gegen eine bestimmte „Anleit" übernahm und sich verpflichtete, es in einer gewissen Zeit mit Ansiedlern zu bevölkern.  Für seine Mühe erhielt er eine Freihufe und bestimmte Vorrechte, wie die Dorfgerichtsbarkeit und das Recht des Bier- und Salzschanks.

Seit 1352 waren die Patrone der Kirche in Peterswald die Herren von Wartenberg, die im nördlichen Böhmen reich begütert waren, so Benesch von Wartenberg (1367-1371) auf Tetschen, Sigmund von Wartenberg (1429) auf Blankenstein und dessen Vetter Johann (1452), der mit dem Kurfürsten von Meißen um die Gerichtsbarkeit von Peterswald im Streite lag.  Die Grenze zu Sachsen, die zum Teil die nördliche Ortsgrenze Peterswalds ist, wurde erst im Jahre 1459 auf dem "Tag zu Eger" festgelegt.  Pirna, Gottleuba und andere Orte, die zum Dekanat Aussig gehörten – wie Königstein, Reinhardsdorf, Hermsdorf, Markersbach, Ölsen und Rosenthal – wurden an Meißen abgetreten.  Im Jahre 1506 bildeten Peterswald, Nollendorf und Schönwald ein Zubehör zur Herrschaft Graupen und verblieben dabei bis zum Verkauf dieser Herrschaft im Jahre 1579.

Geschichtlichen Überblick

Ortsgründung ca. 1240.  Peterswald ist ein altes Pfarrdorf und wurde zum ersten Mal urkundlich erwähnt im Jahre 1352.

1459 wurde die Grenze zu Sachsen, die zum Teil die nördliche Ortsgrenze Peterswalds ist, auf dem "Tag zu Eger" festgelegt.

Am 8. Oktober 1495 wurde eine neuerbaute Kirche in Peterswald durch den Meißner Weihbischof Johann von Salhausen eingeweiht.

1506 bildeten Peterswald, Nollendorf und Schönwald ein Zubehör zur Herrschaft Graupen und verblieben dabei bis zum Verkauf dieser Herrschaft im Jahre 1579.

Nach 1578 war die Pfarre zeitweise lutherisch.

Am 13. November 1631 zog der Kurfürst von Sachsen, mit seinen zwei Leibregimenten, nach Böhmen über Peterswald wo er übernachtete.

1632
Wallensteins Zug gegen Leipzig und sein Rückzug.

In 1639 wurde die Kirche von den Schweden in Brand gesteckt

1654 hatte Peterswald 91 Häuser; davon waren 63 bewohnt, 28 unbewohnt ( wüst infolge des Dreißigjährigen Krieges ).

Im Jahre 1657 wurde die Peterswalder Kirche erneuert.

Peterswald an der Staatsstraße Dresden-Prag gelegen, entwickelte sich von 1787 an durch Erzeugung von Schnallen und Knöpfen zu einer Industriegemeinde, deren Erzeugnisse in allen Ländern der Welt einen guten Absatz fanden.

Im Jahre 1793 wurde eine neue Kirche außerhalb des Friedhofs gebaut.  Die heutige Pfarrkirche St. Nikolaus ist ein Barockbau.

Am 25./26. Mai 1809 hatte in Peterswald und bei Nollendorf die Schwarze Legion mehrere Gefechte zu bestehen.

Am 16. September 1813 übernachtete Napoleon in Peterswald.
 
1833 hatte Peterswald 375 Häuser und 2242 Einwohner.

1850 wurde Peterswald unabhängig von der Herrschaft Schönwald.

Im Jahre 1850 wurde Peterswald zum Marktflecken erhoben.

Peterswald hatte als Grenzstation Bedeutung; daran erinnert die hohe pyramidenförmige Grenzsäule.

Wirtschaft:  Metall- und Knopffabriken, Reißverschlußindustrie.

1930 ( mit Antonsthal und Neuhof ): 2728 Einwohner ( 2631 Deutsche, 57 Ausländer, 40 Tschechen ). 

1939 hatte Peterswald 883 Haushaltungen, 2429 Einwohner 

Zu Peterswald gehörte auch die Einschicht Hungertuch mit 4 Häusern und 14 Einwohnern.

Ortsbeschreibung des Marktflecken                    

Peterswald, seit dem Jahre 1850 Markt, hatte 521 Häuser und 2429 Einwohner in 1939.  Im Jahre 1908 hatte Peterswald 495 Häuser und 2565 Einwohner.  Es liegt am östlichen Ende des Erzgebirges an der sächsischen Grenze in einer Höhe von 551 m (Basis der Kirche) und erstreckt sich zu beiden Seiten der von Teplitz nach Pirna führenden Reichsstraße in einer Länge von 5 km.  Die Reichsstraße fällt von 679 m ( Nollendorf ) auf 661 m ( Jungferndorf ) und schließlich auf 433 m (Gaugrenze).  Das Dorf wird vom Peterswalder Dorfbach durchflossen, der bei Jungferndorf entspringt und sich mit der Gottleuba vereinigt.  Die nächsten Eisenbahnstationen sind Tyssa-Königswald, Tellnitz und Gottleuba, je 10 km von der Ortsmitte entfernt.  Pfarre im Orte.  Die Post geht über Bodenbach.  Autobusverbindung Aussig-Dresden und Karbitz-Tellnitz- Nollendorf-Peterswald-Königswald.  Pfarre und Schule mit Hauptschule im Orte.

Die Hauptbeschäftigung der Bewohner ist neben der Landwirtschaft die Industrie ( Klein-und Metallindustrie, Metallknopferzeugung ).  Das Verhältnis Ackerbau zu Industrie ist 1 zu 3.  In früheren Jahren wurde viel Samtweberei betrieben.  Die Schnallenmacherei geht schon bis ins Jahr 1720 zurück.

Peterswald ist ein echtes Waldhufendorf aus dem 13. Jahrhundert.  Den Namen erhielt es wohl von dem Siedlungsführer, der die Dorfmark in Hufen aufteilte.  Die Lage des Ortes ist durch die uralte Salzstraße gegeben, die zu allen Zeiten eine wichtige Einfallstraße nach Böhmen bildete.  Die erste Nennung als Kirchort geschieht im Jahre 1352.  1495 erhielt Peterswald eine neue Kirche, die 1639 von den Schweden eingeäschert, 1656 aber neu hergestellt wurde.  Die jetzige Kirche stammt aus dem Jahre 1793.

Seit Einführung einer regelmäßigen Postverbindung zwischen Dresden und Prag im Jahre 1625 ( erst Fußpost, 1652 Reitpost und 1752 fahrende Post ) erlangte Peterswald als Grenzstation eine wichtige Bedeutung.  Seit 1827 wurde eine wöchentlich zweimalige Eilpost eingeführt.  Der Peterswalder Postmeister unterhielt allein 36 Pferde; es gab auch Frachtunternehmer, die 30 bis 40 Pferde hielten.

Infolge seiner Lage an einer wichtigen Einfallstraße nach Böhmen war Peterswald Zeuge der kriegerischen Ereignisse im Dreißigjährigen und Siebenjährigen Kriege.  ( Sachseneinfall 1631, Wallensteins Zug gegen Leipzig und sein Rückzug 1632, der zweite Schwedeneinfall 1639, der Preußeneinfall 1741, 1744, 1756, 1757, 1778 ).  In der mündlichen Überlieferung leben noch die Ereignisse der Schlacht bei Kulm und Arbesau im Jahre 1813 weiter.  In Peterswald erinnert man daran, daß Napoleon im alten Gemeindehaus Nr. 7 übernachtete.  Im Bruderkriege 1866 sah Peterswald ebenfalls viele Truppendurchmärsche, 1938 bei der Befreiung des Sudetenlandes und 1939 bei der Besetzung des Protekorates.  Als das olympische Fest 1936 in Berlin gefeiert wurde, war Peterswald bei einem massenhaften Besuche Zeuge der Feierlichkeiten, die mit der Übergabe der griechischen Fackel aus böhmischer in reichsdeutsche Hand verbunden waren.

Bauliche Besonderheiten sind außer der schon erwähnten Kirche die Volks- und Hauptschule, erbaut 1905; das alte Rathaus, früher Post" genannt, jetzt Gasthaus; das Kastanienhaus im Unterdorfe Nr. 78; eine Ruine, Schafstall genannt, als Rest eines Meierhofsgebäudes; das Schwedenkreuz auf der Rodung Drei Linden" und das Bergloch im Mordgrunde.  Das Gefallenendenkmal steht auf dem Rathausplatze an Stelle des früheren Kriegerdenkmals.  Hinter der Kirche steht das Pestkreuz auf dem Massengrabe der im Jahre 1814 an der Ruhr Gestorbenen.

Naturkundliche Seltenheiten sind: Gegen den Mordgrund auf der Höhe Burg" genannt ist ein Basaltdurchbruch durch das Urgestein, den Gneis.  Seltene Pflanzen sind: die Türkenbundlilie und die Schuppenwurz im Mordgrunde, der Sonnentau gegen Neuhof, die akeleiblättrige Wiesenraute und der Siebenstern an der Tyssaer Grenze".  In der Ortsmitte steht die Kaiser-Josef-Eiche.

Einige Zahlen sollen das Wachstumdes Ortes kennzeichnen: 1654 hatte Peterswald  91 Häuser; davon waren 63 bewohnt, 28 unbewohnt ( wüst infolge des Dreißigjährigen Krieges ).  Es gab damals im Orte 60 Bauern, 19 Kleinbauern und 12 Häusler.  1787 wurden 287 Nummern gezählt.  Der Ort war also in dieser Zeit um 196 Nummern gewachsen.  1833 hatte Peterswald 375 Häuser und 2242 Einwohner, während die Stadt Aussig im selben Jahre nur 321 Häuser mit 1759 Einwohnern zählte!  Da Peterswald jetzt 521 Häuser hat, war der Zuwachs auch im 19. und 20. Jahrhundert bedeutend, aber die Bevölkerung hat sich nur verhältnismäßig wenig vermehrt.

Die umliegenden Höhen, die nach Sachsen zu eine lohnendere Aussicht bieten als nach Böhmen, sind: der Bernhardsberg ( 613 m ), der Hirschberg ( 581 m ), der Krahlberg ( 551 m ) und der Schlösserberg ( 599 m ). Die Bewohner beschäftigen sich um 1907 teils mit Landwirtschaft und Viehzucht, teils mit Samtweberei, Knopfmacherei und Strohflechterei.  Die erste Sammtfabrik trug die Firma Laubenstein; die erste Hornknopfarbeit haben die Gebrûder Wolf ins Leben gerufen.  Sammt und Knöpfe werden exportiert. Die Skt. Nikolauskirche in Peterswald stammt in ihrer jetzigen Gestalt aus dem Jahre 1793.  Peterswald hat eine Volks und Knabenbürgerschule und eine Expositur in Neuhof.  Peterswald ist ein alter deutscher Ort.  Man erzählt sich, der Name stamme von einen Höhler Peter her, der sich zuerst hier ansiedelte.  Die glückliche Entwicklung, des Gewerbslebens in Peterswald erlitt eine große Störung durch die Napoleonischen Kriege.  Im Jahre 1813 diente die Pfarrei als Spital; im Pfarrgarten und an anderen Orten wurden Leichen begraben, in der Kirche kampierten Russen und unterhielten darin Feuer, wegen sie die Bänke derselben benutzten.  Napoleon logierte am 16. und 17. September 1813 im Hause Nr. 7.  Der Stuhl worauf Napoleon saß, wurde im Hause Nr. 79 lange aufbewahrt.

Antonstal

Die Ansiedlung Antonstal mit 10 Häusern und 75 Einwohner ist neu und stammt aus dem Jahre 1873.  Im Jahre 1875 erfolgte die Einpfarrung nach Tyssa, am 23. September 1879 die Einschulung eben dahin und über R_____ endlich ( 1880 ) nach Peterswald.  Ein Bauer von Peterswald mußte Schulden halber einen Teil seiner Grundstücke verkaufen, worauf nach und nach Antonstal entstand.

Neuhof

Das Dorf Neuhof liegt an der sächsischen Grenze.  Die neugebaute Schule ist eine Expositur zu Peterswald und von der Mutterschule eine Stunde entfernt.  Neuhof wurde nach Aussage noch lebender Leute im Jahre 1838 gegründet.  Das erste Haus soll von einer Zigeunerfamilie erbaut worden sein.